Fifa-Wahl: Gianni Infantino ist neuer Fifa-Präsident

Der nächste Schweizer soll den Fußball sauberer machen: Gianni Infantino hat sich überraschend gegen Scheich Salman durchgesetzt.
Der Neue: Gianni Infantino © Matthias Hangst/Getty Images

Ein Schweizer, ja, schon wieder ein Schweizer, ist neuer Fifa-Präsident. Gianni Infantino, jahrelang Generalsekretär der Uefa, konnte sich im zweiten Wahlgang gegen den favorisierten Scheich Salman aus Bahrain durchsetzen. 115:88, eigentlich kein typisches Fußballergebnis. Und auch für eine Präsidentenwahl ungewohnt knapp. Sepp Blatter hatte bei fünf Wahlen nie in die zweite Runde gemusst.

"Wir werden das Image der Fifa wiederherstellen", sagte Infantino. Da hat er einiges zu tun. Auch der DFB hat Infantino unterstützt, obwohl er dessen Plan, die WM auf 40 Mannschaften aufzustocken, ablehnt. Positiv auch an diesem 8,5-Stunden-Fifa-Tag: Der Kongress hat die Strukturreform abgesegnet, die unter anderem die Macht des Präsidenten beschneiden und Integritätschecks für den neuen Fifa-Council vorsehen, der das denkbar schlecht beleumundete Exekutivkomitee ersetzen soll. Gut auch: Niemand wurde verhaftet.

Den Tag können Sie in unserem Live-Blog noch einmal nachlesen. In Kürze lesen Sie bei uns zu diesem Thema einen Kommentar von Oliver Fritsch und ein Reportage aus Zürich von Matthias Daum.

  • 18:25 Uhr
    Oliver Fritsch

    Es ging dann doch ganz schnell: Gianni Infantino ist neuer Fifa-Präsident, das ist eine kleine Überraschung, zumal er bereits im zweiten Durchgang gegen den leicht favoirisierten Salman mit 27 Stimmen Vorsprung siegte. Der Schweizer gilt als das kleinere Übel.

    Aber Infantino steht nicht für einen Neubeginn, auch wenn er das behauptet. In seinem Amt als Generalsekretär der Uefa hat er einen angepassten Eindruck hinterlassen, um es vorsichtig auszudrücken. Auf diese Fifa sollten die Justiz und das FBI weiter schauen.

    Zusammen mit der abgesegneten Strukturreform hat die Fifa heute Schlimmeres abgewendet. Für Lästermäuler wie uns wäre Scheich Salman die bessere Wahl gewesen, für die gefolterten und drangsalierten Fußballer und Oppositionellen aus Bahrain natürlich nicht.

    Ein Kommentar und eine Reportage aus Zürich folgen. Und nun zum wirklich Wichtigen: Das Derby Nürnberg gegen Fürth wird mit 15 Minuten Verzögerung, also um 18.45 Uhr, angepfiffen.

  • 18:00 Uhr
    Matthias Daum

    Wieder ein Schweizer! Der neue Fifa-Präsident kommt aus dem Wallis. 

    Gianni Infantino: 115
    Scheich Salman: 88
    Prinz Ali: 4
    Champagne: 0

  • 17:57 Uhr
    Matthias Daum

    Auch Peter Gilliéron, Präsident des Schweizerischen Fussballverbands (SFV), ist froh um etwas Abwechslung. Also lud er zur ad hoc Pressekonferenz in das Holiday Inn auf der anderen Straßenseite. Fazit: Er war überrascht, wie gut Infantino abgeschnitten hat. Im SFV-internen Tippspiel hatte er auf 85 Stimmen für seinen Landsmann getippt. Wie geht es nun weiter? Gilliéron glaubt, dass die Stimmen von Prinz Ali eher zu Infantino wandern. 

  • 17:45 Uhr
    Christian Spiller

    Der zweite Wahlgang, den es übrigens zum ersten Mal seit 1974 wieder gibt, ist jetzt durch. Nun wird wieder gezählt. Ordentlich, an einem großen Tisch. Das dauert. In etwa 15 Minuten gibt es das nächste Ergebnis, vielleicht das Endergebnis. Zur Erinnerung: Es genügt nun die einfache Mehrheit, also 50 Prozent der Stimmen.

  • 17:06 Uhr
    Christian Spiller

    Und gleich stimmen noch die ganzen Länder ab, die mit X beginnen...

  • 16:26 Uhr
    Oliver Fritsch

    Der erste Durchgang endete überraschend. Gianni Infantino (88) gewann ihn mit 3 Stimmen Vorsprung vor Salman. Eigentlich wurde der Scheich in den letzten Tagen zunehmend als Favorit gehandelt. Offenbar hat Infantino in Afrika gewildert, seine Versprechungen haben dort gewirkt.

    Die Stimmen des Unterlegenen Ali (27) könnten eher zu Infantino wandern. Ali gilt gegenüber Salman als distanziert. Wenn er Einfluss auf seine Wähler hat und nimmt, könnte das die Entscheidung sein. Aber es wäre nicht die erste sportpolitische Wahl, die noch eine Wende nimmt. Wer weiß schon, wie diese Vögel von der Fifa ticken und ob sie nicht noch switchen? Und Salman hat noch den Stimmenfänger al-Sabah im Hintergrund.

