Als letzte Instanz hat der Internationale Sportgerichtshof CAS den Einspruch von 68 russischen Leichtathleten gegen ihren Olympiaausschluss zurückgewiesen. Das teilte das Gericht mit. Damit dürfen die Sportler endgültig nicht bei den Olympischen Sommerspielen in Rio de Janeiro an den Start gehen.

Bereits Mitte November 2015 hatte der Weltverband IAAF den russischen Leichtathletikverband WFLA wegen flächendeckenden Dopings suspendiert. Diese Sperre für internationale Wettkämpfe wurde dann Mitte Juni dieses Jahres von der IAAF über die Olympischen Spiele hinaus verlängert – und nun vom CAS letztinstanzlich bestätigt.

Die Entscheidung aus Lausanne gilt als richtungsweisend für das Internationale Olympische Komitee (IOC), das bis zum kommenden Dienstag über den kompletten Ausschluss aller russischen Sportler für die Wettkämpfe in drei Wochen entscheiden will. Grundlage für oder gegen einen Bann ist der Bericht des Wada-Ermittlers Richard McLaren, in dem er eindeutige Beweise für flächendeckendes und jahrelanges Staatsdoping in Russland angeprangert hat. Außerdem wurde nachgewiesen, dass bei den Winterspielen 2014 in Sotschi positive Dopingproben von russischen Athleten vertuscht oder verfälscht worden sind.

Das IOC hatte nach der Wada-Veröffentlichung die "härtestmöglichen Sanktionen gegen Einzelpersonen oder Organisationen" angekündigt, Entscheidungen aber auf die Zeit nach dem CAS-Urteil verschoben. Ungeachtet dessen hatte Russland am Mittwoch insgesamt 387 Sportler für die Wettkämpfe im August nominiert, darunter auch die 68 Leichtathleten, die vor den CAS gezogen waren.

"Entscheidung ist auch politisch motiviert"

Russland reagierte mit scharfer Kritik und Bedauern auf das Olympia-Aus für seine Leichtathleten. "Dieses beispiellose Urteil erniedrigt den gesamten Sport", sagte Sportminister Witali Mutko der Agentur Interfax zufolge. "Wir werden über weitere Schritte nachdenken. Die Entscheidung ist auch politisch motiviert und hat keine rechtliche Grundlage. So möchten wir die Sache nicht belassen", kündigte der Ressortchef an. "Wir müssen das Urteil analysieren. Eine kollektive Verantwortung ist aus unserer Sicht kaum hinnehmbar", sagte Kremlsprecher Dmitri Peskow.

"Der CAS hat mit seinem Urteil die Leichtathletik im Grunde genommen begraben", kritisierte Stabhochsprungstar Jelena Issinbajewa. Der Abgeordnete Igor Lebedew forderte: "Russland muss eine würdige Antwort auf diese Ohrfeige finden." 

Der Leichtathletik-Weltverband IAAF begrüßte die Entscheidung der CAS-Richter mit Freude und Genugtuung. "Das Urteil hat gleiche Wettbewerbsbedingungen für alle Sportler geschaffen", wurde in einer Erklärung betont. Es stärke die Rechte der IAAF, "ihre Gesetze zum Schutz des Sports und zum Schutz der sauberen Sportler anzuwenden und damit die Glaubwürdigkeit und Integrität der Wettbewerbe zu schützen". Dennoch sei dies "kein Tag für triumphale Verkündungen", meinte IAAF-Präsident Sebastian Coe. "Der ureigenste Wunsch unseres Verbandes ist es, einzubinden – nicht auszuschließen."

Der CAS urteilt seit mehr als 30 Jahren als letzte Instanz bei Streitfällen im Sport. Grundlage des Court of Arbitration for Sport mit Sitz in Lausanne sind vom IOC geschaffene Statuten. Noch in den 1990er Jahren wurde der Gerichtshof nur in wenigen Fällen angerufen, inzwischen entscheiden die mehr als 300 von den Sportverbänden ausgewählten Richter jährlich Hunderte Verfahren. Dabei geht es nur in 30 Prozent der Fälle um Doping. Die meisten drehen sich um Rechtsfragen im Fußball – Transferstreitigkeiten oder Spielberechtigungen. In zehn Prozent der Fälle stehen kommerzielle Dispute wie TV- und Sponsorenverträge zur Prüfung an. Auch bei Streitigkeiten während Olympischer Spiele kann der CAS angerufen werden – von Athleten, von den Nationalen Olympischen Komitees, den internationalen Verbänden, vom IOC und von allen Mitgliedern dieser Organisationen.