Immer mehr Fälle von sexuellem Missbrauch in britischen Fußballvereinen werden bekannt. Bei der Polizei und bei einer speziell zu diesem Zweck eingerichteten Hotline meldeten sich in den vergangenen Tagen mindestens 350 Betroffene, wie britische Medien berichteten.

Den Ausschlag gaben offenbar mehrere ehemalige Fußball-Profis, die in den vergangenen Wochen öffentlich über ihr Leid berichtet hatten. Dazu zählt auch der frühere Profi Andy Woodward, der der Presse vom jahrelangen Missbrauch durch einen Jugendtrainer erzählte.

Insgesamt hatten bei der Hotline binnen einer Woche 860 Menschen angerufen. Dabei handelte es sich meist um Hinweise auf Missbrauch in früheren Jahren, sagte ein Sprecher der Kinderschutzorganisation NSPCC (National Society for the Prevention of Cruelty to Children). "Aber es gibt auch einige aktuelle Fälle darunter." Details wollte der Sprecher nicht nennen. Die Organisation betonte, der Ansturm auf die Hotline zeige das "besorgniserregende Ausmaß von Missbrauch" im Sport.

Erste Anklage

Die Polizei ermittelt in mehreren Fällen, der englische Fußballverband FA kündigte eine interne Untersuchung an. Zahlreiche Fußballclubs betreiben eigene Nachforschungen, darunter auch der FC Chelsea mit Blick auf möglichen Missbrauch in den 1970er Jahren.

Die britische Generalstaatsanwaltschaft hatte erst am vergangenen Dienstag mitgeteilt, dass ein früherer Jugendtrainer wegen Übergriffen auf ein Kind angeklagt wird. Der 62-Jährige galt in den 1980er und 1990er Jahren als erfolgreicher und gut vernetzter Talentscout und arbeitete unter anderem für den englischen Viertligisten Crewe Alexandra. In diese Zeit sollen die Vergehen fallen, die die jetzige Anklage betreffen. Er saß mehrfach wegen sexueller Übergriffe auf Minderjährige im Gefängnis. Medienberichten zufolge bezeichnete sich der Mann vor Gericht selbst einmal als "Monster".