  • 16:10 Uhr
    Matthias Daum

    Gianni Infantino: 88 Stimmen

    Scheich Salman: 85 Stimmen
    Prinz Ali: 27 Stimmen
    Jérôme Champagne: 7 Stimmen

    … and off we go in den 2. Wahlgang! Jetzt mal Kaffee holen. Wobei: Noch ist unklar, ob alle vier Kandidaten nochmals antreten. Die Herren unten im Parkett stehen in Gruppen zusammen und diskutieren angeregt. 

  • 16:09 Uhr
    Oliver Fritsch

    Ich verstehe die Frage nicht, wann endlich die Frauen bei der Fifa an die Macht kommen. Zugegeben, die Idee einiger Exekutivmitglieder, die neue Quote (16,67 Prozent) zu erfüllen, indem sie einfach ihre Ehefrauen mitbringen, ist wohl nicht im Sinne des Erfinders. Aber die Fifa wird doch längst von einer Frau regiert. Loretta Lynch, die höchste Staatsanwältin der USA, ist zwar nicht in Zürich. Anwesend ist sie dennoch. Die Fifa passt genau in das Beuteschema der Großwildjägerin. Vor Lynch zittern selbst die größten Mafiosis des Fußballs wie Jack Warner und Issa Hayatou. Und es sind ja schon welche in ihr Netz gegangen, etwa Chuck Blazer und Jeffrey Webb. Well done, Sister Suffragette!

  • 16:06 Uhr
    Christian Spiller

    Das sicherste Zeichen, dass es wirklich richtig lange dauert: Selbst dem Schweizer Kollegen geht das hier alles zu langsam.

  • 16:03 Uhr
    Matthias Daum

    Estragon: Komm, wir gehen!
    Wladimir: Wir können nicht.
    Estragon: Warum nicht?
    Wladimir: Wir warten auf Godot.
    Estragon: Ah!

  • 15:42 Uhr
    Christian Spiller

    Jetzt wird gezählt. Wahrscheinlich mit einem Abakus.

  • 15:28 Uhr
    Oliver Fritsch

    Die Deutschen sind auch da. Aber Sie können beruhigt sein, liebe Leser: An unserem Wesen soll der Fußball nicht genesen. Irgendeinen Einfluss, irgendeinen Beitrag zur Besserung hat der DFB nicht ausgeübt und geleistet. Wolfgang Niersbach hat mit seinem Uefa-Buddy Michel Platini Reformen in der Fifa sogar noch gebremst. Ok, Theo Zwanziger schob als Fifa-Mitglied ein paar Dinge an, verteidigte aber stets den Obergauner Sepp Blatter. Ein Amt hat Zwanziger nicht mehr, ihm bleibt die Rolle als freier Radikaler des deutschen Fußballs und Sommermärchenaufklärer.

    Niersbach ist zwar als Präsident zurückgetreten, vertritt aber nach wie vor den DFB noch in der Uefa und der Fifa. Das findet manch Übersensibler nicht korrekt, gegen Niersbach ermittelt die Staatsanwaltschaft wegen schwerer Steuerhinterziehung. Kann natürlich sein, dass ihn gerade ein solches Delikt für den Fifa-Job qualifiziert. Schwer vorstellbar jedenfalls, dass er sich in Zürich böse Worte seiner ausländischen Kollegen anhören muss. Etwa Fragen: Was habt Ihr damals nur getrieben, um die WM zu bekommen? Nein, so läuft das nicht. Die Deutschen haben nichts getan, was in der Fifa anstößig oder auch nur unüblich wäre. Außerdem kann sich Niersbach eh an nichts erinnern (außer zum Beispiel an alle Ergebnisse der 2. Liga Süd der Saison 1982/83, inklusive Halbzeitstand).

    Für Deutschland tritt der designierte DFB-Präsident Reinhard Grindel in die Wahlkabine. Das hat ja auch seine Logik, dass der Schatzmeister das in die Hand nimmt. Der Vizepräsident Reinhard Rauball ist da, der zu Niersbach steht, zumindest öffentlich. Nicht mitgekommen nach Zürich ist Helmut Sandrock, der heute seine Rücktritt als Generalsekretär bekannt gab. Er wolle einem Neuanfang nach dem DFB-Skandal nicht im Wege stehen, sagte er. Als Favorit für seine Nachfolge wird Friedrich Curtius gehandelt, der Leiter des Präsidialbüros. Außenseiterchancen hat der Mediendirektor Ralf Köttker, der die lustige Niersbach-PK im Oktober mitverantwortete.



    Die Deutschen unterstützen Platinis Sesselwarmhalter Infantino, obwohl sie dessen zentrale Forderung nicht teilen. Der Schweizer will die WM von 32 auf 40 Mannschaften aufstocken. Das finden nicht nur die meisten Profivereine schlecht, weil das die Belastung der Spieler erhöhen und außerdem die Qualität des Turniers senken würde. Aber bloß keinen Stunk machen, die Deutschen wollen schließlich die Europameisterschaft 2024.

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Kommentare

53 Kommentare Seite 1 von 9 Kommentieren

Heute protestieren auch Fans von Trabzonspor gegen den Manipulationsskandal von 2011 in der Türkei und der nachfolgenden Taten von UEFA/FIFA.

Diese haben nämlich den schuldigen Vereinen nicht annähernd genug Strafen gegeben und dulden, dass diese gar keine Strafe vom türkischen Verband erhalten haben.

Mit involviert in der Sache war auch Präsidentschaftskandidat Infantino, den der Kandidat Champagne u.a. auch diesbezgl. in den letzten Wochen angegriffen hat.

Wäre schön, wenn Sie auch hiervon berichten.