Micheal Bennett ist stark. Über 1,90 Meter groß, weit über 100 Kilogramm schwer. Als Defensive End der Seattle Seahawks jagt er die Stars des Gegners, die Quarterbacks. Verläuft seine Hatz erfolgreich, zermalmt er sie wie eine Walze.

Doch Michael Bennett hat Probleme. Sein Zeh schmerzt seit zwei Jahren, spielen kann er nur mit Spritzen. Und Bennett stört sich an seinem Vertrag. Den unterschrieb er 2014 für vier Jahre und umgerechnet 25 Millionen Euro. Bennett will mehr verdienen, vor allem mehr Geld garantiert bekommen. Denn es handelt sich um ein Maximalgehalt, sicher hat er in der kommenden Saison bloß ein Viertel seines Lohns. Den Rest bekommt er nur, wenn er spielt.

Bennett ist einer von vielen Footballprofis, die sich unterbezahlt fühlen und für höhere Gehälter und bessere Arbeitsbedingungen streiten. Er führt den Kampf am lautesten. "Sie werden am besten beschützt und am besten bezahlt", sagte Bennett über seine Gegenspieler, die Quarterbacks. "Trotzdem wimmern sie, wenn man sie und ihre Beine erwischt. Ich frage mich: Warum sollten ihre Beine mehr wert sein als meine?"

Auf Instagram schrieb er unter ein Bild mit seinen Töchtern: "Drei Hochzeiten zu zahlen." Im Training kam es zu zwei öffentlichkeitswirksamen Rangeleien mit Mitspielern. Fans und Journalisten fürchteten, dass er streikt, einen Teamwechsel provoziert oder Spiele mit Absicht verpasst.

Für Millionen Fans auf dem Globus beginnt in der Nacht zum Freitag die fünfte Jahreszeit. Die Saison der National Football League (NFL) beginnt. Sie zählt zu den spektakulärsten und reichsten Ligen der Welt. Hört man NFL, denkt man an Glamour und Superstars wie Tom Brady. Daher mag Bennett wie eine raffgierige Gestalt aus einer Scheinwelt wirken. Doch wer das sagt, übersieht: Die NFL ist vor allem ein knallhartes Business. Misst man sie an europäischen Standards und ihren finanziellen Möglichkeiten, kann man sie auch als die unsozialste Sportliga der Welt bezeichnen.

Hohe Arbeitslosigkeit

Es gibt noch mehr Spieler, die trotz Millionendeals mehr verlangen. Joey Bosa, dritthöchste Draftauswahl im Frühjahr, weigerte sich, einen hoch dotierten Einstiegsvertrag in San Diego zu unterschreiben. Sein Team, die Chargers, bestand sowohl auf einer Vertragsauflösungsklausel, als auch auf einer verzögerten Auszahlung des Handgelds. Eine harte und seit Jahren nicht mehr gängige Praxis in Verhandlungen mit Talenten. Eine Verletzung in seinem ersten Karrierejahr und der Collegestar könnte vor dem Nichts stehen. Der wichtigste deutschsprachige NFL-Blogger schrieb: "Bosa kommt sich zurecht verarscht vor."

Die Probleme der Spieler sind vielschichtig: Footballverträge sind anders gestaffelt als die Arbeitspapiere im Basketball, Eishockey oder europäischen Fußball. Ein 50-Millionen-Vertrag ist nicht automatisch ein 50-Millionen-Vertrag, das gilt auch für kleinere Summen. Verletzt sich ein Spieler, erwischt er eine formschwache Phase oder braucht das Team schlicht Geld für einen anderen Spieler, stehen viele auf der Straße.

Dort stehen ohnehin schon viele. Von den 90 Spielern in jedem der zweiunddreißig Teams, die im Sommer die Vorbereitungen begannen, sind nur noch je 53 übrig. Jeweils nur 10 schafften es in die so genannten Practice Squads, in dem die Spieler 6.000 Euro in der Woche verdienen und nur am Training teilnehmen. Zu den fast tausend Sportlern, die in den vergangenen Wochen auf diese Art arbeitslos wurden, gehören auch die Deutschen Markus Kuhn und Björn Werner. Die vielen Veteranen, die nicht mehr zu den Sommertrainings eingeladen waren, sind nicht mal eingerechnet. Eine Alternative gibt es selten, da es auf der Welt nur wenige andere Profiligen im Football gibt.