Andy Köpke, Jürgen Klinsmann, Jogi Löw und Oli Bierhoff freuen sich noch über die WM 2006. © DB Marcus Brandt/picture alliance/dpa

Als der DFB im Oktober die internationale Kanzlei Freshfields beauftragte, den Sommermärchen-Skandal aufzuklären, war die Skepsis gegenüber den Aufklärern groß. Die Kanzlei sei nicht unabhängig, weil sie vom DFB bezahlt werde. Sie sei befangen, weil es eine private Verbindung zwischen einer Führungskraft und einem engen Mitarbeiter des DFB-Präsidenten gebe. Außerdem seien Anwälte nun mal Anwälte und keine Ermittler.

Wie es scheint, war die Skepsis übertrieben, vielleicht gar unangebracht. Wenn Freshfields am Freitag in Frankfurt nach monatelangen Ermittlungen ihren Bericht der Presse vorstellt, dürfte die Fußballwelt anschließend schlauer sein. Vorabveröffentlichungen in der Presse, die sich auf die Ermittlungen stützen, und der DFB-Flurfunk deuten darauf hin. Hauptamtliche Führungspersonen des DFB verloren wohl auch durch die Untersuchungen ihren Job.

Was der Spiegel im Oktober aufdeckte, ist nach wie vor ein komplizierter Fall mit vielen Details und vielen Beteiligten, von denen manche nicht mehr leben. Und von denen einige viel reden, aber wenig sagen. Vermutlich werden die Freshfields-Anwälte daher nicht letztgültige Antworten geben. Sie hatten jedoch Einsicht in Akten, die die Steuerfahndung bei ihrer Razzia in der DFB-Zentrale und in den Privathäusern der OK-Mitglieder gefunden hatte. Außerdem konnten sie interne Protokolle auswerten.

Bizarre Version nicht mehr haltbar

Daher sind sie offenbar bei den entscheidenden zwei Fragen der Wahrheit näher gekommen: War das Sommermärchen gekauft? Und wer beim DFB wollte Aufklärung verschleppen und verhindern?

Bislang ist noch immer ungeklärt, für welchen Zweck die 6,7 Millionen Euro vorgesehen waren, die der ehemalige Adidas-Manager Robert Louis-Dreyfus dem deutschen WM-OK 2002 vorgeschossen hatte und 2005 über ein Fifa-Konto zurückbekam. Nach der Schilderung von Wolfgang Niersbach und Franz Beckenbauer wollte das WM-OK damit eine 170-Millionen-Zahlung der Fifa auslösen, als angeblichen Zuschuss für das Kulturprogramm.

Diese ohnehin bizarre Version scheint wohl nicht mehr haltbar. Erstens streitet die Fifa alles ab. Zweitens berichtete der Stern inzwischen, dass die Fifa zu dem Zeitpunkt der Überweisung dem DFB bereits 100 Millionen Euro überwiesen habe. Das macht die Sache nicht verständlicher, wirft aber die Frage auf: Haben Niersbach und Beckenbauer Falsches verbreitet? Wenn ja, warum?

Hat der DFB mit dem Geld etwa den Wahlkampf Sepp Blatters im Jahr 2002 finanziert? Das wäre keine gute Nachricht. Eine womöglich noch schlechtere wäre es, wenn die Dreyfus-Millionen mit der WM-Vergabe zu tun hätten. Inzwischen ist nämlich nicht mehr klar, wer am 6. Juli 2000 für Deutschland stimmte. Bislang galt als gesichert, dass neben den acht Europäern alle vier Asiaten aus dem Fifa-Exekutivkomitee Deutschland wählten.

Die Theorie mit dem asiatischen Block ist ins Wackeln geraten. Wahrscheinlicher ist, dass sich der Südkoreaner Chung von Deutschland abwandte. Offenbar zum Ärger des Kataris Muhammad bin Hammam, der den Deutschen das komplette Stimmpaket seiner Konföderation zusichern wollte.

Der inzwischen verstorbene Fifa-Insider Elias Zaccour soll laut einer Recherche der Süddeutschen Zeitung einen anderen ins Spiel gebracht haben: Jack Warner, den Superganoven aus der Karibik. Wenn es stimmt, dass er Deutschland gewählt hat, hieße das: Die WM war gekauft. Warners Gunst bekommt man nur durch finanzielle Zuwendung. Das ist ein Naturgesetz – wie dass Wasser nach unten fließt.

Unstrittig ist: Es gab einen Vertragsentwurf zwischen dem DFB und Warner. Der sah unter anderem tausend WM-Tickets der höchsten Kategorie und andere Kleinigkeiten für Warner vor. Beckenbauer hat das Papier unterschrieben, natürlich ohne das Kleingedruckte zu lesen, wie er sagte. Außerdem sei der Vertrag nicht zustande gekommen.