Am 30. Mai im schweizerischen Trainingslager in Ascona war es wieder soweit: Die Dopingkontrolleure schauten bei der Nationalmannschaft vorbei. Und der DFB berichtete auf Facebook und Twitter. Gleich acht Spieler hätten eine Urin- und Blutprobe abgeben müssen. Kontrollen als positive PR-Botschaft. Seht her, wir haben nichts zu verbergen.

Seit Januar und bis zum Turnierbeginn kontrollierte die Nationale Anti Doping Agentur (Nada) alle Spieler im EM-Kader der deutschen Nationalmannschaft im Schnitt zwei bis drei Mal. Einige Spieler sind in der Champions League und der Europa League zusätzlich vom europäischen Fußballverband (Uefa) getestet worden, teilt die Nada auf Anfrage von correctiv.org mit.

Kurz vor Turnierbeginn gab die Uefa eine Pressemitteilung heraus und sprach vom umfangreichsten Antidopingprogramm in der Geschichte der EM. Tatsächlich hat sich im Vergleich zu früheren Europameisterschaften einiges verbessert. Bei der EM 2008 gab es noch keine Trainingskontrollen, 2012 wurde jedes Team nur einmal in den Wochen vor Turnierbeginn von Kontrolleuren besucht. Solche offensichtlichen Lücken kann sich die Uefa nicht mehr erlauben, seitdem das Thema Doping im Fußball immer mehr öffentlich thematisiert wird.

Was hat sich konkret verbessert?

Die Uefa kooperiert seit diesem Jahr mit den nationalen Antidopingagenturen, in Deutschland ist das die Nada. Der Fußballverband und die Antidopingagenturen können auf eine gemeinsame Datenbank zugreifen. Dort werden die biologischen Daten der Spieler gesammelt. Uefa und Antidopingagenturen stimmen zudem ab, wann kontrolliert wird, damit die Kontrolleure nicht gleichzeitig auftauchen und Spieler gleich mehrere Becher mit Urin füllen müssen.

Eine Ausnahme bilden drei Länder, mit denen keine Kooperationen abgeschlossen wurden: Russland hat nach den Dopingskandalen, die auch den Fußball betreffen, keine lizenzierte Antidopingbehörde mehr. Die britische
Anti-Doping Behörde übernimmt dort die Kontrollen. Mit der Ukraine gibt es auch keinen Vertrag, weil die Agentur laut Uefa "interne Probleme" habe und Albanien hat ebenfalls keine unabhängige Agentur. Dort ist das Sportministerium für die Dopingkontrollen im Land zuständig. Durch die Kooperationsverträge mit den restlichen 22 nationalen Agenturen (Nados) entstehen auf den ersten Blick beeindruckende Zahlen: Seit Januar haben die Nados und die Uefa insgesamt 1.278 Proben genommen.

Warum reicht das nicht?

Das entspricht 639 Tests, da bei jeder Kontrolle zwei Proben (A und B) genommen werden. An der Europameisterschaft nehmen 552 Spieler teil. Die genauen Namen der Teilnehmer sind aber erst seit dem 1. Juni bekannt. Deshalb war der Kreis, der im Vorfeld für Kontrollen in Frage kommenden Spieler, größer als 552 Personen. Das reduziert die Zahl der Kontrollen pro EM-Teilnehmer deutlich. Im Schnitt wurden die Spieler seit Jahresbeginn also vermutlich weniger als einmal getestet. Es gab weitere 437 Tests rund um die Champions-League- und Europa-League-Spiele. Wie viele EM-Spieler bei diesen Kontrollen getestet wurden, wissen wir nicht.

Mit der Saison 2015/16 hat die Uefa begonnen, zentrale Blutwerte für einen biologischen Pass zu sammeln. Wada, Uefa und die Nados haben Zugriff auf die Blut- und Hormonprofile in der Datenbank. Von den 639 genommenen Kontrollen, die seit Januar genommen wurden, fließt allerdings nur jede vierte Kontrolle in das Passprogramm ein.