ZEIT ONLINE: Herr Lüdemann, Sie haben nach 23 Jahren in der Deutschen Eishockey Liga und 1.197 Spielen, das ist Rekord, ihre Karriere bei den Kölner Haien beendet. Am Samstag bekommen Sie Ihr Abschiedsspiel. Wie fühlen Sie sich, wenn Sie morgens aufstehen?

Mirko Lüdemann: Besser als während meiner aktiven Zeit. Da hatte ich morgens schon das eine oder andere Wehwehchen.

ZEIT ONLINE: Wehwehchen?

Lüdemann: Ja. Je nachdem, ob ich am Knie oder an der Schulter einen Check abbekommen habe. Mal war auch eine Sehne angerissen. Dann war ich froh, trotz Schmerzen einschlafen zu können. Aber ich bin relativ verletzungsfrei durch meine Karriere gegangen.

ZEIT ONLINE: Ach ja?

Lüdemann: Na ja, ich hatte schon ein paar Nasenbrüche, Haarrisse im Knöchel, und die Schulter war gebrochen. Trotzdem bin ich gut durchgekommen. Ich hatte weder einen Kreuzbandriss, bei dem man acht Monate ausfällt, noch ist die Schulter komplett auseinandergeflogen.

ZEIT ONLINE: Wie war das mit der Schulter?

Lüdemann: Ach, das ist bei den Olympischen Spielen passiert, wurde aber nicht erkannt. Ich hatte zwei bis drei Monate Schmerzen und habe Tabletten genommen. Bei einer Computertomografie kam dann raus, dass die Schulter mal angebrochen gewesen sein muss. Da dachte ich mir: Ach, da kamen die Schmerzen her! Damals hat man das nicht gesehen. Und wenn da nichts ist, dann mach macht man eben weiter.

ZEIT ONLINE: Haben Sie den Puck schon mal ins Gesicht bekommen?

Lüdemann: Das passiert, klar. Es fängt an zu bluten, man fährt zur Bande, wird getackert, bekommt eine Tablette und dann geht's weiter. Meinen Kollegen Jörg Mayr hat es schon härter erwischt. Er hat das Ding auf den Mund bekommen, hat Zähne verloren, und der Kiefer war gebrochen. Das ist dann sehr unangenehm. Eigentlich müsste man so einem Puck, der ja aus Hartgummi besteht, ausweichen, wenn er einem entgegenkommt. Weil wir verrückt sind, werfen wir uns aber in die Schussbahn, damit er nicht ins Tor geht. 

ZEIT ONLINE:  Bei Ihnen sind die Zähne bisher verschont geblieben?

Lüdemann: Was den Puck angeht, ja. Mit dem Schläger wurden mir zwei Zähnen ausgeschlagen. Das gehört dazu.

ZEIT ONLINE: Hatten Sie auch im Alltag Schmerzen?

Lüdemann: Wenn es was Härteres war, gab es vor dem Frühstück ein, zwei Wochen lang jeweils eine Schmerztablette. Mit denen ging es. Sonst war ich im Alltag schon beeinträchtigt. Wenn ich Auto fahre, tut die Schulter weh. Hat man sich am Knöchel verletzt, geht man nicht zu Fuß einkaufen.

ZEIT ONLINE: Ich nehme an, man sollte als Eishockeyspieler robust sein.

Lüdemann: Das sollte man. Wenn es nötig ist, muss man auch zurückschlagen können. Eishockeyspielen ist ein Einstecken und Austeilen. Sinn und Zweck ist es ja, dem anderen etwas wehzutun. Dabei wird das Regelwerk auch ab und zu übertreten. Aber generell ist man recht frei, was die Attacken auf den Gegner angeht. Der Gegner kann schon zusammengefahren werden, wenn er nicht aufpasst.