Mir reicht es. Ich strecke meinen Arm sehr weit über meinen Kopf und will damit sagen: Bis hier steht es mir. In diesem Text werden die Silben "Hoo" - "li" und "gan" nicht vorkommen. Heilige Vuvuzela! Es soll doch bei der EM endlich um Fußball gehen. Um die Geschichten, welche von den Spielern, den Trainern, den Busfahrern und den Maskottchen handeln. Um Jogginghosen und um belgische Spieler, die Pumuckl sein könnten und einen Gegenspieler haben, der Eder heißt. Bisher eröffneten einige stumpfe Schläger hässliche Nebenkriegsschauplätze, die in diesem Fall leider fast wörtlich zu nehmen sind.

Mein fußballromantischer Blick auf die EM war trüb. Nirgends kribbelte es. Meine Fahne blieb im Schrank und das Trikot lag im Wäschestapel ganz unten. Obwohl die EM schon längst begonnen hatte. Völlig unvorstellbar für mich. Normalerweise halte ich mir auch die Testspiele der U18-Nationalmannschaft von Aserbaidschan frei von anderen Terminen. Ja, auch ein rollender Ball auf einer Wiese erregt mein Interesse. Doch nun ist er explodiert, dieser Teil in mir. Seit diesem Spiel der Slowaken gegen die Russen.

Dabei bin ich nur Ersatz: Die Slowakei-EM-Patin ist verhindert. Meine Chance, endlich wieder die Liebesbeziehung mit dem Fußball einzugehen und ein EM-Spiel zu betreuen. Russland gegen Slowakei. Ich stell mir da nur eine Frage: Wie schön wird das denn? Auf der einen Seite diese Großmacht, die das Weltgeschehen in allen Bereichen mitbestimmt und die auf dem Rasen nach oben strebt. Und auf der anderen Seite: Russland.

Kleiner Spaß. Mir fällt es dennoch sehr leicht, spontan die Sympathien auf die Seite der Slowakei zu schaufeln. Denn natürlich ist die Slowakei alles andere als eine Großmacht. Schon gar nicht im Fußball. Sie ist das Gegenteil, ein hässliches sympathisches Entlein, das zwar Wasserschlachten gegen Weltmeister gewinnt, Albträume bei Marc-André ter Stegen verursacht und dennoch sein Auftaktspiel gegen den EM-Frischling Gareth Bale aus der südwestlichen Provinz Großbritanniens verliert.

Es muss also etwas passieren gegen die Russen, die nur noch auf Bewährung spielen. Wäre die EM ein Klassenzimmer, Russland stünde in der Ecke, das Gesicht zur Wand gedreht. Aber sie sind noch da. Damit lebt die unbändige Hoffnung in mir, dass doch noch ein witziges Fußballfest starten kann.