Super Bowl: Der letzte Sieg des Nudelarms

Der schon als zu alt verspottete Peyton Manning gewinnt mit seinen Denver Broncos noch einmal den Super Bowl. Dabei musste er kaum was tun – aber war besser als Coldplay.
Plötzlich Prinzessin: Peyton Manning © Ezra Shaw/Getty Images

Fazit:

Und dann stimmt er doch wieder, der alte Spruch: Offensive gewinnt Spiele, Defensive gewinnt Meisterschaften. In der 50. Ausgabe des Super Bowl standen sich die beiden besten Verteidigungen der Liga gegenüber, und am Ende war die beste die beste: 24 zu 10 gewannen die Denver Broncos gegen die Carolina Panthers. Der alte Mann Peyton Manning, der schon als Nudelarm verspottet wurde weil er nicht mehr den Hub wie früher in den Röhren hat, krönte sich in seinem – vermutlich – letzten Spiel als Profi mit seinem zweiten Titel. Ein Abgang, schöner könnte ihn auch Lady Gaga nicht besingen.

Dabei galten eigentlich die Panthers als Favorit, ihr Quarterback Cam Newton als die neue Referenz in der NFL; nahezu unbezwingbar galt die Mischung aus explosiver Offensive und harter Defensive in der Saison und den Playoffs. Doch ausgerechnet im Finale ging kaum was: Die Verteidigung der Denver Broncos, die man sich wie eine Kalksandsteinmauer vorstellen muss, die zu allem Überfluss auch noch auf einen zurennt, nervte Newton. Dass seine Mitspieler in entscheidenden Situationen den Ball schlicht nicht fingen (die Schwerkraft! Newton!) oder wieder unglücklich verloren kam auch noch dazu. Spannend war der Jubiläumsbowl allemal. Aber es war auch ein Spiel mit vielen Ballverlusten, Fumbles und Interceptions und nicht einem geworfenem Touchdown. Im Fußball praktisch ein 1:0, nach einem Kopfball nach einer Ecke.

Natürlich war der Sport auch in diesem Jahr nur ein Teil des Super Bowls. Es gab wieder eine Halbzeitshow, in der im Gegensatz zum vergangenen Jahr niemand auf übergroßen Löwen geritten ist und sich keine Haie berühmt tanzten. Es gab nicht einmal abgefahrene Kostüme, stattdessen reichlich Popowackeln und Haareschleudern von Beyoncé, Bruno Mars und ihrer Vorband Coldplay. Fast schon klassisch, könnte man sagen. Oder auch: ein bisschen langweilig.

Aber die größten Emotionen kamen ohnehin zum Schluss, als das Spiel noch gar nicht beendet war und sowohl Peyton Manning als auch Cam Newton schon Tränen in den Augen hatten. Der eine, weil ihn viele schon abgeschrieben hatten und er es seinen Kritikern noch einmal zeigte. Der andere, weil er den Mund gerne etwas zu voll nimmt und unbedingt noch seinen Tanz aufführen wollte, aber keine Gelegenheit dazu hatte. Aber Newton ist noch jung, diese Nacht nicht mehr, weswegen wir uns jetzt verabschieden.

In unserem Blog können Sie das Spiel noch einmal nachlesen. Von hinten nach vorne.

  • 04:42 Uhr
    Hannes Hilbrecht

    Manning lässt sein Karriere-Ende offen. "Ich werde keine emotionale Entscheidung treffen", sagt er. Stattdessen gibt es erst einmal jede Menge Bier. 

  • 04:37 Uhr
    Hannes Hilbrecht

    Als MVP, also Spieler des Spiels, wird Von Miller ausgezeichnet. Komplett heißt der gute Mann übrigens Vonnie B'Vsean Miller.

  • 04:35 Uhr
    Hannes Hilbrecht

    Vorbei: Denver Broncos 24 - Carolina Panthers 10

    Ein Super Bowl ohne geworfenen Touchdown - hat es das schon einmal gegeben?


    Aber eins steht fest: Selten zuvor sah man zwei so herausragende Defensivleistungen in einem Spiel.

    Und Christian, ja, Peyton Mannings Zahlen waren nicht gut, sie waren sogar schrecklich für so ein großes Spiel.

  • 04:20 Uhr
    Christian Spiller

    Wenn ich das richtig umreiße, hat eine Mannschaft gewonnen, die auch mit Eike, Hannes oder mir als Quarterback gewonnen hätte. Korrekt?

  • 04:15 Uhr
    Hannes Hilbrecht

    Carolina kapituliert. Den 4 und 24 spielen sie gar nicht mehr aus. Das war es.


    Die Denver Broncos werden den/die Super Bowl gewinnen.

  • 04:09 Uhr
    Hannes Hilbrecht

    TOUCHDOWN BRONCOS, 22:10. Anderson tankt sich in die Endzone. 


    Und Peyton Manning darf - vielleicht ein letztes Mal - in die Endzone werfen. 2 Point Conversion geglückt. 24:10.

    Manning darf neben der Latschenkiefer-Salbe schon mal den Champus kaltstellen. 

  • 03:56 Uhr
    Hannes Hilbrecht

    Manning und Newton zelebrieren gerade eine Übung aus dem Sportunterricht. Einer läuft eine Runde, der andere wartet, um dann die nächste zu laufen.


    Null Spielfluss, nur Spannung. Davon reichlich. Immerhin das.

    Nun ist wieder Manning dran. Buschmann hat lange nicht mehr "super" gesagt.

