Formel-1-Weltmeister Nico Rosberg hat bereits seit einiger Zeit über ein Ende seiner Rennsportkarriere nachgedacht. "Es war komisch: Der Gedanke ans Aufhören motivierte mich, gleichzeitig durfte ich ihm nicht zu viel Raum geben, sonst hätte ich mich nicht mehr richtig konzentrieren können", sagte er der ZEIT. Für Selbstbestimmung gebe es wenig Raum in der Formel 1: "Aber mein Leben gehört mir."

Darüber hinaus wurde jahrelang über ihn geschrieben, er sei zu weich oder zu hart. "Jetzt kann ich einfach mal frei raus antworten: Ich bin genau richtig", sagte Rosberg.

Nach seinem Rückzug zeigte sich der Formel-1-Weltmeister erschöpft. Es sei ihm in den letzten Saisonwochen wegen des Drucks immer seltener gelungen zu schlafen. Aber Rosberg habe vor allem eines in seiner Karriere gelernt: durchzuhalten. Sein letztes Rennen, bei dem er den lang ersehnten Weltmeistertitel einfuhr, sei aufreibender gewesen als alle zuvor. "Ich habe noch nie eine so intensive Adrenalinausschüttung gespürt, wie bei dem Rennen in Abu Dhabi", sagte Rosberg.

Ein weiteres Mal wolle er nicht um den Weltmeistertitel kämpfen, so Rosberg. Er könne zwar weitermachen und versuchen den Titel zu verteidigen, aber er frage sich warum. "Schöner als jetzt wird es nicht mehr."

"Ich verstehe nicht, was Niki da geritten hat"

Rosberg reagierte auch auf die Kritik des früheren Formel-1-Weltmeisters Niki Lauda, der Aufsichtsratschef des Mercedes-Teams ist und dem Rennfahrer vorgeworfen hatte, den Rennstall nicht rechtzeitig über seine Pläne informiert zu haben. "Ich verstehe nicht, was Niki da geritten hat. Irgendwas muss er falsch verstanden haben", sagte Rosberg. Als einen der ersten habe er den Teamchef von Mercedes über seinen Rücktritt informiert. Er habe alles getan, um sein Team nicht zu enttäuschen und ihm Planungssicherheit zu geben. "Wenn es nur nach mir gegangen wäre, hätte ich mir lieber Zeit bis Weihnachten mit der Verkündung des Rücktritts gelassen, aber das hätte ich dem Team nicht antun können."

Die Rennfahrerei liegt in Rosbergs Familie; auch sein Vater Keke Rosberg war Formel-1-Weltmeister. Er kehrte dem Sport jedoch den Rücken, als Nico ein Jahr alt war – und führte den Jungen später ins Renngeschäft ein. Zum Ende seiner Karriere zieht Nico Rosberg Parallelen zum Vater: Seine Tochter ist jetzt ebenfalls ein Jahr alt.