Der Brite Alex Thomson schlief noch nicht lange, als es auf seinem Boot krachte. Thomson segelte am Samstag, den 19. November im Südatlantik, als er morgens um halb zehn aus dem Kurzschlaf gerissen wurde. Seine Rennjacht kollidierte mit einem unbekannten Objekt, das in der Seglersprache liebevoll Unknown floating object, also Ufo heißt. Für Thomson war es ernst: Sein Steuerbordtragflügel brach ab. Ein Schock für den Führenden der Vendée Globe (VG), des härtesten Segelrennens der Welt. Den Rest der noch weiten Strecke würde er mit diesem Handicap leben müssen.

Thomson ist einer der Favoriten der VG. Seit dem Start am 06. November im französischen Atlantikhafen Les Sables-d’Olonne segelten 29 Skipper bislang 51 Tage um den Globus. Zehn Jachten schieden bereits aus, wenn die Hälfte ankommt, wäre es eine durchschnittliche Quote. Es geht von Frankreich aus durch den Atlantik zum Kap der guten Hoffnung vor Südafrika, weiter zum Kap Leewin (Australien) und vorbei am Kap Hoorn (Chile) zurück nach Frankreich. Einmal um die Welt, wenn alles gut geht in weniger als 80 Tagen.

Ein Zwischenfazit des Rennens

Auch die PR läuft auf Hochtouren, das Rennen hat viele Fans. Die Skipper und ihre Boote lassen sich in aufwändig inszenierten Shows im Internet betrachten, regelmäßig werden sie in Interviews vom Ozean zugeschaltet. Täglich wird das Ranking mit Renndaten veröffentlicht, Wetterkarten gezeigt und die Pressekonferenzen ausgestrahlt. Wer will, kann sich mittendrin fühlen. 144.800 Skipper mischen im Onlinespiel Virtual Race mit. Die VG ist ein Massenereignis. Was ist beim bedeutensten Einhand-Seglerennen seit dem Start Anfang November passiert?

An der Spitze gibt es ein spannendes Duell zu verfolgen, das bereits dramatische Wendungen nahm. Die Führenden Thomson und der knapp vor ihm liegende Franzose Armel Le Cléac'h durchkreuzen derzeit den Atlantik vor Argentinien. Nie in der Geschichte der VG erreichte jemand schneller das Kap Hoorn als Le Cléac'h in 47 Tagen. Das härteste Einhand-Seglerrennen der Welt wird seinem Ruf mal wieder gerecht.

"Erst mal ankommen"

Le Cléac'h und Thomson trennen nur 379 Meilen. Das Feld dahinter ist zerpflückt, die Distanz zwischen dem ersten und letzten Boot ist gewaltig. Sie beträgt aktuell 7.600 Seemeilen. Le Cléac'h segelt vor Argentinien, der Letzte, Sébastian Déstremau, erreicht gerade Australien. Und noch sind für die Ersten über 7.000 Seemeilen zu fahren. Der bisherige Verlauf des Rennens bestätigt die Einschätzung, dass das Rennen längst nicht entschieden ist. "Wir segeln, bis das Material uns scheidet!", kommentierte ein Skipper die Problematik, mit der jeder Teilnehmer Tag für Tag zu kämpfen hat.

Vor dem Start blieben die meisten Skipper bei der gängigen VG-Philosophie: "Auch wer siegen will, muss erst einmal ankommen". Auch Thomson äußerte sich so. Lediglich Le Cléac'h, bisher zweimal am Start und zweimal Zweiter, machte eine klare Ansage: "Nur ein Sieg kommt infrage, alles andere wäre eine Niederlage!" Den Sieg werden er und Thomson wohl unter sich ausmachen.

Die Boote der beiden Favoriten sind mit neuartigen Foils ausgerüstet, Flügelschwertern an der Seite, die für mehr Speed sorgen sollen. Über deren Vor- und Nachteile wurde viel spekuliert. Thomson sagte dazu: "Es gibt mehr als 20.000 Dinge, die schief gehen können. Die heiß diskutierten Foils sind dann nur zwei unter vielen." Er sollte Recht behalten.

Denn schon in den ersten Wochen zeigte sich, dass die neue Technik Vorteile schafft. Eine erste Führungsgruppe um Alex Thomson, Armel Le Cléac'h und Jean-Pierre Dick setzte sich nach dem Start ab. Unter den ersten sieben Open60-Booten waren sechs Foiler. Lediglich Vincent Riou, Gewinner der Vendée 2005, mischte ohne diese Tragflächen-Neuheit an der Spitze mit.