  • 03:48 Uhr
    Hannes Hilbrecht

    Fieldgoal für die Panthers, die auf 10:16 verkürzen. 


    Knapp zehn Minuten noch zu spielen. Denver reicht ein Field-Goal, um Carolina auf Distanz zu halten. Klar scheint auch: Will Carolina nach 60 Minuten gewinnen, ist ein Touchdown Pflicht.

    Übrigens: Durch die vielen Fehler und den damit verbundenen Unterbrechungen ist es in Übersee vermutlich ein Werbefestival.

  • 03:49 Uhr
    Eike Kühl

    Metabene? Ich weiß zwar keine Antwort, aber: Was für eine geile Frage!

  • 03:41 Uhr
    Christian Spiller

    Folgt mir doch noch einmal auf die Metaebene, Kollegen: Warum heißt dieses Spiel American Football? Geschätzte 95 Prozent der Aktionen werden mit der Hand gespielt. Ein passenderer Name wäre also American Handball. Oder American Runball oder meinetwegen American Throwball. Warum Football?

  • 03:40 Uhr
    Hannes Hilbrecht

    Peyton Manning. Wir reden von einem der besten Quarterbacks der NFL-Geschichte. Nun verliert er ein zweites Mal den Ball, wieder wäre für Denver mehr drin gewesen. 


    Manning hält Carolina im Spiel, auch wenn es wieder stark verteidigt war.

    Jetzt haben die Panthers die große Chance auf den Anschluss. Der Drive startet auf Höhe der Mittellinie. Es hängt - wie bereits gesagt - einzig am Arm Newtons.

    Und die Panthers stehen in der Red Zone.

  • 03:32 Uhr
    Hannes Hilbrecht

    Und das Risiko Carolinas hilft den Broncos. Wieder viel Druck, wieder ackert Newton, dreht sich, weicht aus. Aber am Ende liegt immer ein Broncos-Spieler auf ihn drauf. 4 & 18 - Punt. Nächste Chance für Denver - ein Touchdown nach einem langen Drive käme einer Vorentscheidung gleich. 


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Vorbemerkungen:

Auf der Skala der ereignislosen Wochentage liegt der Sonntagabend in Deutschland traditionell ganz oben. Die Fußballbundesliga ist durch, der Tatort oft nur mittelmäßig und die Gäste der Polittalkshows sind so überraschend wie Betrunkene auf dem Karneval. Man sitzt also in der Joggingpeitsche auf der Couch, stöhnt innerlich schon über den anstehenden Montag und fragt sich eigentlich nur noch: Erst Zähneputzen und dann Schlafanzug anziehen oder zur Abwechslung doch mal umgekehrt?

Doch an einem Sonntagabend im Jahr ist alles anders. Da werden Bälle zu Eiern, die Teppichkante vor dem Sofa zur Line of Scrimmage und wenn das Wort Tackle fällt, wird nicht zuerst an kurzläufige Hunde gedacht. Ja, es ist wieder Zeit für den Super Bowl, der Weltmeisterschaft im American Football, dem inoffiziellen Feiertag der Amis. Ein Tag, an dem die großen Kerle ineinander rauschen, Pizzalieferdienste boomen, große Emotionen mit noch größerem Pathos beschworen werden und viele Sportfans in Fußballdeutschland sagen: "Ich finde Football ja total doof, aber…", um dann am Montagmorgen nach drei Stunden Schlaf auf der Arbeit ähnlich zerknautscht auszusehen wie Peyton Manning nach einem Sack.

Womit wir beim Thema wären. Es ist der 50. Super Bowl der NFL-Geschichte und zum Jubiläum treffen die Denver Broncos mit Oldschool-Quarterback Manning in seinem möglicherweise allerletzten Spiel auf die Carolina Panthers mit dem frisch gekürten MVP Cameron 'Cam' Newton. Wieso dieses Duell der beiden Quarterbacks in vielerlei Hinsicht so interessant ist, werden wir im Laufe der Nacht sicherlich noch beantworten. Ebenso die Frage, wieso zur Hölle die britischen Schmuserocker von Coldplay in der Halbzeitshow auftreten dürfen und wieso ein harmloser Tanz in den vergangenen Tagen die Amerikaner spaltet. Ach ja, und um Sport soll es natürlich auch gehen.

Wir sind zwar auch in diesem Jahr noch immer keine ausgewiesenen Football-Experten, haben uns aber mit den wichtigsten Regeln vertraut gemacht und stellen uns in jedem Fall auf einen Krimi ein. Ab 23:15 Uhr überträgt Sat.1, der Kickoff ist für 0:30 Uhr angesetzt, wir werden etwa eine Stunde vorher mit dem Bloggen beginnen. Setzen Sie noch eine Kanne starken Kaffee auf, die Nacht könnte kurz werden. It's Super Bowl Sunday!

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Kommentare

34 Kommentare Seite 1 von 4 Kommentieren

Ich werde jetzt dann langsam aber sicher aufbrechen zur Football-Party hier in Frankfurt. Von wegen Kaffee und so. Fete ist angesagt! Aber in der Tat werde ich morgen wohl ziemlich zerknautscht im Büro sitzen.

Ich hoffe ja, dass Peyton Manning es noch einmal macht. Wobei ich ehrlicherweise nicht so überzeugt bin. Die Panthers sind diese Saison einfach überragend. Und Newton hat geniale Spielzüge im Repertoire.