ZEIT ONLINE: Denis Frank, ist Rugby ein höflicher Sport?

Denis Frank: Ja, das zeigt sich vor allem bei den Verstößen gegen die Etikette. Der aktuelle englische Kapitän ist ein bad boy und sein Verbleib in der Nationalmannschaft ist umstritten. Dylan Hartley war in seiner Karriere schon mehr als 60 Wochen gesperrt, wegen Beißen, Augenstechen, Schiedsrichterbeleidigung, Ellbogeneinsatz, das ganze Programm. Eine seiner Sperren bekam er, weil er "Betrug" rief. Er beteuerte, den Gegner gemeint zu haben und nicht den Schiedsrichter. Dem war es egal, wen er meinte, und er stellte ihn vom Platz. Der Respekt vor dem Gegner und vor dem Schiedsrichter ist unglaublich hoch. Jürgen Klopps Auftritte an der Seitenlinie wären im Rugby undenkbar. Marco van Basten, der Sonderbeauftragte der Fifa, der sich um Fehlentwicklungen des Spiels kümmern soll, nennt Rugby als Vorbild. Der Umgang mit den Schiedsrichtern ist einfach besser als im Fußball.

ZEIT ONLINE: Nur Kapitäne dürfen mit dem Schiedsrichter reden.

Frank: Genau. Schauen Sie sich Nigel Owens an. Er ist ein Schiedsrichter aus Wales, 1,72 Meter groß und homosexuell. 2015 pfiff er ein Spiel des Six-Nations-Turniers, in dem Englands Kapitän Chris Robshaw, ein Hüne, auf ihn zukam und sich über eine Entscheidung beschwerte. Owens: "Äh, Christopher?" Robshaw: "Sorry, Sir" und ging rückwärts wieder zurück. 

ZEIT ONLINE: Angeblich lädt man seinen Gegner nach dem Rugby zum Essen ein. Stimmt das? 

Frank: Ja. Ich kann Ihnen sagen, wo es in der Bundesliga das beste Essen gibt.

ZEIT ONLINE: Wo?

Frank: Das Schnitzel mit Kartoffelbrei in Heidelberg ist hervorragend. Man sitzt zusammen, man trinkt Bier, man guckt vielleicht noch ein Rugbyspiel zusammen. Wir Rugbyspieler sitzen im gleichen Boot, auch wenn sich weltweit bereits mehr als 300 Millionen Menschen für Rugby interessieren. Ich war mal in den Pyrenäen zum Bergsteigen. Abends beim Dorffest erwähnte ich beiläufig, dass ich Rugby spiele und aus Deutschland bin. Ab dem Moment habe ich weder den Wein noch das Bier bezahlt. Die Franzosen sagten, die Deutschen seien so groß gewachsen. Die verstehen überhaupt nicht, warum wir nicht viel mehr Rugby spielen.

ZEIT ONLINE: Was haben Sie geantwortet?

Frank: Das weiß ich nicht mehr, aber Deutschland hat 1927 Frankreich vor 30.000 Zuschauern mit 17:16 geschlagen. Das ist bis heute der Zuschauerrekord, das Ergebnis wäre heute natürlich utopisch. Frankreich ist eine der besten Mannschaften, während in Deutschland Rugby fast nur an Universitäten verbreitet ist. In Heidelberg und Hannover kennt man den Sport womöglich auch außerhalb davon.

ZEIT ONLINE: Deutschland spielt am Samstag bei der Europameisterschaft, die im Ligasystem ausgetragen wird, gegen Rumänien. Um was geht es?

Frank: Um viel. Deutschland war noch nie bei einer WM und die EM ist der direkte Weg dahin. Rumänien ist der größte Konkurrent um den Qualifikationsplatz. Bei einer WM sitzen pro Spiel 47.000 Zuschauer im Stadion. Japan hat bei der WM 2015 in der Gruppenphase Südafrika geschlagen, das war eine Sensation. Das Spiel darauf gegen Samoa sahen 30 Millionen TV-Zuschauer, jeder vierte Japaner. Da wollen wir auch hin. Momentan gibt es in Deutschland aber nur 125 Vereine und 15.000 Spieler. Der Bundesligaschnitt liegt bei bloß 500 Zuschauern, zu einem Heidelberger Derby kommen immerhin bis zu 3.000 Zuschauer.

ZEIT ONLINE: Das ist verglichen mit anderen Bundesligen sehr wenig. In England finden Spiele manchmal im ausverkauften Wembley-Stadion statt.

Frank: Ja, obwohl es auch in England erst seit 1987 eine landesweite Liga gibt, vorher wurden die County-Meister ermittelt und die traten dann gegeneinander in Turnierform an. Bis 1995 war Rugby noch per Statut Amateursport, niemand durfte bezahlt werden. Geld verderbe den Charakter, hieß es, und es untergrabe die Integrität des Sports. Die Rugby-Community befürchtete, dass Rugby als professioneller Sport moralisch so verkümmern würde wie der Fußball. Das ließ sich aber bald nicht mehr halten und hat dem Rugby in England eher geschadet. Man hat die Werte überbetont. Und es gibt pragmatische Gründe für das Profitum: Leute, die am Samstag 80 Minuten in physischen Duellen den Kopf hinhalten, werden am Montag nicht zur Arbeit gehen.

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Ach du dickes Ei!

Ach du dickes Ei!

Rugby ist seit 2016 wieder eine olympische Sportart.

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Meins!

Meins!

Es dreht sich alles um das eine Ei.

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Das Feld

Das Feld

Am Ende jedes Feldes ist die Mallinie. Dahinter liegt das Malfeld. Da muss der Ball hin. Ein Tor ist 5,67 Meter breit und 6,50 Meter hoch.

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Regeln

In Rio läuft es etwas anders

Rugby wird bei den Olympischen Spielen 2016 als 7-gegen-7-Variante gespielt werden. Statt 15 Spielern nur 7, statt zweimal 40 Minuten nur zweimal 7 Minuten.

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Leider falsch!

Nee, Südafrika gehört zwar zu den großen Rugby-Nationen, erreichte aber bei der vergangenen WM nur Platz 3.

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Richtig!

Ja, etwa 100 Meter lang und 70 Meter breit. Dafür aber mit 15 Spielern.

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