Der Ex-Regionalligaverein SV Wilhelmshaven geht aus dem jahrelangen Machtkampf mit den großen Fußballverbänden als Sieger hervor. Der Bundesgerichtshof (BGH) erklärte am Dienstag den 2012 von der Fifa verhängten Zwangsabstieg des Provinzclubs aus der Regionalliga für unwirksam. Die Satzung des Norddeutschen Fußball-Verbands (NFV), der den Abstieg vollstreckt hatte, biete dafür keine ausreichende Grundlage, urteilte das Gericht. Wilhelmshaven will jetzt die Wiedereingliederung in die Regionalliga und Entschädigung für den finanziellen Schaden. "David schlägt Goliath", kommentierte der Verein auf seiner Facebook-Seite.

Das Urteil könnte auch andere Verbände zwingen, ihre Satzungen rechtlich unanfechtbar zu machen. Denn im Kern ging es um die Frage, ob der Verein den Abstieg hinnehmen musste, obwohl er kein Mitglied im Deutschen Fußball-Bund (DFB) war. Der Club hatte sich geweigert, für einen früheren Spieler eine nach den Fifa-Regularien fällige Ausbildungsentschädigung zu zahlen, insgesamt 157.500 Euro. Zahlen sollte der Verein an zwei argentinische Fußballclubs, weil er 2007 den Nachwuchsspieler Sergio Sagarzazus verpflichtet hatte. Zur Strafe ordnete die Fifa 2012 den Zwangsabstieg an, der SV Wilhelmshaven flog zum Ende der Saison 2013/14 aus der Regionalliga Nord.

Gemäß Fifa-Statuten müssen Vereine, die Spieler in der Jugend ausgebildet haben, vom neuen Verein pauschal entschädigt werden. Ein Bundesligist muss zum Beispiel 90.000 Euro pro Ausbildungsjahr zahlen, ein Regionalligist immerhin 30.000. Diese Regel soll gute Nachwuchsförderung belohnen.

Zuvor war der Club schon vor den internationalen Sportgerichtshof CAS gezogen, aber ohne Erfolg. Als der Norddeutsche Fußballverband die Strafmaßnahmen durchsetzen wollte, wandte sich der SV an das Bremer Zivilgericht – ebenfalls vergeblich, das Landgericht Bremen wies die Klage des SV Wilhelmshaven im Jahr 2014 ab. Dass der DFB über diesen Regionalverband die Entscheidungen der Fifa vollstrecke, sei nicht zu beanstanden, urteilte das Gericht. Auch Entscheidungen des CAS seien für den Club verbindlich, weil sich der Verein bereits selbst an den Sportgerichtshof gewandt hatte. Die Wilhelmshavener hatten damals bereits vor der Verhandlung angekündigt, Berufung einzulegen, falls sie verlieren sollten.