Hunderte junge Turner in den USA wurden in den vergangenen 20 Jahren offenbar sexuell missbraucht. Das zeigt eine umfangreiche Recherche der US-Zeitung IndyStar gemeinsam mit USA Today. Grundlage der Erkenntnisse sind Hunderte Polizeiakten, die laut des Berichts erstmals ein umfassendes Bild des Problems zeigen. Die genaue Zahl der Fälle bleibt allerdings weiter unklar. 

Unter anderem berichtet die Zeitung darüber, dass ein zwölfjähriges Mädchen während einer sogenannten Therapiesitzung von ihrem Olympiatrainer sexuell belästigt worden sei. Einige Trainer hätten Nacktfotos von sechsjährigen Jungen gemacht, ein anderer soll beinahe täglich Sex mit einer 14-Jährigen gehabt haben.

Bei den Tätern handelte es sich meist um Trainer, Besitzer von Turnstätten oder um andere Betreuungspersonen. Der Turnverband USA Gymnastics habe zahlreiche solcher Fälle vertuscht, schreibt der IndyStar. Außerdem seien Trainer, die aufgrund ihres Verhaltens entlassen wurden, mehrmals an andere Trainingsstätten versetzt und nicht entlassen worden. Grund dafür sei gewesen, dass die einzelnen Fälle nicht zentral erfasst worden seien.

Der Turnverband äußerte sich nicht konkret zu den Vorwürfen: "Nichts ist für USA Gymnastics wichtiger als der Schutz der Athleten, der eine anhaltende Wachsamkeit eines jeden einzelnen erfordert – von Trainern, Athleten, Eltern, Betreuern und Offiziellen."

Im November wurde bereits der britische Fußball durch einen Missbrauchsskandal erschüttert. Mindestens 350 Betroffene meldeten sich in den Wochen nach Bekanntwerden des ersten Falls bei der Polizei, weil sie als Jugendliche von Trainern oder anderen Aufsichtspersonen missbraucht wurden.