Es war schon mal leichter, an Dennis Schröder heranzukommen: Im noblen Festsaal des W-Hotels in Atlanta-Buckhead drängen sich fast alle anwesenden Journalisten um den jungen deutschen Basketballnationalspieler. Während viele seiner Teamkollegen auf den im Raum verteilten Barhockern etwas verloren wirken, sitzt Schröder inmitten einer Menschentraube und beantwortet Frage auf Frage. Schröder ist in Atlanta der Spieler, auf den man vor dem Saisonstart am meisten achtet.

In der Nacht auf den Mittwoch eröffnet der amtierende Meister Cleveland Cavaliers gegen die New York Knicks die neue NBA-Saison. Schröders Atlanta Hawks spielen dann am Freitagmorgen um 01:30 Uhr (MESZ) gegen die Washington Wizards ihr erstes Spiel und für den Braunschweiger beginnt die aufregendste Saison seiner bisherigen Karriere.

Auf diesen Moment hat der 23-Jährige lange hingearbeitet. Nach drei Jahren als Ersatzspielmacher hinter All-Star Jeff Teague ist Schröder nun erste Wahl. Point Guard, Spielmacher und Anführer. "Ich habe immer gesagt, dass ich irgendwann in der Starting Five spielen will und es ist für mich eine große Ehre, dass mir jetzt so viel Vertrauen gegeben wird" sagt der Sohn eines deutschen Vaters und einer gambischen Mutter. An Zuversicht hat es ihm noch nie gefehlt: "Ich will mich immer weiterentwickeln und irgendwann All-Star werden."

Schröder will sich dort einreihen, wo der mittlerweile 38-jährige Dirk Nowitzki langsam austrudelt: Er will der nächste einflussreiche deutsche Basketballer in der stärksten Liga der Welt werden. In Deutschland ist Schröder durch sein großes Selbstvertrauen immer wieder angeeckt. Zuletzt während der Europameisterschaft im vergangenen Jahr, als er nach einem verlorenen Spiel Bundestrainer Chris Fleming öffentlich kritisierte. Doch diese Attitüde spiegelt sich auch in seiner Spielweise wider und hat ihn letztlich dahin gebracht, wo er jetzt steht.

In der Südstaaten-Metropole fallen die Begriffe "neuer Anführer" oder "Schröders Herrschaft" wenn über den Deutschen geschrieben wird. Ebenso deutet es der Satz "keys to the franchise" an. Es ist so, als hätte man ihm den Schlüsselbund gereicht, mit dem Schröder die volle Kontrolle über die Mannschaft innehat.

Schröder soll aber nicht nur Spielgestalter und Leistungsträger werden, sondern auch das Gesicht des Vereins. Der Deutsche hat sich stetig weiterentwickelt und ist mittlerweile einfach zu gut für die Bank. Schon im letzten Jahr streckten andere Teams die Fühler nach ihm aus, doch Trainer Mike Budenholzer betonte stets, wie viel er von Schröder hält. Die Entscheidung, sich vom altgedienten Leistungsträger Teague zu trennen und dafür den jungen Deutschen zu befördern, kam somit nicht ganz überraschend.

Die Aufgabe in Atlanta ist aber keine einfache, denn gut waren die Hawks auch in den letzten Jahren schon – nur eben nicht gut genug. Zweimal in Folge endete die Saison in den Playoffs mit einer klaren Pleite gegen die Cleveland Cavaliers um Superstar Lebron James. Der Abstand zu den Topteams wie den Cleveland Cavaliers oder den Golden State Warriors ist noch groß.