Vor etwa einem Jahr fing das ganze Leid an, aus ersten Symptomen wurden klare Anzeichen für die Altersschwäche. Die Denver Broncos spielten gegen die Indianapolis Colts, Playoffs, nur drei Siege fehlten zum Titel. Die Broncos waren favorisiert, hatten Heimrecht und Peyton Manning. Einen 38-jährigen Quarterback, der das Spiel gemeinsam mit Tom Brady über die vergangenen 15 Jahre dominiert hatte. Doch Denver verlor kläglich, Manning warf schludrige Bälle und stolperte angeschlagen über den Rasen, fast so, als vermisse er einen Rollator. Ausgerechnet gegen sein Exteam und seinen Nachfolger Andrew Luck. Die Fans pfiffen und buhten – der alte Mann und das Meer aus Enttäuschung. Manche glaubten, Manning würde jetzt aufhören.              

Manning machte weiter, so wollte er nicht abtreten. Manch Kritiker runzelte die Stirn, die meisten Fans der Broncos freuten sich. Er, der Sherriff, war ja schließlich noch Peyton Manning. In geworfenen Yards und Touchdowns gemessen der beste Quarterback der NFL-Geschichte. Das Problem: Peyton Manning war seit dem Playoff-Aus nicht mehr der Alte. Doch ausgerechnet das macht ihn für viele vor dem Superbowl am Sonntag heldenhafter als je zuvor. 

Als geborener Held kam Manning 1998 in die NFL, bei der Talentauswahl wurde er als Erster ausgewählt. Manning startete sensationell in seine Karriere als Quarterback, der wie Kanonier die Bälle in die Arme seiner Passempfänger donnerte. Er brach Rekorde auf seinem Bankkonto und auf dem Spielfeld, fünfmal wurde er zum wertvollsten Spieler des Jahres gewählt. 

Das brachte ihm viele Fans. Solche, die sich nach Siegen und Meisterschaften sehnen. Und jene, die einfach nur das Spiel verehren. Sie liebten Manning, weil er eleganter als alle anderen spielte. Wo viele Fans sind, sind aber auch Neider. Viele empfanden ihn als arrogant und kühl. Andere hatten es satt, regelmäßig gegen ihn zu verlieren und wieder andere hielten es stets mit den Außenseitern. Das waren damals fast alle Teams, die gegen Mannings Colts spielen mussten. 

Manche störte auch Mannings klare politische Haltung. Als einer der wenigen US-Footballstars bekannte sich der Quarterback-Sohn offen als Unterstützer von George W. Bush und spendete für verschiedene Kandidaten der Republikaner. Auch Donald Trump erklärte kürzlich, zum Team Manning zu gehören. Manning, der Südstaatler aus gutem Hause, war der Posterboy fürs Redneck-Wohnzimmer.

"Wechselt ihn endlich aus"

Vor dem Super Bowl 50 werden aber nicht nur in Texas oder Arizona oder Mannings Heimatstaat Tennessee die Daumen gehalten. Man könnte meinen, ein ganzes Land hofft auf das Happy End. "Gelingt Manning der größte Abschied der NFL-Geschichte?", war auf der Website von USA Today zu lesen.

Die Amerikaner stehen auf Comebacks, und ein Titel Mannings wäre eines von filmreifer Ausprägung. Bis vor wenigen Wochen erlebte der einstige Posterboy die schlechteste Saison, die je ein Superstarquarterback gespielt hatte. Er warf doppelt so viele Interceptions wie Touchdowns, verfehlte freigelaufene Mitspieler und manchmal eierten die Bälle so wirr durch die Luft, dass seine Receiver die Pässe nur schwer unter Kontrolle bekamen. Als Manning den Yard-Rekord von Legende Brett Favre mit einem kurzen Pass hätte brechen können, reihte er Fehlpass an Fehlpass. "Wechselt ihn endlich aus", hallte es aus Blogs und Tweets. 

Der Wunsch wurde erhört. Der Riese, 1,96 m ist Manning groß, saß winzigklein auf der Bank und schüttelte den Kopf. Sein Backup Brock Osweiler, ein No-Name, spielte anfangs ordentlich, definitiv besser als Manning, der statistisch der schlechteste Quarterback des Saisonauftakts war. Ein Karriereende auf der Bank drohte. 

Dass es am Ende doch nicht so kam, verdankte Manning einer Schwächephase des nur kurz bejubelten Nachfolgers. Und vielleicht auch seines Rufes: Wo Manning noch draufsteht, kann Manning auch noch drin sein, mag sich Broncos-Coach Gary Kubiak bei seiner Quarterback-Entscheidung kurz vor dem Start der Playoffs gedacht haben.