Ich war verschiedentlich in Paderborn, um den phänomenalen Aufstieg und zwischenzeitlichen Fall des wenig bemittelten Fußballvereins zu beschreiben. Zuletzt im Oktober, als die überraschende Nachricht kam, der Vereinspräsident Wilfried Finke habe den früheren Skandalnationalspieler Stefan Effenberg als Trainer verpflichtet. Es gab einen Medienwirbel, wie ihn die Stadt nicht einmal beim Aufstieg in die Erste Bundesliga erlebt hatte, aber jeder, der noch bei Verstand war, wusste sofort den Unterschied zwischen beiden Ereignissen zu benennen. Es war der Unterschied zwischen Triumph und Verzweiflung. #finkefinger hieß der Hashtag der Twitter-Gemeinde.

Ich hätte Herrn Finke damals gerne einmal persönlich kennengelernt, aber er hatte keine Zeit oder war auf Mallorca, so ging ich in sein Möbelhaus in direkter Nachbarschaft des Stadions. Dort gibt es Stehlampen und Sitzecken, Beistelltische, Spannbettlaken, Jalousien – eine zweckmäßige Auswahl, zugeschnitten auf die Einrichtungswünsche Ostwestfalens. Möbel Finke ist kein unmögliches Möbelhaus. Keine Dunstabzugshaube hieße hier Strunz, obwohl das im Kampf gegen dicke Luft bestimmt kein schlechter Name wäre ("Was absaugen Strunz?").

Das Möbelhaus konkurriert nicht wirklich mit Ikea. Es hat Filialen in Münster, Oberhausen, Jena, Erfurt, Kassel und Hamm, solide zweite Liga. Insofern ist Finkes Wunsch nur zu verständlich, dass auch der Verein die Klasse halten möge. Ob es ein Punktepolster in der Sofaabteilung gibt? Gesehen habe ich keines.

Die kürzlich von Finke vorgebrachte Forderung, Effenberg müsse jetzt liefern, ist auch vor diesem Hintergrund zu verstehen. Bei Möbel Finke wird bestellt und geliefert. Bestellen und nicht liefern, das geht nicht. Deshalb musste Finke seinen glücklosen Trainer entlassen, der am Schluss nicht mal mehr eine gültige Lizenz hatte, weil er an vorgeschriebenen Fortbildungen nicht teilgenommen hatte, die ihm bestimmt von Nutzen gewesen wären.

In Erinnerung bleiben die Penisaffäre und die Tiermaske von Claudia Effenberg, die ihrem Tiger in letzter Stunde noch Mut zutwittern wollte. In Erinnerung bleibt auch der Ausspruch Finkes bei der Entlassung, der SC Paderborn sei nicht der SC Hollywood, wobei die Verbindung zwischen den Effenbergs und Hollywood nicht auf Anhieb herzustellen ist und Fußballhistoriker bestimmt noch beschäftigen wird.

Die Fußballfreunde in Paderborn werden sich nach dem Abschied vom Tiger und seiner Raubkatzengattin fürs Erste wieder mehr Zuspruch im Dom holen müssen, am berühmten Hasenfenster, das als jahrhundertealtes Symbol jetzt wieder einmal neu gedeutet werden kann: Rund muss es laufen auf dem Platz, flink müssen die Spieler sein, ganz auf den Ball konzentriert, wenn sie in der zweiten Liga den Löffel nicht abgeben wollen.