Der frühere bayerische Ministerpräsident Edmund Stoiber, Mitglied im Aufsichtsrat des FC Bayern, spricht im Interview mit der ZEIT erstmals ausführlich über die Rückkehr seines Freundes Uli Hoeneß, der auf der Mitgliederversammlung des Vereins an diesem Freitag erneut zum Präsidenten gewählt werden soll. Stoiber geht sogar davon aus, dass der frühere Clubpräsident auch an die Spitze des Kontrollgremiums zurückkehren wird und mahnt: "Aber es wird nun die Aufgabe der beiden Großen sein, Rummenigge als Vorstandsvorsitzenden und Hoeneß wohl als Präsidenten und Vorsitzenden des Aufsichtsrates, den gemeinsamen Weg weiterzugehen."

Im März 2014 war Hoeneß wegen Steuerhinterziehung von fast 30 Millionen Euro zu dreieinhalb Jahren Haft verurteilt worden. Nur einen Tag später trat er von seinen Ämtern als Präsident und Aufsichtsratschef zurück. Im Juni 2014 trat er dann seine Haftstrafe an und wurde bereits Anfang 2015 Freigänger. Seitdem arbeitete Hoeneß tagsüber in der Jugendabteilung des FC Bayern und wurde schließlich Ende Februar aufgrund einer selten angewandten Halbstrafenregelung bereits nach 21 Monaten auf Bewährung entlassen.

Stoiber zufolge machte Hoeneß im Gefängnis viele prägende Erfahrungen, beispielsweise durch dessen Arbeit in der Kleiderkammer der Haftanstalt. "Und, da können Sie jetzt lachen, aber so ist halt Uli Hoeneß, da hat er für die neu ankommenden Häftlinge noch nicht gebrauchte Kleider ausgesucht. Das war für ihn ein tief sitzender Impuls, er konnte anderen ein bisschen helfen", sagte Stoiber der ZEIT.

Hoeneß, so Stoiber weiter, sei ein Ansprechpartner für viele Mithäftlinge gewesen. "Sicher geht eine Haftzeit von einem Jahr und acht Monaten an einem Menschen nicht spurlos vorbei. Die Begegnungen im Gefängnis haben ihm einen Einblick in fürchterliche Lebensläufe gegeben. Da steht dann plötzlich ein Kindermörder neben dir auf dem Gefängnishof."

Stoiber hofft auf eine gesellschaftliche Entwicklung über den Einzelfall hinaus. "Es wäre gut, wenn durch Uli Hoeneß' Rückkehr der Anspruch auf Resozialisierung sichtbarer würde", sagte er der Wochenzeitung. "Vielleicht wird die Rückkehr auch vielen anderen Leuten, die gestrauchelt sind, eine zweite Chance geben."