Der neue Fifa-Präsident Gianni Infantino © Ruben Sprich/Reuters

Gary Lineker schrieb nach der Wahl, er fürchte, dass sich Gianni Infantino die Maske vom Kopf reiße und Sepp Blatter zum Vorschein komme. Und dass Infantinos Heimatort im Wallis keine zehn Busminuten von dem Blatters entfernt liegt, werten viele nur halb im Spaß als Fanal. Doch Infantino ist kein zweiter Blatter, der ein korruptes System mit erschuf und Jahrzehnte am Laufen hielt.

Mit Infantino schlägt aber auch nicht die Stunde null, die die Fifa beschwört, und die nötig wäre, um ihren Ruf und vielleicht auch ihre Existenz zu retten. Mit der Wahlniederlage Salman Al-Khalifas hat sie sich zwar hässliche Debatten um Menschenrechte und Folter, also das größere Übel erspart. Aber mit Infantino an der Spitze dürften das Gemauschel und Geschacher, das Geklüngel und Geschiebe im Weltfußball kein Ende finden. Mit Infantino bleibt die Fifa eine Organisation, die allergrößte Skepsis verdient.

Infantino profitiert vom Ruf der Uefa als angeblicher Gegenentwurf zur Fifa. Doch das ist sie nicht. Sie organisiert zwar den besten und glanzvollsten Fußballwettbewerb der Welt, die Champions League. Doch unter Präsident Michel Platini und seinem Generalsekretär Infantino ist die Uefa zu einer zweiten Fifa geworden.

Fußball - Gianni Infantino wird neuer Fifa-Präsident Der Weltfußballverband Fifa hat seinen neuen Präsidenten gewählt: Der 45-jährige Schweizer Gianni Infantino soll das Image des Verbandes wiederherstellen. "Die Welt wird uns Applaus spenden“, sagte Infantino in Zürich.

In ihren Gremien sitzen dieselben dubiosen Burschen wie in der Fifa, etwa der Spanier Villar oder der Zypriot Lefkaritis. Auch Wolfgang Niersbach hat die Staatsanwälte an den Hacken. Für die Aufklärung der möglichen Korruption bei der EM-Vergabe 2012 oder Wettmanipulationen im türkischen Fußball haben sich Platini und Infantino nicht die Bohne interessiert, obwohl Zeugen sich angeboten hatten und Indizien nicht zu übersehen waren. In der Fifa verhinderte die Uefa Reformen, etwa Amtszeitbegrenzungen und Integritätschecks.

Ein angepasster Typ

Auf seinem Posten als Generalsekretär hat Infantino, um es vorsichtig auszudrücken, einen angepassten Eindruck hinterlassen. Kein öffentliches Wort der Kritik zu nichts und niemandem. Den gesperrten Platini nennt die Uefa entgegen den Statuten der Fifa noch immer ihren Präsidenten. Infantino ist noch keinen Zentimeter von seinem Chef abgerückt. Es ist nicht mal ausgeschlossen, dass er für ihn, für den er eingesprungen ist, nur den Stuhl warmhalten will.

Auch Infantinos Wahlkampf macht keine Hoffnung. Er will die WM auf vierzig Teilnehmer aufstocken, obwohl selbst seine Unterstützer das kritisieren. Seinen meistsagenden Satz sprach er auf dem Kongress zu den Delegierten, den Handaufhaltern: "Das Geld der Fifa ist Ihr Geld und nicht das Geld des Fifa-Präsidenten." Geld – das klingt vertraut. Dazu passt, dass Blatter Infantinos Wahl mit den Worten begrüßte, der habe die Qualität, seine Arbeit fortzusetzen.

Das kann man als mutwillig vergiftete Gratulation begreifen. Und vielleicht wird Infantino als Chef neue Qualitäten an den Tag legen. Diese Chance muss man ihm, der Verlegenheitslösung, geben. Mit der beschlossenen Strukturreform, die gute Ansätze hat, sendet die Fifa ohnehin leise Signale des guten Willens. Das könnte auch die amerikanische Justiz würdigen.

Aber sie hat auch gesehen, dass der korrupte Issa Hayatou langen Applaus erhielt. Und was sind Integritätschecks wert, wenn Leute wie Salman sie bestehen? Die Fifa hat bloß Schlimmeres abgewendet, das ist im Moment ihrer größten Krise sehr wenig.