"Uff!" Gianni Infantino ringt um Fassung, um Worte. Er verdrückt eine Träne, schlägt sich mit der Hand auf sein Herz. Wie ein Stürmer nach einem Tor. Dann wendet er sich an die Fifa-Delegierten, die ihn eben zum neuen Präsidenten des Weltfußballverbandes gewählt haben. Und er verspricht ihnen: "Wir werden den Respekt für die Fifa wiederherstellen. Und die ganze Welt wird uns applaudieren."

Gianni Infantino, der 45-jährige Schweizer, soll den Skandal-Verband in eine helle Zukunft führen. Applaus, Applaus! Ob er das will und ob er das schafft – das wird sich zeigen. Aber immerhin hat die Fifa wieder einen Kopf. Einer, der zwar starken Stallgeruch hat – und eine Vollglatze. Aber kein Blut an den Händen, wie es gerüchteweise von anderen Kandidaten hieß.

Zum Beispiel von Scheich Salman al-Khalifa. Der Mann aus Bahrain galt im Vorfeld als Favorit. In der Nacht machen Gerüchte die Runde, es sei ihm gelungen, Infantino-treue Verbände auf seine Seite zu ziehen. Tatsächlich lässt Salman al-Khalifa nichts unversucht, um als neuer Herrscher im Fifa-Palast das Zepter zu übernehmen. Vor dem Hallenstadion marschieren gekaufte Demonstranten auf, die Stimmung machen: Für ihn, "The Clean Man", den Mann mit der sauberen Weste. Vor den Delegierten kokettiert er mit seiner Favoritenrolle. Er spreche nicht nach dem Manuskript, sondern frei. Also von Herzen. Trotzdem schielt er immer wieder auf seinen Text. Ein skurriler Auftritt.

Das Grauen will einfach nicht enden

Bis an diesem Freitag die Entscheidung fällt, geht es lang. Sehr lang. Unglaublich, wie aufwändig man 207 Stimmzettel verteilen, in eine Wahlurne stecken und auszählen kann. Die gelangweilte Schweizer Delegation hat gestoppt: Im Schnitt braucht jedes Fifa-Mitgliedsland 1 Minute und 10 Sekunden für seine Stimmabgabe. Das erzählt der Verbandspräsident bei einer Mini-Pressekonferenz, die er aus einem einzigen Grund einberufen hat: Er wollte raus aus dem Saal, etwas Abwechslung, andere Gesichter sehen. Und dann diese seichte Hintergrundmusik, die zwischen den Wahlgängen aus den Lautsprechern tröpfelt. Und dieser nuschelnde Interimspräsident Issa Hayatou. Es will und will nicht enden, dieses Grauen. Auf der Journalistentribüne fühlt sich manch einer wie die beiden Landstreicher im Theaterstück von Samuel Beckett:

Estragon: Komm, wir gehen!
Wladimir: Wir können nicht.
Estragon: Warum nicht?
Wladimir: Wir warten auf Godot.