Der Berliner Ruderclub: Eine weiße Villa, eine riesige Terrasse mit Blick über den kleinen und großen Wannsee. Im hundert Jahre alten Vereinshaus, innen mit dunklem Holz vertäfelt, spürt man die Tradition des Clubs. Mehr als hundert Boote liegen in seinem Bootshaus. Der Verein zählt mehr als 650 Mitglieder. Alles Männer. Frauen sind nicht erlaubt. 

"Viele unserer Mitglieder wollen beim Rudern unter sich sein", sagt Hartmann Kleiner, der erste Vorsitzende des BRC. Und außerdem: "In unserem alten Haus für eine Damenabteilung Duschen und Garderoben zu bauen, das wäre ein erheblicher Kostenaufwand", sagt Kleiner. Auf dem Parkplatz vor der Villa stehen Mercedes, Audis, BMWs.

Rudern ist ein Sport der Akademiker. An den englischen Universitäten Cambridge und Oxford sind die Ruderer das Aushängeschild. Jedes Jahr treten die beiden Unimannschaften im Boat Race gegeneinander auf der Themse an. Es rudern junge, männliche Akademiker. Rudern ist Elitenförderung.

Schon immer war es für Frauen schwer, Rudervereinen beizutreten. Rudern hatte sich Ende des 18. Jahrhunderts als Männersport etabliert. Der erste Ruderclub, der Hamburger und Germania Ruderclub, wurde 1836 gegründet und war ein reiner Männerruderverein. "Das war damals einfach so", sagt Kleiner. Die ersten Frauenrudervereine wurden in Deutschland erst Ende des 19. Jahrhunderts gegründet. 

"Was wollen die denn hier"

Hartmann Kleiner kann sich noch erinnern, wie er 1967 anfing zu rudern. Damals gab es für die Damen noch das Stilrudern. "Da sind die Damen an einer Terrasse vorbeigerudert, auf der Kampfrichter saßen", sagt er. Beurteilt wurde die Ästhetik und Eleganz. Eiskunstlaufen im Boot.

Der BRC schickte fünf Athleten zu den Olympischen Spielen nach Rio. Karl Schulze holte Gold im Doppelvierer, Andreas Kuffner Silber im Achter. Für den Spitzensport bietet der BRC alle Möglichkeiten, für den männlichen zumindest. Nur an einigen Wochentagen sieht man Frauen in Ruderbooten des BRC auf dem Wannsee. "Wir kooperieren mit Betriebssportgemeinschaften. Da sind auch Damen dabei", sagt Kleiner. Vereinsmitglieder bringen den Frauen mehrmals pro Woche das Rudern bei. Mitglied werden dürfen die Frauen jedoch nicht.

Nicht alle im Verein finden das gut. Die einen wollen mit der Zeit gehen, andere die Tradition wahren. "Was wollen die denn hier", waren die ersten Reaktionen, als die Frauen auf dem Gelände gesichtet wurden, sagt Kleiner. "Das ist unhöflich und der falsche Umgang." Die Stimmen seien jedoch leiser geworden.

Öffnung nach 179 Jahren

Andere Vereine sind ein bisschen weiter. Der Hamburger und Germania Ruderclub liegt an der Außenalster. Ein modernes, weißes Gebäude, viele Fenster. Während des Frühstücks blicken die Ruderer auf die Alster. Mitglieder nennen den Club nur "Der Club". Seit anderthalb Jahren werden auch Frauen aufgenommen. 179 Jahre hat das gedauert. Es passierte wohl nicht ganz freiwillig: Man erzählt sich in Hamburg, dass die Stadt behutsam auf die Entscheidung eingewirkt habe, da sie den Bau des neuen Vereinshauses mitfinanzierte.