Ein wichtiges Kapitel der Geschichte deutscher Demokratie trug sich in Wilhelmshaven zu. In der kleinen Hafenstadt an der Nordsee meuterten im Oktober 1918 Seeleute, die nicht gegen die Engländer in den Tod geschickt werden wollten. Ihr Widerstand führte zum Kieler Matrosenaufstand, zum Ende des Ersten Weltkriegs, zur Gründung der Weimarer Republik.

Ganz so bedeutend ist der neueste Protest aus Wilhelmshaven nicht, es geht nur um Fußball. Aber immerhin hat der Fußballverein Wilhelmshavens dem DFB und der Fifa vor Gericht eine schwere Niederlage beigebracht. Klein besiegt Groß und das tut Groß weh.

Es stand viel auf dem Spiel bei dem acht Jahre langen Rechtsstreit, den der Bundesgerichtshof an diesem Dienstag zu Gunsten des Bezirksligisten beendete. Die Fifa drohte dem DFB sogar zwischenzeitlich damit, Deutschland von der WM auszuschließen (pdf). Im Kern ging es um die Frage, ob der ehemalige Drittligist SV Wilhelmshaven für einen Fußballer eine sogenannte Ausbildungsentschädigung zahlen muss. Und ob der DFB die Wilhelmshavener, nachdem die sich weigerten, dafür mit Geldbußen und Zwangsabstieg bestrafen darf, bloß weil die Fifa das so will.

In einem tieferen Sinne prüfte das Gericht auch das Selbstverständnis der großen Fußballverbände. In diesem Punkt kam es zu einem vernichtenden Urteil, man kann die Pressemitteilung des BGH auch so lesen: Fifa und DFB regieren arrogant, bürokratisch, kühl, ohne Rücksicht auf das Recht der Vereine, vor allem amateurhaft.

Eine Schadenersatzklage dürfte folgen

Die Hintergründe des Falls sind facettenreich: Der SVW hatte sich geweigert, für seinen früheren Spieler Sergio Sagarzazu eine Ausbildungsentschädigung von 157.500 Euro an zwei argentinische Clubs zu zahlen. Gemäß Fifa-Statuten müssen Vereine, die Spieler in der Jugend ausgebildet haben, vom neuen Verein pauschal entschädigt werden. Nach Darstellung der Fifa soll sie gute Nachwuchsförderung belohnen.

Der DFB und sein Landesverband Norddeutscher Fußballverband (NFV) schlossen sich der Forderung widerspruchslos an. Wilhelmshaven beschwerte sich, bot Kompromisse an, zahlte nicht. Zur Strafe ordnete die Fifa 2012 den Zwangsabstieg an. Der DFB gehorchte. Der Verein flog zum Ende der Saison 2013/14 aus der Regionalliga Nord. Inzwischen stieg er noch mal ab und kickt nun in der Siebten Liga.

Wilhelmshaven klagte, erstmals 2009. Sportgerichte entschieden zunächst für die Verbände, ein Zivilgericht schloss sich ihnen an. Doch der SVW gab nicht auf. 2014 gab das Oberlandesgericht Bremen dem Verein recht. Der BGH bestätigte das Urteil in letzter Instanz. Nun dürfte der Verein eine Schadenersatzklage vorbereiten. Er hat sogar den Antrag angekündigt, in die Regionalliga wiederaufgenommen zu werden.