Showdown in Leverkusen: Felix Zwayer und Roger Schmidt © Patrik Stollarz/AFP/Getty Images

Wer spielte wie gegen wen?

Eintracht Frankfurt – Hamburger SV 0:0
FC Bayern München – SV Darmstadt 98 3:1
Borussia Mönchengladbach – 1. FC Köln 1:0
FC Ingolstadt – Werder Bremen 2:0
Hertha BSC – VfL Wolfsburg 1:1
TSG Hoffenheim – FSV Mainz 05 3:2
Bayer Leverkusen – Borussia Dortmund 0:1
FC Schalke 04 – VfB Stuttgart 1:1
Hannover 96 – FC Augsburg 0:1

Welches Spiel durften Sie auf keinen Fall verpassen?

Hoffenheim gegen Mainz. Julian Nagelsmann ist nun der jüngste Bundesligatrainer, der ein Spiel gewonnen hat. Zwei Versuche hat er nur gebraucht. Gegen die siegesgewohnten Mainzer setzte er auf Offensive. "Wir müssen Spiele gewinnen, dazu müssen wir Tore schießen", lautet sein Credo. Klingt irgendwie selbstverständlich, aber Nagelsmann muss diesen Satz so oft, so laut, so schön gesagt haben, dass er wirkte. Gilt auch für seine Taktik. Er brachte alles, was Tore schießen kann. Er stellte den Stürmer Philipp Ochs als linken Verteidiger auf, mit ihm kam Schwung über Außen. Den Stürmer Mark Uth, der in dieser Saison bislang keine Rolle spielte, ließ er vorne in der Mitte ran. Zwei Tore schoss er. Während des Spiels sah man von Nagelsmann Jubelfäuste, danach kokette Blicke in TV-Kameras. Da scheint einer schnell angekommen im Profifußball. Die Spieler schwärmten von ihm, ihre Begeisterung klang echt. Es war erst der dritte Saisonsieg der TSG und sie steht noch auf einem Abstiegsplatz. Noch, wie gesagt.

Welches Spiel konnten Sie mit gutem Gewissen verpassen?

Frankfurt gegen Hamburg. War nicht viel los am Freitagabend. Der HSV schoss ein bisschen herum, traf aber nicht. Was von der Eintracht kam, war noch dünner. Die Stimmung in Frankfurt ist mies. Pfiffe für die Mannschaft, Pfiffe für den Trainer. Die übliche Strategie Armin Vehs in solchen Momenten scheidet wohl aus. Wenn's nicht läuft, geht er ja gerne selbst. Diesen Joker hat er in Stuttgart zuletzt schon gezogen. Frankfurt hatte er vor knapp zwei Jahren auch freiwillig verlassen. Diesen Step kann er sich wohl nicht mehr leisten. Früher wurde er im Waldstadion gefeiert. Heute steht dort: "Armin Geh!" Es ist traurig, wenn Liebe erkaltet.

Wer stand im Blickpunkt?

Felix Zwayer, Deutschlands womöglich kommender Schiedsrichter Nummer eins. Er begab sich vor den Augen von Joachim Löw und Schiri-Boss Hellmut Krug in ein Duell mit dem Leverkusener Coach Roger Schmidt. Weil dessen Gemecker ihm auf den Senkel ging, wollte Zwayer Schmidt auf die Tribüne schicken. Zwayer blickte ihn von Weitem böse an, Schmidt verstand auch, reagierte aber mit einer abfälligen Geste. Also sandte Zwayer den Kapitän Stefan Kießling zu dem Sünder. Schmidt, kleinkindbockig, blieb stehen, sagte: "Das soll er mir selbst sagen." Ego gegen Ego. Dann ging Zwayer. Und verschwand zum Erstaunen aller mit seinem Team für zehn Minuten in den Katakomben. Das gab's noch nie. Das war alles bessere Unterhaltung als der Kampf auf dem Spielfeld. Welch stolze Gesten, welch herrliches Drama! Einen Epilog gab es auch noch. Sky schützte Zwayer und behauptete steif und fest, er habe so handeln müssen. So seien die Regeln. Damit piekste der Sender Rudi Völler und brachte ihn in Weißbierwaldi-Form, auch weil Zwayer nach der Pause noch einen Elfmeter übersah.

