Rio handelt, wie meist, symbolisch: Soldaten klären Badegäste an der Copacabana über Zika auf. © Mario Tama/Getty Images

Olympische Spiele generieren immer Ängste. In Peking 2008 fürchtete man den Smog. In London 2012 hatte man Angst vor Terroranschlägen. In Rio de Janeiro ist es nun ein Virus mit dem furchterregend klingenden Namen Zika, das Unsicherheit verbreitet. Unsicherheit führt oft zu vorschnellen Schlüssen und Reaktionen.

Einige nationale olympische Komitees, darunter die Australiens und Neuseelands, stellen ihren Athleten wegen Zika nun frei, ob sie im August an den Sommerspielen Rio 2016 teilnehmen. In Kenia denkt man darüber nach, seine Läufer von der Brasilienreise abzuhalten. Und Hope Solo, Torhüterin der US-amerikanischen Fußballmannschaft, sagte, dass sie nicht bei den Spielen mitmachen würde, wenn sie heute begännen.

Im August, dem Monat der Spiele, herrscht in Rio de Janeiro der stets ein wenig kühlere und trockenere Winter. Der Hauptüberträger von Zika, das Moskito Aedes aegypti, ist dann kaum mehr vorhanden. Dieser Umstand wird nun immer wieder vom Internationalen Olympischen Komitee und der Stadt Rio de Janeiro wiederholt. Man hat große Angst vor einem Einbruch des Olympia-Tourismus.

WHO - Impfstoff gegen Zika-Virus erst in 18 Monaten testreif Bis ein Impfstoff gegen das Zika-Virus getestet werden kann, dauert es laut Weltgesundheitsorganisation noch 18 Monate. Zika sei sehr wahrscheinlich die Ursache für mehrere Missbildungen.

Schon vor der Fußball-WM im Juni und Juli 2014 hatte es Sorgen gegeben, Spieler und Funktionäre könnten an Dengue-Fieber erkranken. Dengue wird von dem gleichen Moskito wie Zika übertragen und löst schweres Fieber und Schmerzen aus. Es wird auch Knochenbrecherfieber genannt und kann unter besonderen Umständen zum Tod führen. Letztes Jahr erkrankten in Brasilien rund 1,7 Millionen Menschen an Dengue, fast 900 starben.

Doch über eine Verlegung oder Absage der WM 2014 dachte niemand nach. Ebenso wenig zog man jemals wegen Dengue eine Verlegung von Olympia 2016 in Betracht. Doch nun geschieht genau dies, wegen Zika. Die US-amerikanischen Wissenschaftler Lee Igel und Arthur Caplan von der New York University fordern im Magazin Forbes die Absage oder Verschiebung der Spiele. Sie schreiben von virenverseuchten Moskitos, die die Massen attackierten, und nennen Zika eine "ernste Gefahr für die Menschheit". Alles andere als eine Verschiebung oder Absage der Olympischen Spiele sei "unverantwortlich und sinnlos".

Schwangere sind die Ausnahme

Die Forderung der beiden Wissenschaftler scheint aus Rio de Janeiro betrachtet unverantwortlich, eitel und übertrieben. Sie zeugt von Unkenntnis der Situation und löst Ängste aus, die man nicht haben muss. Der deutsche Olympia-Arzt Bernd Wolfarth gab in der FAZ Entwarnung und nannte die "Ausprägung für immun-gesunde Normalpersonen" überschaubar.

Wie viele Fälle von Zika-Infektionen es in Brasilien gab und gibt, kann man wegen der schwierigen Symptomatik nicht sagen, aber die Zahl dürfte weit über einer Millionen liegen. Von den 3852 Verdachtsfällen auf Mikrozephalie, die derzeit landesweit untersucht werden, hat man mehr als 200 im Bundesstaat Rio de Janeiro registriert. Die Zahlen dürften in den kommenden Wochen weiter steigen, allerdings mit einer starken Konzentration im armen Nordosten, wo fast neunzig Prozent der Fälle erfasst worden sind. Die Zahl der tatsächlich bestätigten Mikrozephalie-Fälle liegt derzeit bei 462. Von diesen konnte man 42 direkt mit dem Zika-Virus in Verbindung bringen.

Die Erkrankung verläuft allerdings meist harmlos und wird von acht von zehn Infizierten nicht oder nur leicht wahrgenommen. Der Rest leidet für einige Tage unter Fieber, Hautausschlag, Knochenschmerzen, Bindehautentzündung. Als "zarte Grippe" beschreiben Menschen, die Zika hatten, die Wirkung.

Doch es gibt Ausnahmen. Der Verdacht erhärtet sich, dass Schwangere bei Infizierung Gefahr laufen, das Hirnwachstum des Embryos zu schädigen und ein Kind mit Mikrozephalie zur Welt zu bringen. Zudem vermutet die Medizin eine Verbindung zwischen Zika und dem Guillain-Barré-Syndrom, einer Lähmungserscheinung, die gravierend verlaufen und langwierig sein kann. Guillain-Barré kann allerdings von jeder Virusinfektion ausgelöst werden, auch von Dengue. Deshalb gibt es auch in dieser Hinsicht mehr Fragen als Antworten.