Es klang wie ein Vorwurf, was der DFB-Chefausbilder Frank Wormuth kürzlich in einem Interview mit der Süddeutschen Zeitung über Pep Guardiola sagte. Der Spanier habe bisher immer nur hervorragende Mannschaften trainiert. "Ich würde ihn gerne mal bei einer durchschnittlichen Mannschaft in der Oberliga sehen."

Dass Guardiola einen Bayernligisten übernimmt, hätte wohl niemand erwartet. Doch die öffentliche Meinung, er gehe nur zu Clubs, die bereits an der Spitze ihrer jeweiligen Ligen stehen, wird durch seinen Wechsel zu Manchester City, den der Verein am Montag bekannt gab, nicht entkräftet.

Die Citizens schwimmen dank Scheich Mansour bin Zayed Al Nahyan und seiner Abu Dhabi United Group im Geld, können für Spieler wie Kevin De Bruyne mal eben rund achtzig Millionen Euro ausgeben. Zudem stehen zwei alte Bekannte Guardiolas in Verantwortung, der Geschäftsführer Ferran Soriano und der Sportdirektor Txiki Begiristain. Doch Manchester City ist nur scheinbar die leichte Wahl.

Guardiola wird zwar auf einen Kader mit starken Individualisten treffen. Doch in der Champions League ist der Club bisher immer in frühen Runden ausgeschieden. Und das nicht zufällig. Manchester City ist zum Sinnbild des englischen Fußballs geworden: Teure talentierte Kicker spielen veralteten Fußball.

Als Guardiola im Januar 2013 als neuer Bayerntrainer für die folgende Saison bekannt gegeben wurde, wusste er, dass Louis van Gaal zuvor die taktische Basisarbeit verrichtet hatte und Jupp Heynckes die Mannschaft anschließend auf einem stabil hohen Niveau hielt. Um sein Konzept von Ballbesitz und Positionsspiel zu vermitteln, musste er nicht bei null anfangen.

Seine Vorgänger waren ihm keine Hilfe

Bei Manchester City wird das anders sein. Der Chilene Manuel Pellegrini, noch Trainer bei den Citizens, ist zwar kein altmodischer Defensivstratege. Aber er hat seinen Offensivfußball ganz und gar an die niedrigen Standards der Premier League angepasst.

Lange Bälle, große Abstände zwischen den Mannschaftsteilen und Einzelaktionen prägen Manchesters Stil. Auf schnelle Angriffsversuche folgen oft schnelle Ballverluste. Im Moment ist es nur schwer vorstellbar, dass daraus rasch ein Guardiola-Team wird, das nur annähernd so spielt wie einst Barcelona oder aktuell Bayern München.

In jüngerer Vergangenheit mussten ausländische Trainer, die nach England wechselten, feststellen, dass sie auf der Insel auf Widerstände stoßen. Louis van Gaal, der wie Guardiola der holländisch-katalanischen Schule angehört, hat es in den vergangenen Monaten nicht geschafft, seine Ideen vollends bei Manchester United umzusetzen. Jürgen Klopp erlebt in Liverpool, dass er lange braucht, bis seine Elf seinen Spielrhythmus verinnerlicht.

Selbst wenn man Guardiola größere Fähigkeiten als anderen Coachs bescheinigt – er wird im kommenden Juli nicht auf das Trainingsgelände in Manchester marschieren und umgehend alles umkrempeln, zumal seine beiden Vorgänger keine große Vorarbeit geleistet haben.

Von 2009 bis 2013 brachte Roberto Mancini eine Siegermentalität in den ambitionierten Club. Anschließend kam Pellegrini, der den Spielern mehr Freiheiten gewährte. Beide arbeiteten aber hauptsächlich im Makrotaktischen. Die Details wurden den Spielern überlassen.

Guardiola setzt seinen Ruf aufs Spiel

Nun erwarten Vorstand und Team den Kontrollfreak Guardiola, der Manchester City insbesondere in der Champions League auf das nächste Level heben soll. Guardiola will aber nicht nur Erfolg. Er möchte Erfolg mit ansehnlichem Fußball, der seinen Vorstellungen entspricht. City steht vor einem großen Stilwechsel.

Guardiolas größte Hoffnung sind Spieler wie Sergio Agüero oder David Silva, die mit ihren Fähigkeiten in ein auf Ballbesitz ausgerichtetes Spielsystem passen können. Auch andere Spieler bringen hohe technische Voraussetzungen mit. Doch City ist im Moment nur ein Orchester voller Solisten. Vom Juego de Posicíon, dem Positionsspiel Guardiolas, ist wenig zu sehen.

Mehr denn je ist Guardiola in der Rolle des Projektentwicklers gefragt. Er muss die brauchbaren Teile in die richtige Ordnung bringen, gleichzeitig mit der möglichen Ungeduld eines Milliardärs kämpfen und mit einer Spielkultur fertigwerden, die ihm fremder nicht sein könnte.

Anders als bei seinem Wechsel zu Bayern München besteht zumindest die Gefahr, dass der Katalane scheitern und seinen Ruf aufs Spiel setzen könnte. Er geht nicht den einfachen Weg.