Für Stefan Effenberg ist seine erste Anstellung als Fußballtrainer beim Zweitligisten SC Paderborn 07 beendet. Wie der Verein mitteilte, gab es am Mittwochabend ein Gespräch von Clubpräsident Wilfried Finke mit dem 47-jährigen Chefcoach, in dem er ihm seine Entscheidung mitteilte. Effenberg hatte den Posten Mitte Oktober von Markus Gellhaus übernommen und einen Vertrag bis Juni 2017 unterschrieben.

Der Start des Trainer-Novizen gelang, seine Mannschaft siegte in Effenbergs ersten beiden Spielen. Dann jedoch konnten die Paderborner sportlich nicht mehr überzeugen und brachten ihren Trainer auch durch negative Schlagzeilen abseits des eigentlichen Fußballgeschehens unter Druck. Inzwischen stehen die Ostwestfalen nach 24 Spieltagen mit 19 Punkten auf dem 17. Tabellenrang, der Rückstand auf den ersten Nichtabstiegsplatz beträgt fünf Punkte. Seit Ende Oktober gelang dem Team zudem in zwölf Partien kein Sieg mehr. Der Verein droht, von der Ersten direkt in die Dritte Liga abzusteigen.

Erst vor knapp drei Wochen hatten sich Präsidium und Aufsichtsrat nach langer Beratung für einen Verbleib des einstigen Weltklasseprofis und Champions-League-Siegers ausgesprochen. "Es gilt meine Zusage, dass Stefan Effenberg im Februar unser Cheftrainer bleibt", hatte Präsident Finke gesagt. Effenberg selbst gab sich vor dem jüngsten Gastspiel beim Karlsruher SC am Dienstag noch optimistisch: "Wenn wir so weiterspielen und zusammenhalten, werden die Punkte kommen." Beim KSC wurde es letztlich nur einer – das Spiel endete 0:0.

Eklat im Trainingslager, Trunkenheit am Steuer

Doch nicht nur die schlechten Resultate unter seiner Führung setzten Effenberg zu. Im vergangenen Dezember sorgte die Suspendierung mehrerer Spieler für viel Kritik, später folgte ein Eklat im Trainingslager im türkischen Belek um den hüftabwärts entblößten Stürmer Nick Proschwitz. Im Februar musste Effenberg dann einen Strafbefehl wegen Trunkenheit am Steuer nach einem Oktoberfestbesuch akzeptieren. Zuletzt wurde bekannt, dass er eine vorgeschriebene Fortbildung zur Verlängerung seiner Trainerlizenz im Herbst nicht besucht hatte.

Bei der Vorstellung Effenbergs als Trainer hatte sich Finke noch enthusiastisch über den prominenten Neuzugang an der Seitenlinie geäußert. "Die Chemie passt!", verkündete der Vereinspräsident im Oktober. "Er wird unserer Mannschaft neues Selbstbewusstsein einhauchen und auch die Fans begeistern." Doch schon in der Winterpause schlug der Clubboss härtere Töne an und forderte Effenberg auf, "zu liefern. Denn wenn er nicht liefert, steigen wir ab."

Wer die Mannschaft nach der Demission des einstigen Hoffnungsträgers nun zum Klassenerhalt führen soll, blieb zunächst offen.