Gabriela Koukalová ist es wichtig, auch am Schießstand gut auszusehen, wenn die Kameras heranzoomen. Deswegen schminkt sich die tschechische Biathletin vor jedem Wettkampf. Nicht nur für Kosmetikfirmen ist sie ein begehrtes Werbe-Testimonial. Ein Glamourgirl im Schnee mit Gewehr.

Doch man sollte das nicht mit Oberflächlichkeit verwechseln. Koukalová macht sich hübsch für die Loipe, engagiert sich aber auch gesellschaftlich. Und sie sagt klar ihre Meinung, etwa über die russischen Doper. Gabriela Koukalová, die vor einer Woche im österreichischen Hochfilzen im 7,5-Kilometer-Sprint vor ihrer Konkurrentin Laura Dahlmeier aus Garmisch zum ersten Mal Weltmeisterin geworden ist, vereint Gegensätze und ist das Ideal einer mündigen Sportlerin.

Die Weltmeisterschaft in Hochfilzen steht unter dem dunklen Vorzeichen des russischen Staatsdopings. Wie nie zuvor werden Konflikte innerhalb der Sportlerszene sicht- und hörbar. Der französische Star Martin Fourcade äußerte sich kritisch und stritt sich mit dem besten russischen Biathleten Anton Schipulin. Schipulin behauptet, der McLaren-Report, der den Russen Staatsdoping nachwies, sei politisch motiviert und erhebe Anschuldigungen ohne Beweise. Die beiden versöhnten sich inzwischen.

Bei den Frauen ist es Koukalová, die sich den Betrügern entgegenstellt. Zum Staatsdoping in Russland hat die Skijägerin aus Jablonec eine klare Meinung: "Das russische Team ist offenbar nicht in der Lage, mit der internationalen Anti-Doping-Organisation zu kooperieren", sagte sie im Januar beim Weltcup in Oberhof. "Wenn Teams diese Regeln nicht respektieren, dann haben sie bei unseren Rennen nichts zu suchen."

Kritik am Weltverband

Die Geldstrafen, die in den vergangenen Jahren vom Biathlon-Weltverband (IBU) gegen Russland wegen mehrerer Dopingfälle ausgesprochen wurden, seien ihrer Ansicht nach "wirkungslos und lächerlich". Wirkungsvoller finde sie "die Streichung von Startplätzen". Als ein russischer Journalist im Januar sie damals fragte, was sie zu Shipulin sage, wurde Koukalová sehr deutlich: "Ich denke, wenn alle diese Athleten in einem Team sind, dann glaube ich niemandem. Sorry."

Die 27-jährige Koukalová ist die große Konkurrentin von Dahlmeier. In Hochfilzen hat Dahlmeier mit dreimal Gold im Einzel, in der Mixed-Staffel und der Verfolgung die Nase vorn, vielleicht hat Koukalová in der Staffel am Freitag eine Chance, beim Medaillensammeln aufzuholen. Doch die beiden empfinden ein freundschaftliches Verhältnis zueinander. In politischen Fragen hält sich Dahlmeier allerdings meist zurück, wie die meisten Deutschen.

Koukalová greift sogar die Sportpolitik an. Ihr Weltverband IBU etwa vergisst gerne, dass im Biathlon seit Jahrzehnten gedopt wird – in der DDR bereits in den siebziger Jahren und in Westdeutschland in den achtziger Jahren. Koukalová gibt zu verstehen, dass die IBU zu wenig gegen die Betrüger tue: "Ich kann nicht verstehen, nachdem lange bekannt ist, dass es in Russland ein massives Dopingproblem gibt, wieso die IBU noch im September 2016 die WM 2021 nach Tjumen in Sibirien vergeben hat. Dies war ein großer Fehler der IBU." Sie möchte nicht in solchen Ländern zu Wettkämpfen antreten. "Diese Wahl war dumm." Der seit Jahren lavierende Weltverband hatte erst auf massiven Druck von Athleten wie ihr entschieden, Russland aufzufordern, die WM 2021 zurückzugeben. Andernfalls werde man sie per Beschluss entziehen. Startplatzreduzierungen bei Dopingverstößen sowie höhere Geldstrafen wolle man zudem nun durchsetzen.