Der Missbrauchsskandal im englischen Fußball weitet sich immer mehr aus. Die Staatsanwaltschaft teilte mit, sie habe Ermittlungen wegen Kindesmissbrauch gegen den früheren Jugendtrainer Barry Bennell eingeleitet. Es gehe um acht sexuelle Übergriffe auf einen Jungen unter 14 Jahren, heißt es in der Mitteilung.

Zuvor hatten ehemalige Fußballprofis gegen Bennell ausgesagt: Vor zwei Wochen warf der ehemalige Fußballprofi Andy Woodward seinem früheren Jugendtrainer Bennell öffentlich vor, ihn missbraucht zu haben. Am Dienstag ging der frühere Kapitän der walisischen Jugendmannschaft, Matthew Monaghan, an die Öffentlichkeit. Der britischen Daily Mail sagte er, er sei im Alter von zehn Jahren mehrfach von Bennell vergewaltigt worden.

Mittlerweile hätten fast 20 mutmaßliche Opfer ähnliche Vorwürfe gegen den ehemaligen Jugendtrainer erhoben, berichtete Gordon Taylor, Chef der Profifußballergewerkschaft PFA. Bennell wurde am Freitag wegen "Gefährdung seines körperlichen Wohlergehens" in ein Krankenhaus eingewiesen.

Bennell hatte als Jugendtrainer unter anderem bei Manchester City und Stoke City gearbeitet. Wegen der Vergewaltigung eines Jungen in Florida im Jahr 1994 wurde er bereits zu vier Jahren Haft verurteilt, wegen 23 Übergriffen auf sechs Jungen in England wurde 1996 eine neunjährige Gefängnisstrafe gegen ihn verhängt. Seine dritte Haftstrafe trat Bennell 2015 wegen des Missbrauchs eines Jungen während eines Trainingscamps im Jahr 1980 an.

Auch Ian Ackley, der wie Woodward unter Bennell spielte, warf dem ehemaligen Jugendtrainer Missbrauch vor. Zu der Zeit spielte Ackley für den Club Crewe Alexandra, der in den achtziger und neunziger Jahren als Talentschmiede galt, schreibt die Süddeutsche Zeitung. "Ein, zwei Wochen nachdem ich zum Club kam, ging es schon los. Es war die ganze Bandbreite des Missbrauchs. Es gab keine Limits für Bennell, um zu kriegen, was er wollte", wird Ackley im Bericht zitiert.

Paul Stewart, der drei Mal für die englische Nationalmannschaft spielte, erzählte vom Missbrauch durch einen anderen Trainer, der aber in den gleichen Kreisen wie Bennell verkehrt habe, schreibt das Blatt.

Vier Polizeibehörden haben die Ermittlungen aufgenommen. Es scheint möglich, dass es in den achtziger und neunziger Jahren einen Pädophilenring in Nordengland gegeben haben könnte: Neben Crewe sind auch Manchester City, Blackpool, Leeds, Stoke und Newcastle betroffen. "Das sind abscheuliche Verbrechen, die von der Polizei untersucht werden müssen, und wir werden sie dabei unterstützen", sagte Greg Clarke, Chef des Fußballverbandes FA.