Viele sagen nun: Gesetz ist Gesetz. Gut, dass wenigstens die deutschen Schiris den Rechtsstaat achten. Zwayer erhielt Solidarität. Das ist prinzipiell gut, Spieler und Trainer sollen sich Schiedsrichtern gegenüber benehmen. Aber hört man sich im Pfeifenumfeld um, heißt es: Völlig ok, dass er Schmidt auf die Tribüne schickt, aber Zwayer hätte dies mit weniger Drama lösen können. Sein Verhalten mag zwar gerade noch von den Regeln gedeckt sein; Schiedsrichter dürfen ein Spiel unterbrechen, eigentlich aber nur bei gravierenden Einwirkungen von außen, etwa Unwetter oder Zuschauergewalt. Doch die Regeln des DFB lassen, wie jedes gute Gesetz, Spielraum. Zwayer hätte ein bisschen warten können, bis Schmitt geht, ihm eine kurze Frist setzen, den vierten Offiziellen einbinden können. Oder gleich mit Schmidt reden statt ihn aus fünfzig Metern Entfernung mit Blicken vom Feld schicken zu wollen. Richter erklären ihre Urteile dem Angeklagten ja auch. Zumal eins hinzukommt: Zwayer hatte in der Situation, die den Showdown mit Schmidt auslöste, nicht optimal gehandelt. Erst pfiff er den Dortmundern einen Vorteil ab, ließ sie dann, quasi zum Ausgleich, den Freistoß gut fünf Meter weiter vorne ausführen. Das war nicht streng nach Lehrbuch.

Unabhängig von Freistößen und Paragraphen erwartet man von einem Schiri zwar Strenge, aber auch dass er über den Dingen steht, statt die Lage zu eskalieren. Souveränität ist auch der Anspruch der Zunft an sich selbst, sogar in der Bezirksliga. Zwayer begab sich aber auf das emotionale Niveau eines Fußballtrainers und zu einem Schwanzvergleich herab.

Worüber reden nach dem Spieltag alle?

Thomas Müller. Da liegen die Bayern doch glatt gegen Darmstadt zurück. Und dann macht der mit seinen Stelzen erst den Ausgleich. Und dann purzelt er auf den Boden, als würde man Urmel alle Fäden auf einmal zerschneiden. Und dann ist der Ball doch wieder drin. Und dann hat Bayern wieder gewonnen. Schön auch: Müller freute sich, als wäre es sein erstes Tor. Er kriegt einfach nicht genug.

Was machten die Frauen?

Frankfurt gewann in Potsdam 4:3. Ein Duell, das mal brisanter war, diesmal aber immerhin Tore und Spannung zu bieten hatte. Und Wolfsburg holte im Spitzenspiel vor 1.979 Zuschauern gegen die Bayern einen Punkt durch einen Treffer von Tessa Wullaert in der 91. Minute. Die Münchnerinnen sind in der Tabelle allerdings kaum noch einzuholen.

Was war sonst noch wichtig?

  • Schalke glückt zwar gerade so ein 1:1 gegen Stuttgart, gewinnt aber am selben Tag die Abstimmung im Aufsichtsrat für den neuen Manager Christian Heidel haushoch 8:0.
  • Gladbach gegen Köln ist ohne Gästefans nicht dasselbe wie mit.
  • Der FC Ingolstadt verzichtet weiterhin auf gute B-Noten, selbst bei seinen Toren, aber nicht auf Punkte.
  • Hannover 96 lässt sich mit der Aufholjagd Zeit. Wohltuend in diesen hektischen Zeiten.
  • In der Türkei geht noch mehr Show als hier, da zeigte ein Spieler dem Schiri die Rote Karte, die dem heruntergefallen war.


Was war der User-Kommentar des Wochenendes?

"Zwayer wollte unbedingt zeigen, dass er den Längeren hat."

Guido3

Was war der Rudi des Spieltags?

"Wer hat uns denn mehr geschadet? Der Roger Schmidt? Oder der Schiedsrichter? Jetzt sagen. Nicht nachher, wenn das Mikro aus ist, dann sagen, du hast ja Recht, Rudi."

Rudi Völler zum Sky-Reporter Sebastian Hellmann