Die deutschen Gewichtheber und Ringer haben mit Entsetzen auf die Überlegungen von Bundesinnenminister Thomas de Maizière reagiert, dopingverseuchte Sportarten eventuell nicht mehr fördern zu wollen. Denis Kudla, Bronzegewinner von Rio de Janeiro, hält die Idee für absurd. "Es wäre schrecklich, dass wir dafür leiden müssen, wenn in anderen Länder gedopt wird", sagte Kudla.

In den östlichen Ringernationen sei Doping ein Problem. "Aber dafür können wir doch nichts", sagte Kudla und ergänzte: "Das Antidopingsystem ist nirgendwo so hart wie in Deutschland. Ich muss jeden Tag angeben, wo ich bin, zu welcher Uhrzeit. Sie können mich testen, wann sie wollen."

Am Mittwoch hatte de Maizière vorgestellt, wie er die Spitzensportförderung reformieren will. Er sieht unter anderem vor, dass potenzialorientierter gefördert werden soll. Im Klartext heißt das: Deutsche Sportler sollen wieder mehr Medaillen bei Olympischen Spielen gewinnen. Dazu sollen Sportarten und einzelne Sportler, die Chancen auf Erfolg haben, entsprechend gefördert werden. Andere könnten hingegen leer ausgehen.

In einem Interview mit der Süddeutschen Zeitung einen Tag später ergänzte der Minister, die Spitzensportförderung könnte auch mit der Dopingproblematik verknüpft werden. "Wenn eine Sportart strukturell dopingverseucht ist, habe ich Zweifel, ob wir diese Sportart mit Steuergeldern fördern sollten", hatte de Maizière gesagt.

Christian Baumgartner, der Präsident des Bundesverbandes Deutscher Gewichtheber, sagte: "Wenn eine Sportart 'verseucht' ist, dann liegt es auch daran, dass unsere Bundesregierung bislang nichts getan hat, um dies zu verhindern beziehungsweise die bekannten Probleme zu bearbeiten und zu lösen". Er sei "erstaunt über so ein hohes Maß an Unkenntnis und Dickfelligkeit".

Gute und böse Sportarten

Baumgartner sieht es als Aufgabe der Politik an, konsequenter im Kampf gegen weltweites Doping voranzugehen. Die Förderung einzustellen, hieße nichts anderes als: "Wir kapitulieren!" Das sei ein fatales Signal für die Jugend. "Sie muss denken: Sauber zu sein, das lohnt nicht", sagte Baumgartner. "Ich weiß nicht, was sich ein Innenminister bei solchen Aussagen denkt."

Falls die Bundesregierung künftig zwischen "guten und bösen Sportarten unterscheiden will, dann diskriminiert sie nicht nur die Leistungssportler in Deutschland, sondern auch die Hobby- und Freizeitsportler", sagte Baumgartner, der vom Deutschen Olympischen Sportbund (DOSB) "kurzfristig eine klare Aussage" erwartet.

Der Kampf gegen Doping im Gewichtheben geht allmählich voran. Bei den Nachtests von Proben der Olympischen Spiele in Peking und London sind bislang 47 positive Fälle aufgedeckt worden. Nationen, die drei oder mehr Dopingsünder hatten, werden für ein Jahr gesperrt. Das betrifft derzeit neun Länder.