Wer spielte wie gegen wen?

Borussia Dortmund – Benfica Lissabon 4:0 (1:0)

FC Barcelona ­– Paris Saint-Germain 6:1 (2:0)

Wie war Dortmund?

Gut, aber nicht titelwürdig. Jene, die nur das 4:0 sehen, muss man aufklären: So überlegen, wie es das Ergebnis vermuten lässt, war der BVB nicht. Er musste sich zwischenzeitlich mit dem Gedanken an eine Verlängerung vertraut machen, hatte dann aber magische sechzig Sekunden und diesmal auch den echten Pierre-Emerick Aubameyang auf dem Platz.

Das Spiel begann, wie es Thomas Tuchel nicht besser hätte planen können: Ecke Ousmane Dembélé, Verlängerung Christian Pulisic, Kopfball Aubameyang. Dortmund führte und bestimmte in der anschließenden Phase das Spiel. Nicht nur der Abwehr-Opa Luisão staunte ob des Dortmunder Tempos. Da wurde einem schon beim Zusehen schwummrig, der BVB spielte tollen Fußball. Dann aber verlor er sich und irgendwann die Kontrolle über die zuvor handzahmen Portugiesen.

Erst als Pulisic nach blitzgescheitem Pass von Łukasz Piszczek den zweiten Treffer erzielte und Aubameyang nicht mal eine Zeigerumdrehung später nachlegte, ähnelte der BVB wieder dem BVB der ersten Minuten. Aubameyangs dritter Treffer zum 4:0 rundete den Abend ab.

Wer stand im Blickpunkt?

Pierre-Emerick Aubameyang. Beim 0:1 im Hinspiel vor drei Wochen war er noch wie seine Karikatur über den Rasen in Lissabon gestolpert. Er hatte mit sich gehadert, beste Chancen und einen Elfmeter vergeben. Und man weiß ja mittlerweile: Trifft Aubameyang nicht, hat Dortmund ein Problem. Rechtzeitig zum Rückspiel aber fand Aubameyang sein Zielwasser wieder, der Sportdirektor Michael Zorc will das vorhergesehen haben: "Ich habe noch in Lissabon zu ihm gesagt, dass er das Rückspiel entscheiden wird." Aubameyang hatte zugehört. Er wärmte sich gegen Freiburg und Leverkusen mit je zwei Treffern auf, gegen Benfica schoss er den BVB mit drei weiteren Buden ins Viertelfinale.

Hatten die Fans den siebten Sinn?

Definitiv. Die Südtribüne erteilte Tuchel und seinen Bubis noch vor dem Anpfiff eine Lektion in Sachen Vereinsgeschichte. Am 4. Dezember 1963 standen sich der BVB und Benfica schon einmal in einem Achtelfinale der Champions League gegenüber, die damals noch Landesmeister-Wettbewerb hieß. Das Hinspiel in Lissabon verlor der BVB knapp, durch ein 5:0 im Rückspiel zog Dortmund doch noch in die nächste Runde ein. Der Aubameyang von damals hieß Franz Brungs, im Tor stand Hans Tilkowski.

Daran erinnerten die Fans 53 Jahre später mit einer Choreo. Unter dem BVB-Wappen wurden auf der Tribüne Banner in Form von Zeitungsseiten enthüllt, darunter die Zeile: "Morgen schreiben die Gazetten wieder: 'Borussia spielt Benfica nieder!'" Und die Dortmunder Fans behielten recht, Geschichte wiederholt sich eben manchmal doch.

Wie ist die Stimmung in Barcelona?

Dort herrschte Ausnahmezustand. Lionel Messi, Neymar und Luis Suárez haben wieder zugeschlagen, der FC Barcelona steht nach dem 6:1 über Paris Saint-Germain im Viertelfinale. Davon hatten vor dem Anpfiff nur die Optimisten zu träumen gewagt, von denen es allerdings in Barcelona einige gibt. Auch wenige Minuten vor dem regulären Spielende sah es noch so aus, als würde Barça zwar das Rückspiel gewinnen, aber dennoch ausscheiden. Dann traf Neymar per Freistoß (88.), und Luis Suárez fiel so theatralisch im Strafraum, dass sich der Franke Deniz Aytekin, der für die Schiedsrichtergruppe Zirndorf pfeift, zu einem denkwürdigen Elfmeterpfiff hinreißen ließ. Neymar traf (90.+1), die Nachspielzeit lief noch vier Minuten und es fehlte nur noch ein Tor zum Weiterkommen.

Dieser historischen Aufholjagd zum Trotz – was Barça in diesen Achtelfinals spielte, erinnerte manchmal mehr an Darmstadt 98 als an den Hochgenuss der Guardiola-Ära. Sogar der Tormann Marc-André ter Stegen hatte sich gegen Ende als Aushilfsmittelstürmer versucht, in letzter Sekunde erzielte dann Sergi Roberto (90.+5) den alles entscheidenden Treffer. Egal, ob Barcelona nur den Fußball- oder auch den Schiedsrichtergott auf seiner Seite hatte, für PSG-Trainer Unai Emery bleibt mit seiner Millionentruppe nur das Last-Second-Aus. Er sagte: "Die Schiedsrichterentscheidungen gingen gegen uns."