Im Geschäft Profifußball ist man auf vieles gefasst. Ein Detail der jüngsten Story hat aber selbst Insider erstaunt: Cristiano Ronaldo wirbt gleich für zwei Automarken. Rund 2 Millionen Dollar hat Toyota gezahlt, um gut ein Jahr lang mit dem portugiesischen Weltfußballer zu werben. Toyota darf das aber nur im Nahen Osten, in Algerien, Marokko und Afghanistan. Die Werberechte in China hat sich der Konkurrent Honda gesichert, für etwa die gleiche Summe.

So läuft das. Weltkonzerne stehen Schlange vor Ronaldo, man könnte auch sagen: Sie lassen sich von ihm verarschen. Weil er Tore schießt, weil "CR7" ein Global Brand ist, weil ihm die Welt gehört.

Die Football Leaks über die Steuertricks verschiedener Fußballer, die der Spiegel und andere internationale Medien am Wochenende veröffentlicht haben, sind ein Sittengemälde der Gier, auch der Macht. Große Empörung lösen sie nicht aus, sie überraschen nicht mal. Vermutlich schaden sie dem Fußball gar nicht. Nicht ausgeschlossen, dass sie ihm sogar nützen.

Das Datenleck hat vielleicht keine juristischen Folgen, aber den Stars Schlagzeilen beschert: Ronaldo, der 38 Millionen Euro jährlich bei Real Madrid kassiert, versteuerte zig Millionen Euro Werbeeinnahmen über Briefkastenfirmen zu einem extrem geringen Prozentsatz. Zudem datierte er 75 Millionen Euro an künftigen Einnahmen ins Jahr 2014 zurück, weil damals in Spanien ein Gesetz galt, von dem ausländische Topverdiener profitierten. José Mourinho, sein ehemaliger Trainer in Madrid, schob sein Vermögen über die Schweiz in die Karibik bis nach Neuseeland.

Es ist eine Recherche mit vielen Informationen und Geldflüssen, etlichen Namen von Anwälten und Beratern. Alle verdienen mit, und weitere Enthüllungen sollen folgen. Doch im Prinzip erzählt sie nichts Neues. Lionel Messi wurde im Frühjahr wegen Steuerdelikten zu 21 Monaten auf Bewährung verurteilt. Ein Staatsanwalt fordert wegen Unregelmäßigkeiten bei seinem Transfer nach Barcelona Gefängnis für Neymar. Und in Deutschland droht dem DFB rückwirkend die Aberkennung der Gemeinnützigkeit, weil er im Zusammenhang mit der WM 2006 Millionen unter falschen Vorgaben in dunkle Kanäle schleuste.

Steuerkreativität ist jedoch nicht nur ein Phänomen des Fußballs. Alle wollen sparen, und je mehr Geld im Spiel desto ideenreicher. Doch obwohl Hass auf Eliten in Mode ist, ist der Fußball moralisch immun. Im Gegensatz zu Bankern, Politikern, Wirtschaftsbossen scheinen die Offshore-Aktivitäten dem Ruf der Fußballer nicht mal zu schaden.

Zur Wahl des Weltfußballers stehen wieder Messi und Ronaldo. Uli Hoeneß wurde vergangene Woche mit einem SED-Ergebnis zum Präsidenten des FC Bayern gewählt. Im vergangenen Monat ehrte Bundeskanzlerin Angela Merkel den DFB mit einer Rede auf dem Bundestag, ohne ein Wort über die WM-Affäre zu verlieren.

Man fragt sich, womit der Fußball diese Gunst, diese Sonderstellung, seinen Reichtum verdient hat. In Deutschland bangen zurzeit Schützen, Turner, Tischtennisspieler und andere Hochleistungssportler um ihre Förderung. Doch der Erfolg des Fußballs hat sich verselbständigt. Skandale schreibt er zwar viele, man denke an die Fifa, das Sommermärchen, Robert Hoyzer. Doch paradoxerweise kamen danach noch mehr Zuschauer, zahlten noch mehr Sponsoren, floss noch mehr Geld. So wird es bis auf weiteres auch diesmal sein.