Worum geht’s?

Um den Gruppensieg, praktisch. Beide Teams gewannen ihre erste Begegnung, dem Sieger dieser Partie dürfte der erste Platz der Gruppe C nicht mehr zu nehmen sein. Vor dem Ukraine-Spiel war viel die Rede vom Auftakt gewesen, der angeblich immer schwierig sein soll. Als die deutsche Elf gewonnen hatte, stellte man in den Chroniken fest: Siege im ersten Spiel sind für die Nationalmannschaft die Regel. Löw gewann bislang immer. Beim letzten Mal, als Deutschland mit einer Niederlage ins Turnier startete, war Helmut Schmidt noch Kanzler. Anders sieht es beim zweiten Spiel aus. Seit er Cheftrainer ist, gewann Löw nur eins von vier Spielen der zweiten Runde. Bislang ging es im dritten und letzten Spiel immer um alles. Aber auch der Verlierer von heute wird noch gute Aussichten auf das Achtelfinale haben. Diese EM ist aufgebläht, halb Europa ist am Start. Die Vorrunde, in der nur acht von 24 Teams ausscheiden, produziert Niveauarmut und verzeiht Niederlagen. Mal sehen, ob sogar ein Team mit deren zwei durchkommt.

Wen stellt Joachim Löw auf?

Der Bundestrainer neigt eigentlich nicht zu voreiligen Wechseln. Noch nie hat er im zweiten Spiel die Aufstellung abgeändert. Vielleicht ist es dieses Mal anders. Mario Götze hat der Welt ein paar süße Schüsschen gezeigt, aber zwischendurch war der Stürmer 18 Minuten am Stück nicht am Ball. Gemunkelt wird auch, dass André Schürrle Julian Draxler ersetzen könnte.

Die größte Chance auf einen frischen Platz hat Mats Hummels. Er ist die Stammkraft, Shkodran Mustafi war vor dem Turnier nur die Nummer vier hinter Boateng, Hummels und dem jetzt verletzten Rüdiger. Allerdings hat er nicht schlecht gespielt, sogar ein Tor geschossen. Die Stadionregie von Lille war auf Zack, blendete sogleich Hummels auf der Leinwand ein. Tatsächlich ist eher damit zu rechnen, dass Löw ihn bringt. Hummels hat durch seine Verletzung vermutlich nicht viel von seiner Geschwindigkeit eingebüßt. Ein bisschen riskant wäre ein Einsatz dennoch. Klappt's, hat er sich in die Elf reingespielt. Klappt's aber nicht, hat sein Trainer die Frage an der Backe, ob es nötig war, eine Abwehr umzubauen, die zu null gewonnen hatte.

Überhaupt, was macht Löw?

Man wird ihn in jeder Sekunde sehen können, auf zdf.de. Die Jogi-Cam ist keine Sanktion der Uefa auf den über-, eher untergriffigen Trainer. Es ist einfach so, dass die Uefa ohnehin jeden Trainer 90 Minuten lang beobachtet. Bislang hat das keinen gejuckt, doch die Zugriffe dürften heute steigen. Löw hat übrigens auf die Debatte über sein Video reagiert. "Ich habe die Bilder gesehen, man ist voller Adrenalin und Konzentration", sagte er auf der Pressekonferenz in Paris. Die Dinge, die passierten, könne man nicht bewusst wahrnehmen. "Aber ich versuche, mich in irgendeiner Form anders zu verhalten." Das war eine Entschuldigung. Bei wem eigentlich?

Wer ist der Gegner?

Fast auf den Tag genau vor zehn Jahren erlebte der deutsche Fußball einen emotionalen Höhepunkt: Dortmund, Schneider, Odonkor, Neuville – mehr müssen wir nicht sagen. Gegner damals war Polen. Seitdem trifft man sich ab und an. Einen Sieg in einer EM-Vorrunde gab es beim vorletzten Turnier 2008. Im Herbst 2014 besiegten die Polen erstmals die Deutschen. Gegen Nordirland gelang unseren Nachbarn nun auch der erste EM-Sieg der Geschichte. Man trifft auf alte Dortmunder Bekannte: Lukas Piszczek etwa, der noch Schwarz-Gelb trägt. Der gegen Nordirland erstaunlich gute Jakub Blaszczykowski, inzwischen beim AC Florenz. Und natürlich Robert Lewandowski, inzwischen beim FC Bayern. Polen ist der Außenseiter, aber Deutschlands stärkster Vorrundengegner. Wenn die Nationalmannschaft eines der ersten drei Spiele verlieren sollte, dann heute.