2008 feiert Dimitar Rangelow Cottbus' Sieg über Hansa ©  Bernd Settnik/picture alliance

Hansa gegen Cottbus, Cottbus gegen Hansa, das war das wichtigste Ostderby der Nachwendezeit. Acht Mal spielten beide Vereine in der Bundesliga gegeneinander. Schön anzuschauen waren die Spiele nie, aber oft spannend, wie am 26. April 2008, es ging um den Klassenerhalt. Rostock führte schnell, Cottbus sah rot, Hansa verballerte Chancen. Ausgleich in der 82. Minute. Siegtreffer Energie in der 90. Ein Kullerkopfball, Hansa-Torhüter Stefan Wächter stand mit Kreuzbandriss im Tor, kollabierte auf der Linie fast vor Schmerz. Ein episches Spiel. "Ein emotionaler Totalschaden", sagen Rostocker, die damals dabei waren und später abstiegen. "Das Gegenteil", die Roten aus der Lausitz, die drinblieben.

"Totalschaden" ist fast acht Jahre später das passendste Wort, um die Lage beider Mannschaften zu beschreiben. Am Samstag spielt der Tabellen-17. gegen den 18. Aber: in der dritten Liga. Es herrscht Abstiegsgefahr und Chaos in den Vereinen. Bei Energie flog unter der Woche der Sportliche Leiter, der Kapitän wurde abgesetzt und in Rostock passiert eigentlich immer etwas. Diese Woche: drei verhaftete Hansa-Sprayer in Santiago de Chile, Sorgen um ein Geisterspiel nach Vorfällen im Heimspiel gegen Aue, die Suspendierung eines der Publikumslieblinge.

"Die beiden Vereine demontieren sich seit Jahren selbst", sagt Steffen Baumgart. Der 44-Jährige hat bei beiden Teams gespielt, als vieles noch gut war. Als nicht Großaspach kam, sondern die Bayern.

"Geld war immer knapp"

Baumgart ist ein kantiger Typ, Bart, ernster Blick, knorrige Stimme. Auf dem Platz war er so bissig, dass er als gelernter Stürmer auch mal rechts in der Verteidigung spielen musste. Beim Erzählen über seine Exvereine ist er es auch. Es erzürnt und berührt ihn, Ausreden, er nennt sie am liebsten "Blumensträuße", hat er satt. Besonders die, mit der Vereine ihre Not mit finanziellen Problemen begründen. Dann sagt er: "Geld war immer knapp, auch in der Bundesliga. Sportlich geht es immer. Als es in Rostock anfing zu funktionieren, Mitte der Neunziger, liefen noch die Ratten durchs Stadion."

Baumgart sieht die Verantwortlichen in der Pflicht. Er denkt an mangelhaftes Scouting, Unruhe in den Vereinen, viele Gesichter, die sich nach Einfluss sehnen, etwas entscheiden wollen. In Rostock zählt er auch einige Fans dazu. Er spricht von Trainern, die bei beiden Vereinen aufgeschmissen sind und aufgrund der Unruhe keine Zeit bekommen, langfristig zu arbeiten. In den vergangenen sechs Jahren verbrauchten beide Teams zusammen eine zweistellige Anzahl von Übungsleitern.

Keine Innovationen mehr

Doch noch vor dem munteren Trainerfeuern fingen die Probleme bei beiden Vereinen an. Die Abstürze verlaufen seit jenem Spiel im April 2008 nicht synchron, aber ähnlich. Bei den Rostockern steiler, bei den Brandenburgern ist die Kurve zackiger, erst spät fällt sie ins Bodenlose. Ein Erklärungsversuch für das menschliche Versagen: Beiden Vereinen wurde das Erfolgsmodell genommen, Innovationen und Weiterentwicklungen blieben aus.

Als Hansa Rostock Mitte der Neunziger in die Bundesliga aufstieg und zehn Jahre blieb, setzte der Verein auf eine Mischung aus regionalen Spielern und welche aus exotischen Märkten. Die Manager zogen Spieler aus England, dann aus dem ehemaligen Ostblock, Ägypten, Nigeria. Hansa konzentrierte sich auf bestimmte Märkte, graste sie ab, und bevor die Konkurrenz kam, zogen die Mecklenburger ab. Als sie nach Schweden gingen, wurde aus dem Nomadenleben eine neue Vereinskultur.

Mit der Fähre aus Trelleborg schwappten nicht nur neue Spieler, sondern auch Fans mit Wikingerhelm, Abba-CDs und Schwedenflagge über die Ostsee. Zeitweise spielten fünf Skandinavier gleichzeitig in der ersten Elf, und als die Schweden in Europa immer begehrter wurden, kamen Dänen, teurere Schweden wie Rade Prica und Marcus Allbäck und Finnen. Bevor Hansa erstmals in die dritte Liga abstieg, wurden notgedrungen zwei Isländer geholt. Der Verein verzockte sich, versenkte sein weniges Geld in skandinavischen Fjorden.