ZEIT ONLINE: Herr Greis, ein Gericht hat dem FSV Mainz nun doch gestattet, Arbeitsverträge zu befristen. Der Nichtjurist sagt: Was denn sonst? Das gebietet doch der Verstand. Was sagt der Jurist zu diesem Urteil?

Felix Greis: Das Landesarbeitsgericht Rheinland-Pfalz hat, juristisch gesprochen, die Eigenart der Arbeitsleistung eines Fußballspielers erkannt und darin einen Sachgrund für die Befristung ausgemacht. Das Urteil ist ja noch nicht veröffentlicht, aber der Tenor spricht für Vereine eine klare Sprache: Fußballspielen ist kein Beruf wie jeder andere. Und ein Verein muss das Recht haben, neue und erfolgreiche Spieler zu beschäftigen und sich von älteren zu trennen.

ZEIT ONLINE: Was sind diese Sachgründe konkret?

Greis: Im Fußball ist es nun mal sehr ungewiss, ob sportliche Höchstleistung auf Dauer möglich ist. Ab einer bestimmten Zeit ist mit Verschleißerscheinungen zu rechnen. Das können physische sein, aber auch psychische.

ZEIT ONLINE: Der FSV Mainz sagt, die Spieler bekommen Millionen. Als Gegenleistung verlangt er Flexibilität.

Greis: Das ist juristisch kein gutes Argument. Jeder Arbeitnehmer hat Arbeitnehmerrechte, unabhängig vom Gehalt. Allerdings wäre es lebensfremd, von Vereinen zu verlangen, Fußballer bis zur Rente zu beschäftigen.

ZEIT ONLINE: Die erste Instanz, das Arbeitsgericht Mainz, hatte dem ehemaligen Mainzer Torwart Heinz Müller, dem Kläger, Recht gegeben. Können Spieler überhaupt wollen, dass ihre Verträge entfristet werden?

Greis: Das hängt meist vom Alter ab. Ein junger Spieler mit Talent will sich vermutlich Optionen offen halten. Ein Spieler, der die 30 schon überschritten hat wie Müller, sieht das womöglich anders.

ZEIT ONLINE: Sind Fußballer überhaupt normale Arbeitnehmer? Schauspieler und Balletttänzer müssen auch mit befristeten Verträgen leben.

Greis: Die Kunstfreiheit ist gemäß Artikel 5 im Grundgesetz im Gegensatz zum Sport ein Verfassungsgut, daher haben Theaterintendanten größere Spielräume als Fußballmanager. Und im EU-Raum ist das unbefristete Arbeitsverhältnis die Regel, das befristete die Ausnahme. Noch ist das letzte Wort ja nicht gesprochen, vielleicht geht Müller in die Revision. Gewinnt er doch noch, stünde der Fußball vor einem großen Problem.

Mainz - Befristete Arbeitsverträge im Sport rechtens Das rheinland-pfälzische Landesarbeitsgericht hat die Klage des Torhüters Heinz Müller gegen seinen ehemaligen Arbeitgeber FSV Mainz 05 abgelehnt. Damit bleiben befristete Verträge im Profi-Fußball zulässig.