Die Bürgermeisterin der italienischen Hauptstadt, Virginia Raggi, hat eine Bewerbung Roms für die Olympischen Sommerspiele 2024 abgelehnt. "Es ist unverantwortlich, Ja zu dieser Kandidatur zu sagen", sagte Raggi. Rom hatte sich zuvor für Olympia beworben – jetzt gibt es allerdings kaum noch Chancen, die Bewerbung aufrecht zu erhalten. 

Der Präsident des Nationalen Olympischen Komitees Italiens (Coni), Giovannì Malagò, sagte, er nehme das Nein von Raggi zur Kenntnis. Dennoch: "Wir werden weitermachen bis zum formalen Aus. Die Stadt und der Stadtrat müssen die Verantwortung für den Beschluss übernehmen." Zudem warf er Raggi vor, falsche Zahlen zu den Olympia-Kosten zu verbreiten. Zuvor hatte Malagò gesagt, ein Nein der Bürgermeisterin würde das Ende aller Olympia-Träume in Italien für viele Jahre bedeuten.

Schon die Bewerbung Roms für die Olympischen Spiele 2020 war gescheitert. Der damalige Regierungschef Mario Monti hatte die Kandidatur wegen der Finanzkrise zurückgezogen. Zuletzt war Rom 1960 Gastgeber der Sommerspiele. In Cortina d'Ampezzo 1956 und in Turin 2006 fanden Winterspiele statt.

Ihre Ablehnung der Olympia-Bewerbung in diesem Jahr begründet Raggi mit den hohen Kosten der Spiele und der gleichzeitigen schlechten wirtschaftlichen Situation Roms. "Olympische Spiele sind ein Traum, die sich an einem gewissen Punkt in einen Alptraum verwandeln", sagte die römische Bürgermeisterin. Die Kosten für die Spiele seien stets viel höher als zuvor geschätzt. Olympia bedeute daher Schulden und später nutzlose Sportanlagen in der Stadt. "Ein gutes Geschäft für die Lobby, nur Schulden für die Bürger", urteilte Raggi. Daher: "Wir nehmen keine weitere Hypothek auf die Zukunft Roms und Italiens auf." Formal müsse nun noch Roms Stadtrat über die Bewerbung entscheiden.

Übrig bleiben noch Los Angeles, Paris und Budapest

Mit ihrem Urteil sei sie nicht alleine, sagte Raggi. Tatsächlich haben bereits Hamburg und Boston ihre Bewerbung beim Internationalen Olympischen Komitee (IOC) zurückgezogen, das im September 2017 den Gastgeber der nächsten Olympischen Spiele bestimmt. Hamburg hatte seine Kandidatur 2015 nach einem Referendum aufgegeben, in dem die Bürger mehrheitlich gegen die Bewerbung stimmten. Auch Boston zog seine Bewerbung zurück und wurde durch Los Angeles ersetzt.

Sollte Rom aus dem Bewerbungsprozess ausscheiden, blieben noch drei Bewerber für Olympia 2024 übrig: Los Angeles, Paris und Budapest. Während in Los Angeles bislang keine schwerwiegende Kritik an der Bewerbung aufgekommen ist und die Pariser Bevölkerung laut Umfragen mehrheitlich für die Großveranstaltung ist, könnte es in Budapest theoretisch noch zu einer Volksabstimmung kommen. Der ungarischen Hauptstadt räumen Experten aber ohnehin nur Außenseiterchancen ein.

Das Image des IOC ist angeschlagen: Nicht nur für die Sommerspiele, auch für die Winterspiele 2022 haben zahlreiche Städte ihre Kandidatur bereits zurückgezogen. München, Graubünden, Stockholm und Oslo gaben vorzeitig auf. Ein Grund dafür sind die hohen Kosten der Winterspiele im russischen Sotchi 2014. Die sportliche Großveranstaltung kostete 51 Milliarden Dollar.