Am heutigen Dienstag würden viele Fußballfans gerne das Europapokalspiel des VfL Wolfsburg in Madrid im Fernsehen schauen. Dazu müssten sie aber ein teures Sky-Abo erstanden haben oder in die Kneipe gehen. Auch das hat mit der jüngsten Entscheidung des Bundeskartellamts in Sachen TV-Rechte zu tun, zu diesem Zusammenhang später mehr.

Die Entscheidung, die das Kartellamt am Montag getroffen hat, betrifft zunächst aber nur deutsche Fußballwettbewerbe. Es geht um die Bundesliga. Die Deutsche Fußball Liga (DFL) hat am Dienstag deren Rechte für die Zeit ab 2017 ausgeschrieben und wie immer ein kleines Monopoly-Spiel ausgelöst. Sie hofft auf mehr als eine Milliarde Euro Einnahmen im Jahr. Ab dann, das ist das Neue, darf der Rechte-Inhaber, bisher ist das der Bezahlsender Sky, nicht mehr alleine die Bundesliga live zeigen.

Demnach muss mindestens ein Konkurrent von Sky zum Zuge kommen, der von den jährlich 306 Bundesliga-Spielen mindestens 30 und höchstens 102 live im Internet oder auf Smartphones überträgt. Im Gespräch sind Eurosport 2, Amazon, die Constantin Medien AG, zu der Sport1 gehört, oder Perform, ein Unternehmen, das das Sportportal Spox verantwortet.

Das Kartellamt nennt seine Maßnahme Alleinerwerbsverbot oder No-Single-Buyer-Regel, sie ist üblich etwa in England oder Italien, wo sie sogar gesetzlich verankert ist. Dadurch sollen Monopole verhindert werden und mehr Wettbewerb entstehen. Und am Ende die Endkunden, also alle potenziell Interessierten, profitieren. Letztlich sollen die Preise fallen.

Vordergründig klingt das nach einer schlechten Nachricht für Sky. Wird der Sender kürzer treten oder mehr für die Rechte als die bislang halbe Milliarde Euro pro Jahr zahlen müssen? Es klingt aber auch nach einer schlechten Nachricht für die Kunden. Müssen sie bald zwei Verträge abschließen, brauchen sie zwei dann zwei Decoder? Und wie passt das mit dem Anspruch des Kartellamts zusammen, das ja die Verbraucher schützen soll?

Doch vermutlich wird sich auf dem deutschen Fußballfernsehmarkt nichts bis wenig ändern. Erstens dürfte Sky wieder den Zuschlag erhalten, es ist kein gleichstarker Rivale in Sicht. Zweitens regt das Kartellamt in einer Zusatzklausel an, dass sich der Rechtekäufer über Sublizenzen die Rechte an den anderen Spielen wieder zurückkaufen kann. Kritiker sagen, diese Klausel verwässere die No-Single-Buyer-Regel. Für den Kunden bliebe also alles wie gehabt. Spricht man mit Vertretern von Sky, spürt man Gelassenheit.

Dem deutschen Pay-TV-Markt mangelt es an Wettbewerb, das zeigt der europäische Vergleich. Das liegt vor allem am öffentlich-rechtlichen Rundfunk, der der stärkste der Welt  ist – und ja auch als Rechtekäufer im Fußball aktiv. ARD und ZDF sind sozusagen bereits Second Buyer.

DFL und das Kartellamt hätten beide gerne mehr Wettbewerb. Dass das neue Modell für mehr Konkurrenz sorgt, gilt als unwahrscheinlich. Bisher scheiterten all ihre Versuche, einen Rivalen zu Sky oder dem Vorgängerunternehmen Premiere aufzubauen. 2006 erhielt das Konsortium Arena den Vorrang, erwies sich aber nicht als profitabel. Ein Jahr später übernahm Premiere wieder. Liga Total, das IPTV-Produkt der Telekom, hielt sich als Zweitverwerter nur von 2009 bis 2013. Auch Sky macht mit der Bundesliga nach wie vor Verluste, obwohl es ein professionelles Produkt liefert.

Einzelvermarktung als Lösung

Würde das Kartellamt wirklich den Wettbewerb fördern wollen, müsste es die Zentralvermarktung untersagen. Zentralvermarktung heißt: Die DFL verkauft die Bundesliga nur im Paket. Wer Gladbach sehen will, muss auch Bayern kaufen. Das Kartellamt reagiert eigentlich allergisch auf solche Kopplungsgeschäfte. Zum Beispiel prüft es zurzeit, ob die Art, wie der Deutsche Fußball-Bund EM-Tickets verkauft, zulässig ist. Wer sie kaufen will, muss beitragspflichtiges Mitglied im DFB-Fan-Club werden. Dem Deutschen Eishockey-Bund untersagte das Kartellamt einst, Ticket-Pakete für mehrere WM-Finalspiele nur gebündelt zu verkaufen.

Gegenüber der DFL ist das Kartellamt kulanter, wundern sich Verfahrensbeobachter. Würde es auf eine Einzelvermarktung pochen, müssten die Zuschauer nicht mehr für zwei Jahre das gesamte Bundesliga-Paket für monatlich 40 Euro oder mehr kaufen, sondern könnten das eigene Team abonnieren. Oder sogar einzelne Partien, wie etwa das Champions-League-Spiel Real gegen Wolfsburg. Ein solches Modell dürfte die Preise senken und den Pay-TV-Sendern sogar neue Kunden erschließen. Auch die Übertragungen würden attraktiver werden.

Wozu es nämlich führen kann, wenn es keine Konkurrenz gibt, man sich also nicht anstrengen muss, zeigt die Art, wie Sky Fußball im Internet zeigt, zum Beispiel auf dem mobilen Angebot Sky Go. Der User kann sich nicht seine persönliche Konferenz aus verschiedenen parallel verlaufenden Spielen zusammenstellen. Als es Liga Total noch gab, hatte der Sender diese zusätzliche Option für den Kunden im Angebot.

Doch Kunden, also die Fans, kamen in der aktuellen Verhandlung nicht zu Wort. Das Kartellamt kann keine großen Anstrengungen unternommen haben, deren Interessen zu erkunden oder zu berücksichtigen. Und die DFL hält aus politischen Gründen an dem Heiligtum Zentralvermarktung fest, weil sie angeblich die Solidarität der Bundesliga sichere und sich nur mit ihr die vielen Millionen gerechter verteilen ließen.

Dabei könnten sich die Vereine ebenso auf ein Solidarmodell einigen, wenn sie ihre TV-Rechte einzeln vermarkten. Man muss das nicht so lösen wie in Spanien, wo die beiden großen Vereine aus Madrid und Barcelona das meiste einstreichen. Dieses Modell würde zudem die seltsame Debatte des Teams Marktwert um Traditionsvereine beenden, und müsste keineswegs, wie oft behauptet, zu Lasten der Kleinen und Newcomer gehen.