Lee Sedol hat das Turnier schon verloren und doch wird sein erster Sieg gegen den Computer AlphaGo von Fans des Spiels gefeiert. Der südkoreanische Go-Meister gewann am Sonntag in Seoul gegen den Go-Computer AlphaGo, womit es nun 3:1 für den Computer steht. Fünf Partien spielt der Go-Meister insgesamt gegen den Rechner, die letzte am Dienstag. Gewinnen kann er nicht mehr, aber er kann noch zeigen, dass Menschen nicht chancenlos und Maschinen nicht perfekt sind.

Die vierte Partie der beiden dauerte fünf Stunden. Nachdem drei Stunden gespielt worden waren, machte der Rechner überraschende und für menschliche Spieler ungewöhnliche Züge, die Kommentatoren als Hinweis darauf sahen, dass er sich in die Enge gedrängt sah. Nach 184 Zügen gab der Computer schließlich auf.

Hunderttausende Menschen hatten den Kampf verfolgt – in Südkorea live im Fernsehen, im Rest der Welt via YouTube. Hier kann die Partie angeschaut werden.

Lee Sedol war anschließend offensichtlich erleichtert. Man habe ihm noch nie so begeistert zum Sieg eines einzelnen Spiels gratuliert, sagte er. Auch Demis Hassabis gratulierte ihm, vor allem zu seinem Kampfgeist. Hassabis ist der Geschäftsführer der britischen Firma DeepMind, die AlphaGo entwickelt hat und die inzwischen zum Googlekonzern Alphabet gehört. Die Partie will er genau analysieren, um den Rechner noch besser zu machen.

Vor dem Turnier hatte sich Lee sehr zuversichtlich gezeigt und gesagt, er werde haushoch gewinnen, nach der ersten Niederlage war er dann sichtlich schockiert. Go gilt als sehr kompliziert und auch Weltklassespieler sind auf Intuition angewiesen, da es eine unüberschaubare Zahl von möglichen Zügen gibt. Der Wettkampf gilt daher vor allem als Gradmesser dafür, wie weit Künstliche Intelligenz entwickelt ist.

Ende der achtziger und Mitte der neunziger Jahre kämpfte der damalige Schachweltmeister Garri Kasparow in ähnlichen Duellen gegen die Computer Deep Thought und Deep Blue von IBM. Damals hatte Kasparow noch einen leichten Vorteil gegenüber den Maschinen erspielen können.