Der ehemalige Chef des WM-Organisationskomitees Franz Beckenbauer (Archiv) © Andreas Gebert/dpa

Franz Beckenbauer plädiert trotz neuer konkreter Vorwürfe in der WM-Affäre weiter auf Unschuld. Am Tag nach der Veröffentlichung der Freshfields-Ermittlungen zur Vergabe der Fußball-Weltmeisterschaft 2006 bestritt der ehemalige Chef des WM-Organisationskomitees (OK) erneut, dass Bestechung im Spiel war oder er von einem verdächtigen Millionentransfer über sein Konto Richtung Katar Kenntnis hatte. "Die WM war nicht gekauft", sagte Beckenbauer der Bild am Sonntag.

Dass im Juli 2002 sechs Millionen Schweizer Franken von einem Konto von Beckenbauer und seinem noch im gleichen Monat gestorbenen Manager Robert Schwan zunächst in die Schweiz und von dort nach Katar an eine Firma des dubiosen Fifa-Spitzenfunktionärs Mohammed bin Hammam geflossen waren, will Beckenbauer nicht gewusst haben. "Ich habe erst vergangenen Mittwoch erfahren, dass das Geld nach Katar gegangen ist", sagte er.

Seine Wissenslücke erklärte Beckenbauer folgendermaßen: "Robert hat mir alles abgenommen - vom Auswechseln der Glühbirne bis hin zu wichtigen Verträgen." In der Nachbetrachtung habe er vielleicht Fehler gemacht, gab der 70-Jährige zu.

Beckenbauer betonte aber erneut, es habe sich bei den Millionensummen um eine Sicherheit gehandelt, um vom Weltverband Fifa einen Finanzzuschuss für die WM zu bekommen. "Sonst hätten wir keine WM in Deutschland gehabt", sagte Beckenbauer. Das Organisationskomitee habe das Geld dringend benötigt. "Stellen Sie sich vor, die WM wäre geplatzt. Was für eine Blamage für Deutschland", sagte Beckenbauer.

Doch die Zweifel an Beckenbauers Version bleiben. Den Zweck der Überweisungen konnten auch die Freshfields-Ermittler nicht klären. Noch immer ist nicht gänzlich auszuschließen, dass das Geld doch der Bestechung von Fifa-Wahlmännern diente. Es könnte aber auch von Fifa-Chef Joseph Blatter für seinen Wahlkampf 2002 genutzt worden sein.

Der designierte DFB-Präsident Reinhard Grindel glaubte Beckenbauers Darstellung und sah deren Stimmigkeit durch den Freshfields-Bericht untermauert. Im Interview mit dem Deutschlandfunkbegründete er dies mit dem Interesse der Fifa und deren damaligen Generalsekretär Urs Linsi an den Rückzahlungsmodalitäten im Jahr 2005. Dokumentiert ist, wie das Geld vom WM-OK über ein Fifa-Konto an den Darlehensgeber Robert Louis-Dreyfus floss.