Viele Fans halten die Bundesliga für langweilig. Der FC Bayern gewinnt ja alles. Manche wünschen sich, er würde einfach verschwinden, einfach gelöscht. 

Überspitzt gesagt, könnte dieser Wunsch bald in Erfüllung gehen. Lars Leuschner, Professor für bürgerliches Recht, Handels- und Gesellschaftsrecht an der Universität Osnabrück, hat beim Amtsgericht München angeregt, den FC Bayern München e. V. aus dem Vereinsregister zu löschen. "Wegen Rechtsformverfehlung", heißt es in seinem Schreiben an das Gericht vom 2. August, das ZEIT ONLINE vorliegt.

Nun, die Bayern-Hasser sollten sich keine Hoffnung machen, der FC Bayern wird den Spielbetrieb nicht einstellen müssen. Aber sollte das Gericht Leuschners Antrag entsprechen, steht der FC Bayern vor einem Problem. Und mit ihm der gesamte deutsche Profifußball. Denn Leuschner, dem Experten für Vereinsrecht, geht es nicht speziell um den FC Bayern, sondern um Grundsatzfragen: 

  • Welche Struktur muss ein Verein haben, der in Deutschland Profifußball spielt?
  • In welchem Umfang darf ein Verein wirtschaften, wie viel Geld darf er umsetzen, welchen Einfluss darf er auf seine Tochtergesellschaften nehmen?
  • Oder, denkt man ein bisschen weiter: Warum dürfen in Deutschland nur Vereine Fußball spielen? 

Der Witz ist: Die Chancen, dass das Gericht Leuschners Argumenten folgt, stehen gut. Sein Ausgangspunkt ist der Paragraf 21 des Bürgerlichen Gesetzbuchs. Demnach muss ein Verein stets einen ideellen Zweck verfolgen, darf allenfalls in einem untergeordneten Sinne Umsätze erwirtschaften – das sogenannte Nebentätigkeitsprivileg. Überschreitet er dies, kann er gelöscht werden. 

Der FC Bayern setzte im Geschäftsjahr 2015 fast eine halbe Milliarde Euro um, es besteht kein Zweifel, dass das mehr als eine Nebentätigkeit ist. Komplizierter wird die Sache, weil er, wie viele andere deutsche Fußballvereine, seine Profiabteilung in eine Kapitalgesellschaft ausgegliedert hat. An dieser Aktiengesellschaft hält der FC Bayern München e.V. allerdings noch immer 75,01 Prozent der Anteile. Dadurch hat er großen Einfluss auf die FC Bayern München AG. 

Deutliche Parallelen zum ADAC

In der Justiz ist umstritten, was daraus folgt. Der Bundesgerichtshof entschied 1982, dass Mutterverein und Tochtergesellschaften jeweils eigenständig sind. Darauf beruft sich das Präsidium des FC Bayern München e. V. "Wir halten den Antrag für unbegründet und sehen uns im Einklang mit dem höchstrichterlichen Urteil." Es hat eine ausführliche Stellungnahme bis zum 20. September angekündigt, der Frist, die das Amtsgericht dem Verein gesetzt hat.

Auch Leuschner, ein Bayern-Fan übrigens, stimmt dieser Sichtweise grundsätzlich zu. Er ist der Auffassung, dass Strukturen wie die des FC Bayern München eigentlich nicht zu beanstanden sind. Was ihn antreibt, ist, dass die meisten seiner Zunft das inzwischen anders sehen. "Es hat sich eine Rechtsauffassung entwickelt, die, würde man sie ernst nehmen, viele funktionierende Vereinsstrukturen vor kaum lösbare Probleme stellen würde." Leuschner stört sich an dieser Rechtsauffassung, mit seinem Antrag will er Klarheit schaffen.

Was er meint, verdeutlicht Leuschner mit einem Hinweis auf einen pikanten Präzedenzfall, den ADAC. Anfang 2014 wurde bekannt, dass der Automobilclub seine Preisverleihungen manipuliert hatte, zum Beispiel den Gelben Engel. Nach diesem Skandal sah er sich zu einer Strukturreform gedrängt. Der Verein hatte viel zu hohe Umsätze getätigt, um noch dem ideellen Zweck zu entsprechen. Um einer Löschung zu entgehen, beschloss die Hauptversammlung des ADAC im Mai 2016, dass der Verein seinen Einfluss auf seine Wirtschaftsdienste deutlich verringert. Leuschner spricht von einer "Entherrschung"