Böllerwerfer und andere Krawallmacher im Stadion haften für Geldstrafen, die Fußballvereine wegen ihres Fehlverhaltens zahlen müssen. Das hat der Bundesgerichtshof (BGH) entschieden. Die Karlsruher Richter urteilten, dass es zwischen den Verstößen gegen die Stadionordnung und den Verbandsstrafen des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) einen rechtlichen Zusammenhang gebe. Damit haben die Clubs von höchster Instanz die Möglichkeit bekommen, sich das Geld für die Strafen bei den Tätern zurückzuholen.

Geklagt hatte der 1. FC Köln. Der Verein musste 50.000 Euro Strafe zahlen und weitere 30.000 Euro in Gewalt-Prävention stecken, nachdem ein Anhänger im Februar 2014 bei einem Zweitliga-Heimspiel einen Knallkörper gezündet hatte. Der Böller verletzte sieben Zuschauer auf dem Unterrang. Der FC will von dem Werfer 30.000 Euro Schadenersatz. Das Oberlandesgericht Köln, das dies zunächst abgelehnt hatte, muss den Fall nun erneut verhandeln und entscheiden.

Die Entscheidung des BGH schaffe für den Club dringend benötigte Rechtssicherheit, sagte Thomas Schönig, Vorstandsbeauftragter für Fankultur und Sicherheit beim 1. FC Köln. Das Urteil sei "ein wichtiges Signal für die Sicherheit unserer Zuschauer, denn Störer müssen diese Regressforderungen als Folge ihres Fehlverhaltens künftig einkalkulieren".

Die Vereine können nun grundsätzlich Krawallmacher haftbar machen, wenn sie diese ermitteln. Dabei geht es um viel Geld. In der abgelaufenen Saison musste der VfL Wolfsburg mit 102.000 Euro die meisten Strafen bezahlen, gefolgt von Eintracht Frankfurt (95.000 Euro) und dem Hamburger SV (74.000 Euro). In der zweiten Liga wurden Eintracht Braunschweig (56.000 Euro) und Fortuna Düsseldorf (55.000 Euro) zu den meisten Strafen verurteilt, in der dritten Liga waren es der 1. FC Magdeburg (48.000 Euro), Hansa Rostock (46.000 Euro) und der Hallesche FC (32.500 Euro).

Fanverband zeigt sich enttäuscht

Auch Vereine, die keine Profimannschaften stellen, können Strafen der Verbände künftig weitergeben. Eine fünfstellige Summe trifft eine Privatperson sehr viel härter als einen Profiverein – wenn der Überführte überhaupt bezahlen kann. Mit dem Urteil sollen vor allem potenzielle Täter abgeschreckt werden.

Hannover 96 versucht das seit Längerem und teilweise auch mit Erfolg. Beim Europa-League-Spiel in Kopenhagen hatte 2011 ein 96-Anhänger Pyrofackeln entzündet, ein anderer war als Flitzer auffällig geworden. Die Uefa verhängte eine Strafe von 15.000 Euro gegen den damaligen Bundesligisten, der Club erhielt vor Gericht einmal 6.000 Euro und einmal 2.500 Euro von den Fans zurück. Als 2014 ein Fan beim Spiel gegen Wolfsburg einen Böller zündete, wurde Hannover zu einer Geldstrafe von 50.000 Euro verpflichtet und verklagte den Böllerwerfer auf 20.000 Euro Schadenersatz.

Der Fanverband Unsere Kurve zeigte sich enttäuscht von dem Urteil. Der Zusammenschluss kritisiert vor allem, dass zwischen den Strafen keine Unterschiede gemacht werden. "Wenn Leib und Leben zu Schaden kommen, müssen Täter ermittelt und bestraft werden", sagte einer der Sprecher, Rainer Vollmer. Ob dies für kontrolliert angezündete Pyrotechnik auch gilt, sei zu hinterfragen.