Eine völlig neu zusammengestellte deutsche Fußballnationalmannschaft hat sich gegen Italien ein respektables 0:0-Unentschieden erspielt. Das Team von Trainer Joachim Löw verpasste vor 48.600 Fans im Mailander Giuseppe-Meazza-Stadion den dritten Sieg in diesem Jahr gegen die Azzurri.

Mit viel Einsatz und am Ende ein wenig Glück blieb die DFB-Elf aber auch im sechsten Spiel der Saison und damit dem letzten in diesem Jahr ohne Gegentor. Der Neuaufbau nach der EM, bei dem zahlreiche Nachwuchskräfte ihre Chance bekamen, ist Bundestrainer Joachim Löw gelungen. 

Der Bundestrainer selbst zeigte sich nach Spielende ebenfalls zufrieden. "Taktisch haben wir das über weite Strecken sehr gut gemacht", sagte er in der ARD und sprach von "wichtigen Erkenntnissen und Aufschlüssen". In der Nachspielzeit wäre der DFB-Elf fast noch ein Tor gelungen: Ein Kopfball von Benedikt Höwedes ging aber knapp vorbei (90.+2).

"Man kann absolut zufrieden sein. Das sechste Spiel zu null kann man auch mal hervorheben", sagte Löw. "Insgesamt muss ich den Jungs ein Kompliment machen, wir haben eine gute Truppe und ich bin stolz, dass ich sie aufs Feld führen durfte", sagte Müller und sprach von "zwei unterschiedlichen Halbzeiten". "Das war ganz ordentlich, insgesamt geht das 0:0 absolut in Ordnung", sagte Höwedes.

Zuvor stand vor allem Aushilfskapitän Thomas Müller im Mittelpunkt der Partie. Nach dem 8:0-Sieg in der WM-Qualifikation gegen San Marino hatte er gesagt: "Mit professionellem Fußball hatte das nichts zu tun." Dafür wurde er nun permanent ausgepfiffen. Bei der Nationalhymne bekam die ganze Mannschaft erst nach demonstrativem Klatschen der Gegner vereinzelten Applaus, zuvor gellten Pfiffe durchs Rund.

Sportlich lief es für Müller im Klassiker gegen Italien  ̶  wie zuletzt schon mehrfach  ̶  eher unglücklich. Nach einer Vorlage des Schalkers Leon Goretzka hatte der Bayern-Stürmer in der 44. Minute die beste Chance. Mit der Hacke blockte Leonardo Bonucci den Schuss noch ab. Ohne Torerfolg wurde der 27-Jährige nach einer Stunde ausgewechselt. 

Hohe Intensität auf beiden Seiten

In Löws ungewöhnlicher Aufstellung stand Müller anfangs als einzige echte Offensivkraft auf dem Platz. Auf Mario Götze und den zuletzt leicht angeschlagenen Mario Gómez verzichtete der Bundestrainer zunächst. Yannick Gerhardt vom VfL Wolfsburg nahm bei seinem Debüt im DFB-Trikot eine recht offensive Rolle ein und hatte auch nach zwölf Minuten die erste große Chance der Partie, die jedoch von Italiens Torwart-Routinier Gianluigi Buffon gestoppt wurde.

 Im Gegensatz zu dem leichten Sieg gegen San Marino entwickelte sich im altehrwürdigen Giuseppe-Meazza-Stadion von Beginn an ein intensives und aggressives Spiel mit hohem Tempo und zahlreichen Offensivszenen. Auch wenn sich beide Teams von den Mannschaften des Elfmeterspektakels bei der Europameisterschaft erheblich unterschieden, merkte man von Beginn an den unbedingten Siegeswillen auf beiden Seiten.

In der zweiten Halbzeit wurde der Offensivdrang der Italiener größer. Die motivierten Gastgeber erhöhten nun den Druck auf das Tor von Bernd Leno. Löw wechselte weitere Spieler der kommenden jüngeren Generation wie Jonathan Tah oder den gegen San Marino dreimal erfolgreichen Serge Gnabry von Werder Bremen ein. Das Kombinationsspiel litt darunter merklich, eine wirkliche Gefahr für die Italiener ging von den Deutschen nicht aus. Andrea Belotti forderte in der 55. Minute nach einem Laufduell mit Tah Elfmeter, den der portugiesische Schiedsrichter Artur Soares Dias aber nicht gab.

Der für Müller ins Spiel gekommene Kevin Volland, ebenfalls Bayer Leverkusen, lenkte wenig später den Ball nach einer Flanke von Joshua Kimmich ins Netz, stand dabei aber wohl ganz knapp im Abseits (63.). In der Folge hielt Leno gegen den eingewechselten Federico Bernardeschi (71.), Immobile schoss knapp vorbei (74.). Die beste Möglichkeit vergab Belotti, der sich gegen Mustafi durchsetzte und aus elf Metern an den Pfosten schoss (82.). 

In der Nachspielzeit wäre der DFB-Elf fast noch ein Tor gelungen, ein Kopfball von Benedikt Höwedes ging aber knapp vorbei (90.+2). Insgesamt sahen die Zuschauer trotz der fehlenden Tore ein sehr unterhaltsames Spiel. Die neu formierte deutsche Elf versuchte im 35. Duell der beiden viermaligen Weltmeister, mit spielerischen Mitteln den Gegner zu überraschen, zum Sieg reichte es jedoch nicht.