Schach-WM - Entscheidung zwischen Carlsen und Karjakin am Mittwoch Bereits zum zehnten Mal stand es unentschieden nach der Partie zwischen Herausforderer Karjakin und Titelverteidiger Carlsen. Das Finale wird an Carlsens Geburtstag ausgetragen. © Foto: Richard Drew/AP

Schach ist ein altes Spiel, dessen Urversion schon im 6. Jahrhundert gespielt wurde. Selbst die heutige Form wird schon seit Jahrhunderten gespielt. Dabei spielte die Zeit beim Spielen selbst lange keine Rolle. Eine Partie dauerte so lange, wie sie eben dauerte. Erst seit dem Ende des 19. Jahrhunderts ist es üblich, dass beiden Spielern nur ein gewisses Zeitkonto für ihre Züge zur Verfügung steht. Wer überzieht, verliert.

Die Weltmeisterschaft läuft seit gut drei Wochen, am Mittwoch kommt es in New York zur Verlängerung. Magnus Carlsen und Sergej Karjakin haben fast immer Remis gespielt, doch nun muss ein Sieger her. In der entscheidenden Runde (ZEIT ONLINE bloggt ab 19.30 Uhr live) spielen sie Tiebreak, eine Mischung aus Schnell- und Blitzschach. Und da rennt den Spielern die Zeit davon. Es kommt auf Tempo an.

In jeder der bisherigen zwölf WM-Partien hatten Carlsen und Karjakin mehrere Stunden Bedenkzeit zur Verfügung. Das Zeitkonto jedes Spielers betrug zu Beginn 100 Minuten, für jeden Zug erhielten sie Gutschriften, nach 40 und 60 Zügen gab es Boni. Die umkämpfte dritte Partie beispielsweise dauerte fast sieben Stunden. Sie endete remis, wie neun andere auch. Carlsen und Karjakin gewannen jeweils nur ein Mal, so steht es 6:6.

Die Regeln (pdf) sind dieselben wie beim WM-Kampf 2012, als es zuletzt zu einem Tiebreak kam. Er beginnt mit vier Schnellschach-Partien. Jeder der Spieler hat zweimal Weiß und zweimal Schwarz, pro Partie und Spieler gibt es 25 Minuten Bedenkzeit mit zehn Bonussekunden pro Zug. Steht es nach diesen vier Partien 2:2, ist also noch immer kein Gewinner ermittelt, folgt der Wechsel vom Schnell- zum Blitzschach, von der Verlängerung ins Elfmeterschießen.

Im Tiebreak sind andere Qualitäten gefragt

Die Bedenkzeit wird dann auf fünf Minuten plus drei Sekunden pro Zug verkürzt. Es werden zwei Partien gespielt, bei denen jeder der beiden einmal mit Weiß spielt. Liegt jemand nach Hin- und Rückspiel vorne, ist er Weltmeister, bei Gleichstand geht es weiter. Bis zu zehn Blitzpartien sind möglich.

Steht es dann noch immer remis, kommt es zum Äußersten: Es wird eine sogenannte Armageddon-Partie gespielt. Weiß hat fünf, Schwarz nur vier Minuten Bedenkzeit. Dafür muss Weiß unbedingt gewinnen, bei einem Remis wird Schwarz zum Weltmeister erklärt. Besonders pikant: Beim Armageddon wird im Gegensatz zum Blitz- und Schnellschach nicht die Farbe gelost, sondern der Ausgeloste hat Seitenwahl, darf sich also die Farbe aussuchen.

Im Tiebreak sind andere Qualitäten gefragt. Normalerweise geschehen im Spitzenschach selten grobe Fehler. Die Spieler nutzen Ungenauigkeiten des Gegners aus, um einen kleinen Vorteil langsam auszubauen. Oft spielen sie aber so nahe der Perfektion, dass für keinen der Spieler ein entscheidender Vorteil entstehen kann, die Partie endet remis. Bei der Fernschach-WM, wo Computer befragt werden und die Bedenkzeit nicht in Stunden, sondern in Tagen gemessen wird, findet nur jede fünfte Partie einen Sieger.