Nico Rosberg züchtet lieber im Gärtchen Gemüse, als mit den Schönen und Angesagten zu feiern. Zwischen zwei Rennen verbringt er lieber eine Woche mit seiner Familie, als zwischendurch einmal kurz in die USA zu jetten und sich mit Hollywood-Stars zu treffen, wie Lewis Hamilton das tut. Daher halten manche Rosberg für glanzlos.

Glänzend verlief dagegen seine Saison und sie könnte noch heller strahlen. An diesem Wochenende könnte Rosberg in Abu Dhabi der dritte deutsche Weltmeister in der Geschichte der Formel 1 werden, nach Michael Schumacher und Sebastian Vettel. Ein dritter Platz genügt Rosberg, selbst wenn Lewis Hamilton gewinnen sollte. Aber nur "auf Platz" fahren, "das will ich nicht. Ich werde voll angreifen", sagt der Mercedes-Pilot Rosberg, "ich möchte hier noch einmal meine allerbeste Leistung zeigen, die Saison mit einem Sieg abschließen."

Wohl auch, um die Kritiker verstummen zu lassen. Denn von den deutschen Top-Piloten ist Rosberg sicherlich derjenige, der es am schwersten hat, unter den Formel-1-Fans, aber auch in der Öffentlichkeit, die verdiente Anerkennung zu bekommen.

Weil er der Sohn des früheren Weltmeisters Keke Rosberg ist, in Monaco aufwuchs, Top-Schulen besuchte und auch einmal über ein Aeronautik-Studium nachdachte, sehen ihn viele als Wohlstandskind ohne den nötigen Biss für die Formel 1. Schon immer wehrte er sich gegen solche Vorwürfe, mit nichts kann und konnte man Nico Rosberg während seiner Karriere schneller auf die Palme bringen als mit dem Hinweis, er sei doch derjenige, der mit dem goldenen Löffel im Mund zur Welt gekommen sei.

Sicher, sein Start war einfacher, auch die Verbindungen des Vaters halfen natürlich. Andererseits hatte Rosberg gerade deshalb viele Schwierigkeiten zu überwinden, um von der Motorsportwelt auch wegen seines Talents akzeptiert zu werden. Pikant an der Situation zwischen ihm und seinem Dauerrivalen Lewis Hamilton, der auch für Mercedes fährt, ist ja, dass es die Familie Rosberg war, in der das Einwandererkind Hamilton, aus sehr einfachen Verhältnissen kommend, zum ersten Mal einen Eindruck davon bekam, was die große Welt sein kann. In jener Zeit, als die beiden als Teenager zusammen im gleichen Team im Kart unterwegs waren.

Hamilton braucht die Glitzerwelt, Rosberg nicht

Vielleicht ist es gerade die unterschiedliche Herkunft, die die Unterschiede zwischen beiden erklärt. Hamilton braucht die Selbstdarstellung, die Dauerpräsenz in den sozialen Medien, die große Glitzerwelt auch außerhalb der Formel 1. Weil er etwas kompensieren muss, was bei Rosberg von Anfang an immer da war: ein gesichertes Umfeld, eine intakte Familie mit dem finnischen Vater Keke und der deutschen Mutter Sina, gesellschaftliche Anerkennung, das Wissen, "dazuzugehören."

Die große Öffentlichkeit braucht Rosberg nicht. Dabei kann er sich in ihr bestens präsentieren, in fünf Sprachen fließend parlierend – wenn auch nicht auf Finnisch, die Muttersprache seines Vaters hat er nie gelernt. Aber die Familie mit seiner Frau Vivian und der einjährigen Tochter Alaia ist ihm viel wichtiger. So verbringen die Rosbergs ihre Zeit am liebsten zurückgezogen, entweder in Monaco oder im Sommer oft auf Ibiza, wo ja auch Vater Keke immer noch zumindest halb zu Hause ist. Vivian besitzt dort eine Eisdiele.