Die Szene in der 85. Minute zeigte es ganz gut: Dortmund war gegen Monaco schon 1:3 hinten, als Sokratis einen langen Ball unterschätzte. Valère Germain machte sich auf den Weg zum 4:1, doch Sokratis grätschte den Ball gerade noch ab. Er machte das Beste daraus.

Es scheint das Dortmunder Motto dieser Tage zu sein: Umgang zu finden mit einem Gefühl, das keiner kennt. Nur sieben Tage nach dem Sprengstoffanschlag auf den Dortmunder Bus musste der BVB wieder spielen, das Viertelfinal-Rückspiel war seitdem das dritte Spiel. Dortmund verlor 1:3 und schied aus und vielleicht ist das die gesündere Alternative.

Der Schweizer Keeper Roman Bürki sagte der Schweizer Tageszeitung Der Bund, dass er nicht mehr durchschlafe. Und Nuri Şahins Interview unmittelbar nach dem Spiel wird älter, aber nicht leiser werden. Mitnichten ist absehbar, wie der BVB aus dieser Geschichte entkommen wird.

Man muss es noch mal wiederholen: Der BVB spielte das Hinspiel gegen Monaco gegen seinen Willen. Von der Uefa wurden sie gezwungen und von der Politik moralisch so sehr überhöht, als sei die 2:3-Niederlage im Hinspiel ein Dienst an der Gesellschaft gewesen, wie auch zu lesen war.

Bisher weiß man weder wer der oder die Täter waren, noch aus welchem Motiv sie ein ganzes Fußballteam töten wollten. Am Montag stellten Behörden das Szenario noch mal nach. Kurz hinter der Hotelausfahrt war ein Busch, jetzt ist da eine schaufelbaggergroße Mulde. Die Zünder seien militärisch-professionell gewesen. Eine Sekunde früher und es hätte Tote gegeben. Je mehr man erfährt, desto schlimmer wird es. 

Und vor dem Spiel in Monaco war es wieder zu einer Verzögerung gekommen. Die Polizei ließ den Bus erst mit 20 Minuten Verspätung vom Hotel abfahren. Trainer Thomas Tuchel sagte: "Wir wussten nicht, was los war. Diese 15 Minuten sorgten dafür, dass wir nicht an Fußball denken konnten."

Wenn ein Team sich berechtigt um seine Gesundheit sorgt: Wie soll man dieses Team bewerten?

Wenn man streng sein möchte, kann man Thomas Tuchel vorwerfen, die falsche Aufstellung und das falsche Personal gewählt zu haben. Seine Dreierkette in der Abwehr fand nie zu sich. Nach 26 Minuten sah er das ein, Erik Durm wurde ausgewechselt und Ousmane Dembélé kam ins Spiel. Der BVB stellte zurück auf eine Viererkette.

Da waren schon Tore gefallen

Da waren allerdings schon zwei Tore gefallen. Vor dem 1:0 lief Monacos Mendy an Durm vorbei, ohne dass er eingreifen wollte. Sein Schuss war haltbar, Bürki ließ ihn aber nach vorne abtropfen und Monacos Kylian Mbappé schloss ab. Auch das 2:0 entstand auf  Dortmunds rechter Seite, Falcao wurde in der Mitte auch noch alleine gelassen.

Doch für diese Tage gibt es kein Drehbuch, man muss sehr sensibel sein. Es gibt unter Sportjournalisten das Format der Einzelspielerkritik. Bei den Kollegen von ran steht nach dem Aus in Monaco jetzt "fünfmal Note 5, einmal Note 6." Hart und klar ausgeschrieben, sieht das jämmerlich aus, wie boulevardesker Hohn gegenüber jungen, rastlosen Menschen.