Darja Klischina darf nun doch als einzige russische Leichtathletin an den Olympischen Spielen von Rio de Janeiro teilnehmen. Der Internationale Sportgerichtshof CAS gab dem Einspruch der Weitspringerin gegen einen Ausschluss durch den Leichtathletikweltverband IAAF statt.

Nach einer vierstündigen Anhörung am Sonntagnachmittag entschied das Ad-hoc-Gremium des höchsten Sportgerichts noch mitten in der Nacht zum Montag zugunsten Klischinas. In einer ersten Begründung des Gremiums, das während Olympischer Spiele dringende Fälle schnell entscheiden muss, hieß es: "Die Athletin hat sachdienlich begründet, dass sie während der "relevanten Zeit" Subjekt von vollständig konformen Dopingkontrollen – innerhalb und außerhalb der Wettbewerbe – außerhalb Russlands war." Eine ausführliche Begründung ihres Urteils wollen die Richter nachliefern. 

Damit ist die 25-Jährige bei der Weitsprung-Qualifikation am Dienstag startberechtigt. Die übrigen russischen Leichtathleten sind wegen systematischen Dopings in dem Land von den Spielen ausgeschlossen.

Die IAAF hatte Klischina als einziger russischen Leichtathletin zunächst das Olympia-Startrecht eingeräumt, weil sie seit drei Jahren in den USA lebt und damit, wie zunächst angenommen, nicht in das Doping-System ihres Landes eingebunden war. Auf Grundlage neuer Informationen entzog die IAAF der Sportlerin dann aber das Sonderstartrecht wieder. Die ARD hatte am Sonntag berichtet, dass Doping-Proben von Klischina in Russland entdeckt worden sein sollen, die mutmaßlich illegal geöffnet wurden.


Klischina hatte gegen diese Entscheidung Einspruch beim CAS eingelegt. "Im Moment kann ich mich nur von einem System betrogen fühlen, dem es nicht darum geht, den Sport sauber zu halten und die breite Masse der Athleten zu unterstützen, sondern Siege außerhalb der Sportarenen zu erzielen", schrieb sie auf Facebook.

Russische Sportfunktionäre feierten die Starterlaubnis für die Weitspringerinals wichtigen Sieg. "Die Gerechtigkeit hat triumphiert", sagte der Chef des Sportausschusses im Parlament, Dmitri Swischtschjow, der Agentur Tass. "Das Gericht hat verstanden, dass es keinerlei Fakten gab über irgendwelche Verstöße." Der frühere Chef des nationalen Leichathletikverbandes (WFLA), Walentin Balachnitschjow, zeigte sich erfreut. Er habe nicht mit dieser Entscheidung gerechnet, sagte er. Der ganze Vorfall sehe aus, als stünden politische Motive dahinter, meinte Balachnitschjow. Die Führung in Moskau bewertet die schweren Doping-Vorwürfe als politische Kampagne gegen Russland.

In ihrem Bericht hatten die Ermittler der Welt-Anti-Doping-Agentur (Wada) am 18. Juli Russland staatlich gesteuertes Doping vorgeworfen. Es gebe zahlreiche gravierende Belege für die Verwicklung von staatlichen Stellen in den Sportbetrug, sagte Wada-Chefermittler Richard McLaren. So seien im Moskauer Anti-Dopinglabor über Jahre hinweg positive Proben verschwunden, um gedopte russische Athleten zu schützen. Das russische Sportministerium habe die Manipulationen überwacht, sagte McLaren.