Joachim Löw hat am Ball nichts verlernt. Die Hände in den Hosentaschen, den Schal um den Hals, das Bein in der Waagerechten, stoppte er ihn hinterm Rücken mit der Hacke. Die Zuschauer raunten und applaudierten dem Mann in der Coaching Zone, der sein 140. Spiel als Trainer für Deutschland feierte und damit Helmut Schön, einen seiner Vorgänger, überholte.

Das WM-Qualifikationsspiel gegen Tschechien war ein Abend der Eleganz und der guten Laune. Das Hamburger Publikum, eigentlich eher für Miesepetrigkeit bekannt, gab sich ausgelassen begeistert. Waren deutsche Länderspiele seit dem WM-Titelgewinn vor zwei Jahren ein oft karges Vergnügen, erlebten sie die Elf über die gesamte Dauer spielfreudig wie lange nicht. Das 1:0 und das 3:0 von Thomas Müller fielen nach Ballstafetten, an denen der katzenhafte Mesut Özil seine Pfötchen im Spiel hatte. Das 2:0 war ein feiner Fernschuss von Toni Kroos.

Die deutsche Mannschaft erspielte sich noch einige Chancen mehr. Mario Götze war in die Kombinationen eingebunden, die beiden Außenverteidiger Jonas Hector und Joshua Kimmich entpuppten sich als Flügelstürmer, beide bereiteten ein Tor vor. Vor allem die langen, präzisen Pässe von Mats Hummels und Jérôme Boateng waren stets zu lang und präzise für die Abwehrspieler. Es war, als hätte Deutschland zwei Beckenbauer auf dem Feld.

Es blieb Zeit für die B-Note. Kroos und Boateng kopierten die Hackentricks ihres Trainers. Julian Draxler drehte eine Pirouette. İlkay Gündoğan, der zu seinem Comeback eingewechselte wurde, versuchte es mit Lupfern auf den ebenfalls eingewechselten Benedikt Höwedes. Selbst Deutschlands defensivster Fußballer im Kader wollte unbedingt ein Tor schießen.

Es gibt wieder Kleine im Fußball

Es war eine klare Sache; gleiches gilt wohl, das lässt sich jetzt schon sagen, für die gesamte Qualifikation. Das liegt daran, dass die Nationalelf ihre Aufgabe meist ernst nimmt, "seriös", wie Müller nach dem Spiel sagte. Es hat aber auch einen anderen Grund: Berti Vogts und Rudi Völler, zwei weitere Vorgänger Löws, haben nicht mehr recht. Sie hatten nach schlechten Ergebnissen gegen Außenseiter die geflügelten Worte gesprochen: Es gibt keine Kleinen mehr im Fußball.

Nun, es gibt sehr wohl Kleine. Dazu zählen die Tschechen, der deutsche Finalgegner der EM 1996 und die beste Mannschaft der EM 2004, als sie mit einer Reserve die Deutschen aus dem Turnier warfen und Völlers Trainerkarriere beendeten. Inzwischen ist Tschechien, obwohl der wohl stärkste Gruppengegner, kein Gegner mehr für die Deutschen. Er ist auf allen Positionen unterlegen, selbst eine deutsche B-Elf hätte wohl keine großen Probleme.

Genau wie die Norweger, die beim 0:3 vor fünf Wochen, dem ersten Spiel, ohne Chance waren. Auch die waren mal gut, in den Neunzigern schlugen sie sogar Brasilien bei der WM. Auch Nordirland, der Gegner vom kommenden Dienstag, wird den Deutschen wohl nur hinterherrennen und -schauen. Wie bei der EM im Sommer, auch wenn das Ergebnis (1:0) knapp klang.