Wer spielte wie gegen wen?

Benfica Lissabon – Borussia Dortmund 1:0 (0:0)
Paris St. Germain – FC Barcelona 4:0 (2:0)

Wie war es?

Och, aufregend. Beide Achtelfinale tobten und rauschten. Für den BVB war es ein Abend voller Erfahrungen, doch mager im Resultat. Jene, die nur das 0:1 sehen, muss man aufklären: Es war alles ganz anders. Es hätte auch 3:1 oder 2:0 ausgehen können, doch es sind gerade keine BVB-Tage.

Eine Szene brachte die Borussen um ein gutes Ergebnis: Marco Reus lungerte kurz nach dem Wiederanpfiff zwar schon auf dem Feld herum. Doch die Gedanken kreisten wohl noch um den Pausentee, die Portugiesen kamen dagegen motivierter aus der Kabine. Reus verhaspelte sich und den Ball, eine Ecke folgte. Auch Sokratis schien bei dem Eckball noch mit Halbzeitdingen beschäftigt, jedenfalls gönnte er seinem griechischen Landsmann Kostas Mitroglu von Benfica mehr Raum als die Ägäis einnimmt. Benfica führte.

Es war die einzige Torchance für Lissabon, die aber saß. Dem BVB hingegen fehlte es im entscheidenden Moment an diesen letzten Dingen. War Erik Durm in aussichtsreicher Strafraumposition, verstolperte er. Flankte Marcel Schmelzer, senkte sich der Ball erst wieder an der anderen Eckfahne. Und spielten die Borussen ihren einzigen Stürmer frei, Pierre Emerick Aubameyang, schoss der drüber, drunter oder einen Elfmeter in die Arme des Torhüters. Aubameyang hätte an diesem Tag auch vor der leeren Dortmunder Südtribüne stehen können, er hätte drüber geschossen.

Wer stand im Blickpunkt?

Eben jener Pierre-Emerick Aubameyang. Das ist der Mann aus Gabun, der sich gerne mit Diktatoren zeigt, den BVB aber in den vergangenen Jahren zuverlässig mit schönen Toren versorgte. Am Dienstag war er die Symbolfigur für die turbulenten BVB-Tage. Zweimal schoss er drüber, es sah ein bisschen nach Absicht aus. Den Elfmeter, den er verschoss, würden Dortmunds C-Jugendliche besser machen. In der 61. Minute wurde Aubameyang ausgewechselt, er sei müde gewesen, sagte sein Trainer Thomas Tuchel nachher. André Schürrle kam, was nicht heißt, dass dann wieder ein Stürmer auf dem Feld stand. Bisher dachte man, die Probleme des BVB liegen in der Abwehr. Seit diesem Achtelfinale der Champions League leuchtet es auch den Borussen ein: Ohne Stürmer gewinnt man keine Spiele.

Ist Thomas Tuchel noch BVB-Trainer?

Ja. Selten sah man den bis in die Stollen ehrgeizigen Trainer nach einer Niederlage so zufrieden. Wieder hatte er verloren, doch offenbar spielte sein Team so ähnlich, wie er sich das vorgestellt hatte. "Wir waren so so so gut", sagte er, und tatsächlich: Benfica hatte keine Torchancen. Gelegentlich hält man zwar die Luft an, wenn Marc Bartra am Ball ist oder Erik Durm versuchte, einen Ball zu stoppen. Seine Dreierkette fand sich gut zurecht, nachdem sie die ersten zehn Minuten gespielt hatte, als ob sie auf einer Rüttelplatte stehen würde. Nach vorne baute der BVB sein Spiel vor allem über die Außenbahnen auf, auch das eine gute Anweisung vom Trainer. Nur: Dazu fehlen ihm die richtigen Spieler. Schmelzer und Durm haben nicht das Format, für entscheidende – nennen wir sie Robbenmomente – zu sorgen.

Was war mit den BVB-Fans?

Ganz kommt man um sie gerade nicht herum. Wieder gab es Probleme, dieses Mal aber waren sie unschuldig. Übereifrige Ordner kontrollierten so lange, dass die letzten Fans erst zur Halbzeit ins Stadion durften. Es gab wohl auch Probleme mit dem elektronischen Einlass, die Uefa aber ließ das Spiel pünktlich anpfeifen. Vielleicht wollte die Uefa die BVB-Spieler einfach nur an leere Ränge gewöhnen.

Welches Spiel durften Sie eigentlich auch nicht verpassen?

Oh, là, là, Paris gegen Barcelona, und das war das Schwierige an diesem Abend: Auch das zweite Spiel war ein Spektakel, womöglich ein noch größeres. Wer es sah, bekam mit, wie Paris an den Denkmalsockel von Lionel Messi pinkelte. Mon dieu! Mit 4:0 schickten sie die Weltauswahl von Barcelona zurück nach Spanien. Messi, der beste Fußballer dieser Zeit, machte sein wahrscheinlich schlechtestes Spiel seit man ihn im Fernsehen bestaunen kann.

Und Paris war eiskalt. Julian Draxler schoss mehr Tore als der BVB und Messi zusammen, eins, und bei Angel di Maria wird es schwer, zu entscheiden, welchen seiner beiden Treffer man zum Tor des Spieltags küren will. Und als Edinson Cavani Mitte der zweiten Halbzeit zum 4:0 traf, spürten die Feinde des feingeistigen Barcelona-Styles ein seltenes, hässliches Gefühl: diabolische Lust am Niedergang der Katalanen.