Runter vom Treppchen!

Der Medaillenspiegel der Schande: 115 Gold, Silber und Bronze wurden schon wegen nachgewiesenem Doping aberkannt.

Gold Silber Bronze Gesamt
1. USA 7 1 3 11
2. Russland 5 14 7 26
3. Kasachstan 5 2 2 9
4. Bulgarien 4 2 1 7
5. Spanien 3 1 4
6. Belarus 2 3 5 10
7. Ungarn 2 2 4
8. Deutschland 2 2
9. Ukraine 1 3 4 8
10. Türkei 1 1 2
11. Bahrain 1 1
Kanada 1 1
Irland 1 1
Polen 1 1
Rumänien 1 1
16. Schweden 1 2 3
17. Nordkorea 1 1 2
Usbekistan 1 1 2
19. Finnland 1 1
Aserbaidschan 1 1
Italien 1 1
Mongolei 1 1
Kuba 1 1
24. Armenien 3 3
Moldawien 3 3
26. Griechenland 2 2
27. China 1 1
Niederlande 1 1
Norwegen 1 1
Sowjetunion 1 1
Vereintes Team1 1 1
UK 1 1
Kirgisistan 1 1

Olympia hat Pause, der Schwarze Medaillenspiegel ruht nie. Er zeigt das Ranking aller Nationen, denen in der Geschichte der Olympischen Spiele, ob Sommer oder Winter, Medaillen wegen Dopings aberkannt wurden. Es ist die pharmazeutische Tabelle, eine Statistik des Betrugs, eine Liste des Gifts, eine Hall of Shame.

Manche Betrüger erwischt es ganz schnell, während der Spiele. In Rio ließen sich det kirgisische Gewichtheber Isat Artykow und Serghei Tarnovschi, ein Kanufahrer aus Moldau, erwischen. Bei anderen dauert es sehr lange, bis man sie ertappt. Ihnen werden Nachtests zur Falle. Zuletzt etwa dem kasachischen zweifachen Olympiasieger im Gewichtheben, Ilja Ilin. Alleine seit Mitte Oktober wurden in 33 Fällen Athleten und Athletinnen ihre Medaillen von 2008 und 2012 aberkannt. Kasachstan ist neu im Schwarzen Medaillenspiegel und stieg vor allem "dank" seiner Gewichtheberinnen gleich auf Platz 3.

Seit den Spielen von Athen 2004 lagert das IOC tausende Urin- und Blutproben von vergangenen Spielen und testet sie teilweise Jahre später nach. Der Grund: Im Laufe der Zeit verfeinern sich die Analysemethoden. Die Wissenschaft entdeckt zum Beispiel neue Abbauprodukte. Das erleichtert die Jagd nach den Dopern. Man kann drauf wetten, dass auch der eine oder andere Gewinner von Rio irgendwann erwischt wird – und sei es in fünf oder zehn Jahren. Das Signal an die Sportler ist klar: Ihr dürft Euch nie sicher sein! Das Signal an die Fans: alle Angaben ohne Gewähr.


Mexiko City 1968 waren die ersten Spiele, bei denen das IOC Dopingtests durchführte. Die ersten, die ihre Trophäen wieder hergeben mussten, waren die Mitglieder des schwedischen Teams im Modernen Fünfkampf. Hans-Gunnar Liljenwall hatte 0,81 Promille Alkohol im Blut. Er gab an, zur Beruhigung zwei Bier getrunken zu haben.

Später ging es härter zu. Der Skilangläufer Johan Mühlegg, ein gebürtiger Deutscher, der für Spanien startete, durfte gleich drei Goldmedaillen von Salt Lake City 2002 zurückgeben. Er hatte Epo gespritzt, ein Medikament für Dialysepatienten. Eine ähnliche Bilanz konnte Russlands beste Apothekenkundin aufweisen, die Skilangläuferin Larissa Lasutina.

Auch Deutschland taucht auf. Die Mannschaft im Springreiten musste sich 2004 von Gold trennen, weil das Pferd des Fahnenträgers Ludger Beerbaum unerlaubt medikamentiert worden war. 2000 fand man beim siegreichen Ringer Alexander Leipold Nandrolon im Urin. Die DDR dopte indessen so clever, ihre Medaillen sind alle noch gültig.

Der amerikanischen Sprinterin Marion Jones wurden gleich alle fünf Medaillen von Sydney 2000 aberkannt, darunter drei goldene. Später musste sie wegen Meineids ins Gefängnis. Sie hat großen Anteil daran, dass die USA nicht nur den echten, sondern auch den Schwarzen Medaillenspiegel anführen. Allerdings nur, wenn man die Goldmedaillen (7) stark gewichtet. Russische Athleten liegen vorne bei der Zahl der Medaillen (26).

Es bleibt spannend. Das letzte Wort ist im Leistungssport nie gesprochen. Unser Schwarzer Medaillenspiegel wird ständig aktualisiert. Vermutlich wird es leider bald erneut Gelegenheit dazu geben.