Weil man sich bei den Bayern in den letzten Jahren schon dran gewöhnt hat, muss man es, damit es nicht untergeht, noch mal sagen: Es war ein großes Spiel in Madrid. Fast ausgeschieden, brachten sie den Titelverteidiger in Not. Das Spiel zeigte, es hätte dieses Jahr noch mal klappen können mit der Champions League. Ergebnisse und Schwergewichtsfußball können sie noch immer, wenn's drauf ankommt. Dramatik, Verlängerung, bestes Fußballtheater – diese Bayern begeistern.

Man muss aber auch betonen, dass es ein großes Spiel war, weil man nicht weiß, wann das nächste der Bayern folgen wird. Denn am Dienstag ging, fast unbemerkt, auch einer zum letzten Mal von einem Champions-League-Platz: Philipp Lahm, Kapitän und Kopf dieser Mannschaft, die so viel gewonnen hat. Es war ein würdiger Abschluss seiner internationalen Karriere, aber auch der erfolgreichsten Epoche des Vereins seit den goldenen Siebzigern.

Seit 2012 war der FC Bayern immer unter den letzten vier, das schaffte sonst nur Real Madrid. Finale, Sieg, Halbfinale, Halbfinale, Halbfinale, nun das knappe Aus. Formal ein Viertelfinale konnten es manche als das eigentliche Endspiel der zwei Favoriten betrachten. Bayern München ist auch in dieser Saison wieder mal eins von drei, vier, fünf Teams in Europa, das es zu schlagen gilt.

Doch es stellt sich die Frage: Ist oder war? Die Bayern spielen schon diese Saison nicht mehr so gut wie in den vergangenen fünf. Die Qualität ihres Fußballs hat sichtbar nachgelassen, bezeichnenderweise gelang ihnen gegen Real in 270 Minuten kein Tor aus dem Spiel heraus. Und eine neue Hochphase zeichnet sich nicht ab. Eine neue Mannschaft, die zu ähnlichen Leistungen wie die in den Jahren 2012 bis 2016 imstande ist, ist nicht zu erkennen.

2013 stand die Mannschaft im Zenit

Eine gute Mannschaft entsteht nämlich nicht von heute auf morgen oder durch ein paar Einkäufe. Eine gute Mannschaft muss sich entwickeln. Das belegt am besten die, deren Zeit nun endet: Im Zentrum standen Spieler, die schon in der Jugend im Verein waren. Bastian Schweinsteiger, Thomas Müller, Toni Kroos, David Alaba und vor allem der Entscheider Lahm. Zu Münchnern wurden auch zwei ausländische Fußballer von Weltformat: Franck Ribéry und Arjen Robben.

An all diesen Spielern feilten mehrere Trainer, doch zum Team wuchsen sie zusammen, rund ein Jahrzehnt lang. Wie vierzig Jahre zuvor der FC Bayern von Franz Beckenbauer, Gerd Müller, Sepp Maier und Uli Hoeneß. Er gewann 1974 bis 1976 drei Mal den Europapokal und vieles mehr.

Die Lahm-Bayern setzten in der Saison 2009/10 zum Höhenflug an. Damals brauchten sie noch Glück, um ins Finale zu kommen. 2012 hätten sie es eigentlich schon gewinnen müssen, doch das Schicksal begünstigte die eigentlich überalterte Elf von Chelsea. 2013 gewannen die Bayern den Pokal. Die Mannschaft stand im Zenit, hatte eine ideale Altersstruktur, eine ausgeprägte Identität und war idealtypisch auf allen Positionen besetzt.