Die Partie aus der vorigen Pokalrunde zwischen dem FC Bayern und Wolfsburg (1:0) ist längst vergessen, doch in einschlägigen Fan-Foren diskutiert man noch immer. Egal ob Faszination Fankurve, das Portal Fanzeit oder die Initiative Fußball gegen Rechts – sie alle lobten, dass die Münchner Fan-Gruppe Schickeria erneut ein deutliches Signal gegen Rechtsradikalismus gezeigt habe. "Throw Nazis Out Of Football", stand auf einem Transparent, den die Münchener Ultras während des Spiels hochhielten. Auf einem zweiten Plakat stand auf Spanisch: "¡Zozulya Vete Ya!" –"Zozulya, geh jetzt!"

Mit dieser Aktion solidarisierte sich die Schickeria, die 2014 wegen ihres Einsatzes um die Erinnerung an den von den Nationalsozialisten verfolgten Bayern-Präsidenten Kurt Landauer vom DFB mit dem Julius-Hirsch-Preis ausgezeichnet wurde, mit den Anhängern des spanischen Zweitligisten Rayo Vallecano. Diese hatten die Verpflichtung des ukrainischen Nationalspielers Roman Zozulya verhindert, den die Verantwortlichen des vom Abstieg bedrohten Madrider Vorortklubs von Betis Sevilla ausleihen wollten. Der Vorwurf der Bukaneros, wie sich die linksgerichteten Ultras von Rayo Vallecano nennen: Zozulya sei ein Neonazi.

Wenn die Tagesthemen Bilder aus dem Krieg im Donbass zeigen, erhält die ARD haufenweise Post von Zuschauern, die sich, Kreml-treu, über die vermeintlichen Faschisten aus der Ukraine empören. Auf den ersten Blick bedient Zozulya tatsächlich all die westeuropäischen Klischees, laut denen es in der Ukraine von Nazis nur so wimmelt. Auf Twitter veröffentlichte der Stürmer einige Fotos, auf denen er mit Waffen posiert und aus seinem Patriotismus keinen Hehl macht. Und da Zozulya, der 2015 mit dem FK Dnipro das Europa-League-Finale erreichte und in der Vorrunde der EM 2016 mit der Ukraine gegen Deutschland verlor, auch noch den Ruf eines Spielers hat, der sich nicht immer unter Kontrolle hat, entstand der Eindruck von einem rechtsradikalem Fußballprofi.

Bandera wurde vom KGB ermordet

Bei der Lektüre der Stellungnahme, in der die Bukaneros ihren Protest gegen Zozulya begründen, sind es jedoch nicht stichhaltige Fakten, die einem ins Auge springen, sondern mangelnde Kenntnisse und Stereotypen, die Zozulya vom ersten Tag seines Spanien-Aufenthaltes den Ruf eines Nazis einbrachten. Bereits kurz nach seiner Ankunft warfen einige spanische Medien Zozulya Nähe zum Pravy Sektor vor, einer rechtsextremen paramilitärischen ukrainischen Organisation, weil sie ein auf seinem T-Shirt gedrucktes Symbol als ein rechtsradikales Symbol interpretierten. Dabei war es nichts anderes als das ukrainische Staatswappen. Das Gern, wie das Wappen heißt, ist auch auf den Trikots der ukrainischen Nationalmannschaft zu sehen.

Als Beweis für Roman Zozulyas rechtsradikale Haltung dienen den Rayo-Vallecano-Fans auch Fotos, auf denen der Stürmer mit der rot-schwarzen Flagge der UPA/OUN und dem Porträt von Stepan Bandera zu sehen ist. Sicherlich, Stepan Bandera und seine UPA sind alles andere als Vorzeigehelden. In der Hoffnung auf einen unabhängigen ukrainischen Staat kollaborierten die ukrainischen Nationalisten im Zweiten Weltkrieg mit den Nazis und machten sich dabei auch an der Ermordung ukrainischer Juden mitschuldig. Zudem lieferte sich die UPA in der Westukraine einen Nebenkrieg mit der polnischen Heimatarmee (AK), bei dem laut Schätzungen bis zu 100.000 polnische Zivilisten ums Leben kamen. Weshalb in Polen beim Massaker von Wolhynien von einem Völkermord gesprochen wird.

Dies ist jedoch nur die eine Seite. Ab 1943 lieferte sich die UPA zuerst einen Partisanenkrieg mit der deutschen Wehrmacht und später bis 1954 gegen die Sowjetarmee. Stepan Bandera wiederum war ab Juli 1941 Häftling im KZ Sachsenhausen und wurde 1959 in seinem Münchner Exil vom KGB ermordet. Was dazu führte, dass sowohl die UPA als auch Bandera trotz ihrer Verbrechen bis heute in der heutigen Ukraine viele Verehrer haben und so allgegenwärtig sind, dass sich Fotos mit Bandera oder der UPA-Flagge im Hintergrund nicht vermeiden lassen.